Mit dem Rad nach Santiago de Compostela

WERNE Er ist wieder da: Nach 2400 Kilometern auf dem Fahrrad wählte Ludger Hüttemann für die Rückkehr aus Santiago de Compostela das Flugzeug. Fünf Wochen und einen Tag brauchte der Werner, um mit dem Drahtesel das Ende des Jakobsweges in Spanien zu erreichen.

von Von Daniel Claeßen

, 09.07.2008, 17:08 Uhr / Lesedauer: 2 min
87,1 Kilometer vor dem Ziel gönnt sich der Werner eine Pause.

87,1 Kilometer vor dem Ziel gönnt sich der Werner eine Pause.

Rückblende: Am 26. Mai hatte der 51-Jährige die Lippestadt in Richtung Süden verlassen. Zuvor gab es den Pilgersegen von Pater Suitbert, auch wenn der Hobby-Radler bekannte: „Mir geht es nicht so ums Pilgern. Mich reizt der sportliche Ehrgeiz.“

Abgewetzter Pilgerausweis 

Wenn Ludger Hüttemann heute jedoch seine Pilgerurkunde aus Santiago in den Händen hält, huscht ein Hauch von Stolz über sein Gesicht. Er betont zwar, dass er die Tour so nicht noch einmal fahren würde – „das nächste Mal geht es lieber an der Küste entlang“. Aber der abgewetzte Pilgerausweis erzählt mit jedem Stempel eine jener Geschichten, die diese Radtour zu einem unvergesslichen Erlebnis machen. Und so muss auch Ludger Hüttemann zugeben: „So etwas ist einmalig.“

Sein Weg führte ihn durch die schönsten Landstriche Europas, angefangen von Rhein- und Moseltälern über die Weinberge der Bourgogne bis hinauf in die Pyrenäen. Auf dem höchsten Punkt des Jakobswegs, dem „Cruz de Ferro“ („Eisenkreuz“), gönnte er sich in eine Pause.

Am berühmten „Weinbrunnen“ des Klosters  Santa Maria la Real in Irache nahm er einen Schluck aus dem Wasserkran. Und natürlich setzte auch er einen Fuß auf den „Nullpunkt“ in Santiago.

Treffen mit anderen Pilgern

Wenn er in Pilgerherbergen einkehrte, schlief der Vorruheständler auf der Terrasse – für nur 3 statt 5 Euro die Nacht. Er unterhielt sich US-Amerikanern, aß mit Pilgern von den Färöer Inseln zu Mittag, radelte mit Spaniern und Franzosen. „Einmal begegneten mir zwei Japanerinnen, die seit 38 Tagen zu Fuß unterwegs waren“, erinnert er sich.

 „Die waren besser drauf als so mancher Spanier nach einer Woche.“ Vor allem auf den letzten 200 Kilometern vor dem Ziel erfreute sich Hüttemann dessen, was ihm zuvor so gefehlt hatte: Gesellschaft.

„Es war mehr oberflächlich, man radelte zusammen, unterhielt sich. Es entstanden keine Freundschaften“, so der Vorruheständler. Für ihn zählte nur, dass er nach 2000 Kilometern nicht mehr allein war.

Zeit zum Nachdenken

Doch die Einsamkeit hat Spuren hinterlassen. „Wenn man so lange alleine ist, fängt man an, nachzudenken“, berichtet der 51-Jährige und zeigt Fotos von langen, menschenleeren Straßen und verlassenen Dörfern. „Man fragt sich: Was hast du bisher im Leben erreicht? Was war richtig, was war falsch?“ Der Weg nach Santiago de Compostela ist eben auch immer ein Weg zu sich selbst.

Und selbst wenn er es bei seinem Aufbruch aus Werne vielleicht nicht beabsichtigt wirklich hatte: Ludger Hüttemann ist als Pilger zurückgekehrt.

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