Eindrücke vom Motettenkreis-Konzert in Werne am Sonntag (19. September). © MEISEL-KEMPER
Motettenkreis in Werne

Mit Fotostrecke: Motettenkreis verzaubert Zuhörer bei Konzert

Zu einem unterhaltsamen, eindrucksvollen aber auch nachdenklichen Konzert hat der Motettenkreis am Sonntag (19. September) nach Werne eingeladen. Die Akteure ernteten stürmischen Applaus.

Es war ein unterhaltsames, aber auch entdeckungsreiches Konzert, das Rainer Kamp rund um das Thema „Gott und die Götter“ konzipiert und im Kolpingsaal in Werne geleitet hat. Zusammen mit dem Motettenkreis Werne, dem Kammerorchester „Kamerata Lupia“, den Solisten Johannes Schwarz (Bariton) und Anna Kristina Naechster (Sopran) sowie dem Sprecher Pfarrer Alexander Meese entzündete dieses Konzert große Begeisterung beim Publikum.

Thematisch hätte das Konzert gut in eine Kirche gepasst

Eigentlich hätte das Konzert in einer Kirche stattfinden müssen, denn in allen Texten spiegelte sich die Auseinandersetzung mit Gott und der Götterwelt aus der Antike, der Liebe, dem Leben und dem Tod wieder. Auch Johann Sebastian Bach hätte die Aufführung seiner Komposition „Air“ aus der 3. Orchestersuite sehr gefallen.

Kamp hatte dieses Werk an den Anfang des Konzerts gestellt, anfangs als rein instrumentale Interpretation in Memoriam an den verstorbenen Violinisten Hanno Hentrich (2. Mai 2020). Die Kesselpauke öffnete das Feld für die Bläser. Erst später kam der Chor dazu, geleitet von einem wunderbar virtuos gezupften Cello. Daraus entwickelte sich ein Zusammenklang, der wie bei einer Luftbewegung mal ruhiger, mal emphatisch und dramatisch anschwellend erklang.

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Motettenkreis-Konzert in Werne

Etwas ruhiger wurde es, als Schwarz, der aus Werne stammt, von Johannes Brahms „Schicksalslied“ (op. 54) interpretierte. Kamp begleitete ihn am Klavier. Der Text der Arien stammt aus der Feder von Friedrich Hölderlin. Als Brahms die Musik zu seinen „Vier ernsten Gesängen“ (op. 121) nach Worten der Heiligen Schrift komponierte, war seine persönliche Zeit von Schmerz und Verlusten geprägt. In den biblischen Texten, die Brahms aufgreift, steht der Tod am Anfang und am Ende die Versöhnung mit der Vertonung des „Hohenliedes der Liebe“. Der Bariton von Schwarz passte wunderbar auch zu diesen Inhalten. Am Anfang ernst und getragen in eher tieferen Stimmlagen, am Ende vibrierend und facettenreich und beinahe fröhlich.

Gullbergs Botschaft zielte genau auf das Brandjahr 1939

Die Sopranistin Naechster kam in „Gott in Verkleidung“ (op.24) von Lars-Erik Larsson dazu mit ihrem wunderbar klaren und ausgeprägten Sopran. Auch Naechster ist ein Kind der Region. Sie wurde in Hamm geboren. Larssons Werk war die Entdeckung des Konzerts. Alexander Meese las die Texte nach einem Gedicht von Hjalmar Gullberg dazu, für die Larson 1939 diese lyrische Suite geschrieben hatte. Spannend war der Wechsel zwischen lyrischen Passagen des Orchesters, das mit den Hörnern dazu einleitete.

Gullberg orientierte sich an dem antiken Gott Apollon, der dazu verurteilt wurde, als Mensch und als Hirte ein Jahr lang in Thessalien zu leben. Gullbergs Botschaft zielte allerdings genau auf das Brandjahr 1939, in dem der Zweite Weltkrieg begann. Nicht die Starken wollte er stützen, sondern die Schwachen, zu denen im Wechsel mit der Rezitation und dem Chor immer wieder die Flöte in Form der Oboe aus dem Orchester erklang. Hoffnung sprach aus der Musik von Larsson, die auch das Publikum erreichte. Stürmischer Applaus belohnte alle Akteure dafür.

Über die Autorin
Freie Journalistin
Elvira Meisel-Kemper ist freie Kunsthistorikerin und Journalistin. Sie hat Erfahrung als Autorin, Kunstvermittlerin, Projektbegleiterin und in der Fotografie. Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeiten liegt in der Kunstszene des Münsterlandes.
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