Keine Reibeplätzchen mehr: Zum Abschied von Marita Weber (62) vom Werner Wochenmarkt wollten viele Kunden noch einmal die Kartoffel-Spezialität kaufen und der langjährigen Markthändlerin gute Wünsche ausrichten. © Andrea Wellerdiek
Wochenmarkt in Werne

Mit Video: Run auf Reibeplätzchen beim Abschied von Markthändlerin Marita Weber

Das letzte Mal Reibeplätzchen: Viele Werner sind zum Imbiss-Wagen auf dem Wochenmarkt in Werne gekommen, um sich von Marita Weber (62) zu verabschieden. Am Ende muss sie selbst ihre Kunden vertrösten.

Marita Weber ist verzweifelt: „Ich hab‘ nichts mehr. Tut mir leid!“ Immer wieder muss die 62-Jährige sich an diesem Freitagmorgen (29. Januar) entschuldigen. Nein, Reibeplätzchen gibt es an ihrem Imbiss-Stand auf dem Werner Wochenmarkt schon seit 11.15 Uhr nicht mehr. An ihrem letzten Tag auf dem Markt in der Lippestadt wollen viele Kunden noch einmal die deftigen Kartoffelpuffer von der beliebten Markthändlerin kaufen.

Denn nach etwa 40 Jahren verabschiedet sich die Bergkamenerin vom Wochenmarkt. Seit mehr als zehn Jahren hat sie hier ihren Imbiss-Stand geöffnet. Viele Weggefährten – Kunden, Marktmeister und Kollegen – verabschieden sich von Marita Weber. So wenig Reibeplätzchen wie am frühen Mittag noch in dem Fett des großen Bräters schwimmen, umso mehr türmen sich direkt daneben die Geschenke, die sie heute zum Abschied erreicht haben.

Video

Marita Weber verabschiedet sich vom Markt in Werne

Doppelt so viele Reibeplätzchen wie sonst verkauft

„Ich kann Ihnen leider gar keine Reibeplätzchen mehr anbieten“, sagt Marita Weber auch zu einer ihrer ältesten Kundinnen, die mit ihrem Rollator erst um kurz nach 12 Uhr auf dem Wochenmarkt eintrifft. Heute, so erzählt Marita Weber, musste sie viele Kunden vertrösten.

„Es haben wohl viele in der Zeitung gelesen, dass ich heute zum letzten Mal hier bin. Mit so einem Andrang habe ich nicht gerechnet. Und schon gar nicht bei dem Wetter“, sagt Marita Weber und blickt auf die Regentropfen, die von ihrem Stand abprallen. Dennoch hatte sie doppelt so viel Teig für ihre Reibeplätzchen vorbereitet.

Viele Kunden wollten sich noch einmal Reibeplätzchen von Marita Weber sichern. So gab es schon am Morgen eine lange Warteschlange vor dem Imbiss-Stand.
Viele Kunden wollten sich noch einmal Reibeplätzchen von Marita Weber sichern. So gab es schon am Morgen eine lange Warteschlange vor dem Imbiss-Stand. © Andrea Wellerdiek © Andrea Wellerdiek

Auch Corona-Krise spielt bei Entscheidung eine Rolle

„Es waren bestimmt 30 Kilo Kartoffeln, die ich geschält habe“, erzählt sie. Zwei Stunden braucht sie allein für das Schälen. Mittlerweile würde das aber recht fix gehen. Künftig möchte Marita Weber dennoch kürzer treten. Neben dem Wochenmarkt in Werne ist sie auch an zwei Tagen mit einem Obst- und Gemüsestand auf dem Markt in Münster vertreten.

„Das ist mir irgendwann ein bisschen zu viel geworden. Aber Corona spielt auch eine Rolle“, sagt sie. Insgesamt seien zuletzt weniger Kunden gekommen. Ihre Tische durfte sie nicht mehr aufbauen. Der Imbiss vor Ort ist nicht erlaubt, die Reibeplätzchen und die Suppen – im Wechsel hatte sie immer Erbsen- und Linsensuppe im Angebot – gab es nur zum Mitnehmen.

Neben dem leeren Bräter, in dem kein einziges Reibeplätzchen mehr schwimmt, stehen viele Geschenke, die Marita Weber zum Abschied erreicht haben.
Neben dem leeren Bräter, in dem kein einziges Reibeplätzchen mehr schwimmt, stehen viele Geschenke, die Marita Weber zum Abschied erreicht haben. © Andrea Wellerdiek © Andrea Wellerdiek

Künftig ist Marita Weber selbst als Kundin vor Ort

Der Kontakt zu den Kunden und den Kollegen auf dem Wochenmarkt werde ihr besonders fehlen. Marita Weber wird man trotzdem noch in Werne auf dem Markt sehen. „Na klar. Als Kundin komme ich auf jeden Fall wieder.“ Sie ist vielen Wernern und Besuchern des Marktes bekannt, eigentlich ist sie eine Institution mit ihrem Imbiss-Wagen.

Vor gut 40 Jahren hatte die gelernte Bürokauffrau hier Norbert Weber, ihrem jetzigen Ex-Mann, erstmals bei seinem Obst- und Gemüsestand geholfen. 2009 machte sie sich dann mit dem Verkauf ihrer Reibeplätzchen, die sie übrigens ganz klassisch mit Haferflocken und Gewürzen zubereitet, selbstständig. Anfangs sei es schwer gewesen. Da mussten sich die Kunden erst an sie und ihr Angebot gewöhnen.

Heute ist Marita Weber nicht mehr wegzudenken von dem Wochenmarkt in Werne. Umso trauriger waren auch die Stammkunden über ihren jetzigen Abschied. „Sie waren ganz erstaunt, dass ich aufhöre. Aber jetzt habe ich auch lange genug gebacken.“

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek

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