Analog-Astronaut Dr. Robert Wild und die Forscher des Amaze-Experiments, Christian Brommer (r.), Martin Scheiber (2.v.l.) und Alessandro Fornasier (l.) mit dem Mars-Helikopter. © Florian Voggeneder
Mars-Mission

Mit Video: Mars-Mission – Werner forscht an Mars-Helikopter in israelischer Wüste

Christian Brommer aus Werne forscht an einem Mars-Helikopter, der den Astronauten die Arbeit im All erleichtern soll. Dafür durfte er eine Woche in die israelische Wüste.

Um die 30 Grad Celsius herrschen in der israelischen Negev-Wüste. Die Landschaft so trocken und rot wie der Mars. Durch den Wüstensand laufen Astronauten in silbernen Anzügen. Wenn daneben nicht Menschen ohne Schutzanzug stehen würden, könnte man denken, die Bilder stammten von diesem Millionen Kilometer entfernten Planeten. Tun sie aber nicht.

Nur drei solcher Orte gibt es auf der Erde, sagt Christian Brommer. Der Werner arbeitet an der Universität Klagenfurt in Österreich gemeinsam mit seinem Team an einem Mars-Helikopter, der es den Astronauten irgendwann so einfach wie möglich machen soll, den Planeten zu erforschen. Und dafür haben er und zwei Kollegen nun sieben Tage in der israelischen Wüste verbracht.

Helikopter braucht eigenes, nicht GPS-gestütztes Navigationssystem

Brommers Mars-Helikopter-Projekt mit dem Namen „Amaze“ ist eines von 20, die im Rahmen der sogenannten Adamee-20 Mars-Simulation des Österreichischen Weltraum Forums (ÖWF) von Anfang bis Ende Oktober an diesem marsähnlichen Ort in der Negev-Wüste stattfinden. 20 deshalb, weil diese Simulation schon 2020 stattfinden sollte, wegen der Coronapandemie aber verschoben werden musste.

„Wir scouten die Marsoberfläche für Astronauten“, fasst Brommer das Ziel der Mission kurz und knapp zusammen. Daten und Erkenntnisse sollen gesammelt werden, durch die die Technik, die den Astronauten im Weltall helfen soll, immer besser und immer leichter zu bedienen werden soll.

Seit 1,5 Jahren beschäftigen sich Christian Brommer und sein Projektteam mit dem Bau des Mars-Helikopters – neben ihrer eigentlichen Arbeit an der Universität Klagenfurt. Brommer ist dort Teil der Forschungsgruppe Control of Networked Systems unter der Leitung von Prof. Dr. Stephan Weiss dem er in den USA bereits am Jet Propulsion Laboratory der NASA zu ähnlichen Themen zusammen gearbeitet hat. Und das österreichische Modell sei in Teilen schon besser als der Mars-Helikopter Ingenuity, der seit Februar 2021 auf dem Mars unterwegs ist.

Der Mars-Helikopter aus Österreich ist nicht fürs Weltall gebaut. Anders könnte der Mars-Heli Ingenuity technisch niemals auf der Erde fliegen. © Brommer © Brommer

Der Helikopter der Österreicher greift auf kamerabasierte Bilder zurück, um sich schon jetzt möglichst autonom bewegen zu können. Denn GPS wie im Navigationssystem von Autos gibt es auf dem Mars nicht. Will heißen: Fliegt Helikopter von Punkt A nach Punkt B und will dann wieder zurück zu Punkt A, soll der Helikopter so genau wie möglich anhand der Umgebungsaufnahmen wieder dort landen. Diese Prozesse immer weiter zu verfeinern und die entsprechenden Algorithmen dafür zu finden, ist das Ziel der Österreicher. Dazu sollen auch die Daten, die die Forschungsgruppe nun in Israel sammeln konnte, nutzen, die nun an die Algorithmen verfüttert werden.

Brommers Helikopter kann waghalsigere Manöver fliegen

In der Negev-Wüste, einem Bereich, der nur für Forschende und Journalisten zugänglich ist, haben viele dieser Projekte teils gleichzeitig stattgefunden. Weil man in der Wüste daneben stehe, habe die Gruppe hier viel riskantere Manöver fliegen können, so Brommer. Und im Zweifel händisch eingreifen können. Auf dem Mars wäre Ingenuity bei waghalsigen Experimenten möglicherweise verloren. „Auf einmal ist der Boden 20 Meter tiefer. Das sind Sachen, die können wir auf der Erde mehrfach herstellen.“

Brommer und sein Team sind mittlerweile wieder in Österreich. Der Helikopter aber ist vorerst in Israel geblieben, wo die Astronauten ihn ausprobieren können. „Ohne den ÖWF und das Amadee-Projekt wäre das gar nicht möglich gewesen. Man darf als Normalsterblicher wegen Covid gerade gar nicht nach Israel reisen. Da war sehr viel Bürokratie im Spiel, auch für den Helikopter“, so Brommer. Den Mars wird der österreichische Helikopter allerdings niemals sehen. „Dafür ist er auch gar nicht gebaut“, so Brommer. Aber vielleicht sehen seine Nachfolger mit seiner Hilfe einmal den echten Mars.

Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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Eva-Maria Spiller

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