Die Skulptur des Bauern beziehungsweise Schweinehändlers auf dem Werner Roggenmarkt trägt in Zeiten der Pandemie ebenfalls eine Maske. © Felix Püschner
Videokolumne Heidewitzka

Mit Video: Das haben der Ausrufer auf dem Werner Marktplatz und der Schweinehändler gemeinsam

Die „Germania“ im Werner Steintorpark, der Ausrufer auf dem Marktplatz, die widerspenstige Ziege in der Steinstraße - tatsächlich haben diese Dinge etwas gemeinsam. Was genau das ist, erklären wir in unserer Videokolumne.

Denkmäler sind Erinnerungsmale, die einer Person oder eines besonderen Ereignisses gedenken. Das älteste Reiterdenkmal wurde schon 550 v. Chr. auf der Akropolis in Athen aufgestellt. Im Römischen Reich gab es eine Vielzahl von Marmor- und Bronzestatuen, zum Teil gewidmet den Göttern oder später auch römischen Kaisern und Feldherren.

Aus dem Mittelalter sind uns nur wenige Denkmäler überliefert – das änderte sich dann im 15. Jahrhundert, da es durch das ausgeprägte Persönlichkeitsbewusstsein in der Renaissance eine Neubelebung des Denkmalgedankens gab. Das 19. Jahrhundert ist dann führend im Denkmalkult, denn nun kann jede Persönlichkeit, Idee oder Ereignis in einem Denkmal gewürdigt werden.

Fast jede Stadt oder Gemeinde stellte in jener Zeit ein Denkmal auf dem Markt- oder Kirchplatz auf – besonders beliebt waren die Erinnerungsdenkmäler an vergangene Schlachten und ihre Kriegshelden. Auch in Werne entstand im Jahre 1888 ein steinernes Denkmal in Erinnerung an die überstandenen Kriege von 1864/66 und an den deutsch-französischen Krieg 1870/71. Es zeigt die „Germania“, die einen Siegeskranz über einen gefallenen Soldaten hält.

Diese Figurengruppe befand sich auf einem hohen Sockel mitten auf dem Werner Marktplatz vor dem Rathaus und war mit einem Gitter eingezäunt, wie uns alte Postkarten zeigen. Während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurde sie 1937 an den hinteren Teil des Stadtsees verbannt – vielleicht, weil ein gefallener oder sterbender Soldat nicht zu der Ideologie der Nazis passte, da es nur siegreiche deutsche Soldaten gab, oder auch, weil der Marktplatz zu größeren Aufmärschen der NSDAP dienen sollte.

Die „Germania“ zog von einem Standort zum nächsten

Schon ein Jahr später, 1938, gab es nämlich ein großes Kreistreffen der NSDAP in Werne, wozu der Marktplatz bestens geeignet war. Erst Ende der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts erinnerte man sich wieder an die „Germania“ am Stadtsee und so wurde bei der Neugestaltung des Steintorparks sowohl die „Germania“ als auch die bronzene Pieta, die bis dahin auf einer Anhöhe auf dem Hagen am Stadtsee gestanden hatte, dorthin verlegt.

Die Pieta war und ist den Opfern der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts gewidmet – die Inschrift lautet: „Den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft zum Gedenken – den Lebenden zur Mahnung“. Ein kubischer Würfel aus Baumberger Sandstein, der seit 1990 am Hintereingang des Stadtmuseums steht, ist kein Denkmal, sondern ein Grabmal, das 1820 auf der Grabstelle des Werner Bürgermeisters Ehringhausen auf dem damaligen Friedhof, dem heutigen Steintorpark, errichtet wurde.

Hier stand die Germania noch auf dem Werner Marktplatz.
Hier stand die Germania noch auf dem Werner Marktplatz. © Förderverein Stadtmuseum © Förderverein Stadtmuseum

Aber auch in jüngster Zeit, zum Beispiel nach der Fertigstellung der Fußgängerzone in Werne in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts, entstanden zwar keine Denkmäler im ursprünglichen Sinne mehr, aber Bronzeskulpturen, die an frühere Ereignisse erinnern sollen. Auf dem Markt vor dem Rathaus wurde im Jahre 1986 als erstes der „Ausrufer“ (der Künstler war Josef Wäscher aus Werl) aufgestellt, denn noch bis ins 20. Jahrhundert hinein verkündete der städtische Ausrufer die wichtigsten Ereignisse auf dem Markt und an anderen Plätzen, unter anderem 1914 den Ausbruch des ersten Weltkrieges.

Ein Jahr später kam der „Bauer/Schweinehändler“ (die Künstlerin war Annette Wittkamp-Fröhling aus Lüdinghausen) auf den Roggenmarkt, da auf diesem Platz früher nur die Bauern ihr Korn und ihre Tiere verkaufen durften, auf dem Markt war es ihnen bis zum 19. Jahrhundert verboten. 1990 platzierte die Stadtsparkasse Werne vor ihrem Eingang „Das zerbrochene Sparschwein“ vom Künstler Hans-Gerd Ruwe aus Osnabrück und 1992 „Die Widerspenstige“ (Ziege) von Jürgen Ebert aus Bocholt an der Ecke Steinstraße/Magdalenenstraße.

Der Ausrufer auf dem Marktplatz wurde 1986 aufgestellt. Hier zu sehen sind außerdem der ehemalige Kreistagsabgeordnete Ernst Klaes (l.) und der ehemalige Stadtsparkassendirektor Gerd-Ludwig Dresen.
Der Ausrufer auf dem Marktplatz wurde 1986 aufgestellt. Hier zu sehen sind außerdem der ehemalige Kreistagsabgeordnete Ernst Klaes (l.) und der ehemalige Stadtsparkassendirektor Gerd-Ludwig Dresen. © Förderverein Stadtmuseum © Förderverein Stadtmuseum

Die Bronzegruppe soll daran erinnern, dass sich nicht alle Tiere gerne zum Verkauf auf den Markt bringen ließen. Diese vier Skulpturen sind von der „Sparkassenstif-tung zur Förderung von Kunst und Wissenschaft“ gestiftet worden und bereichern noch heute unser Werner Stadtbild.

Auch die vier kleinen bronzenen Modelle vor dem Museum, der Kirche, dem Rathaus und dem Bürgerhaus an der Steinstraße vom Künstler Broerken aus Welver wurden 2010 anlässlich des Kulturhauptstadtjahres aufgestellt, um die Bedeutung dieser Gebäude hervorzuheben und damals den ersten virtuellen Stadtrundgang, ausgehend vom Museum, zu initiieren.

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