Nachdem das Bistum Münster den Verdacht auf sexuellen Missbrauch durch den verstorbenen Priester Albeck publik gemacht hat, hat sich ein weiteres Opfer gemeldet. Tatort war Nordkirchen.

Nordkirchen, Werne

, 15.03.2019, 15:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Um sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche aufzuklären, hat das Bistum Münster schwere Vorwürfe gegen den einstigen Priester Alfred Albeck, der unter anderem in den Gemeinden St. Mauritius Nordkirchen und St. Konrad Werne tätig war, erhoben.

In drei gleichlautenden Briefen von drei männlichen Missbrauchsopfern wurde dem Geistlichen, der 2002 verstorben ist, sexueller Missbrauch vorgeworfen. Daraufhin hat das Bistum Münster die Vorwürfe öffentlich gemacht - mit der Bitte an Betroffene, sich zu melden.

Missbrauch in der Zeit in Nordkirchen gemeldet

Nun hat sich ein weiteres Opfer gemeldet, wie Bardo Schaffner erklärt. Er ist ehrenamtlicher und unabhängiger Ansprechpartner für Opfer sexuellen Missbrauchs. Demnach habe ein weiterer Mann Missbrauchsvorwürfe gegen den Priester Alfred Albeck erhoben.

Priester Albeck habe ihn in den 80er-Jahren, als er Priester in der Gemeinde St. Mauritius in Nordkirchen war, sexuell missbraucht. „Die Aussagen sind absolut glaubwürdig. Es sind sehr große Ähnlichkeiten zu sehen. Denn man erkennt ähnliche Täterstrategien“, erklärt Schaffner.

Weiteres Opfer sexuellen Missbrauchs gemeldet: Priester verging sich in Nordkirchen an ihm

Alfred Albeck (sitzend, hier neben Pfarrer Wiese; die Red. hat ihn unkenntlich gemacht) war in den 60er-Jahren als Kaplan in der Gemeinde St. Konrad Werne tätig. © Chronik Gemeinde St. Konrad Werne

„Keine Spontanhandlungen, sondern langfristig geplante Taten“

Demnach haben die Betroffenen, die sich bereits gemeldet haben, von ähnlichen Übergriffen von Pfarrer Albeck berichtet. In allen Fällen habe er sich an Jungen oder männlichen Jugendlichen vergangen, so Schaffner.

Generell seien die Taten von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche nach ähnlichem Muster geschehen, erklärt Schaffner. „Es sind keine Spontanhandlungen, sondern Taten, die langfristig geplant waren“, sagt Bardo Schaffner.

Der 68-Jährige, der seit drei Jahren Ansprechpartner für Missbrauchsopfer ist, erklärt, wie perfide die Täter vorgehen. „Sie suchen sich gezielt ihre Opfer aus. Die kommen zum Beispiel aus Familien, in denen es Probleme gibt. Die Täter bieten sich als erwachsene Freunde an oder machen den Kindern Geschenke.“

Weitere Missbrauchsopfer zu vermuten

Zu der Strategie der Täter gehöre, das Vertrauen der Kinder und Jugendlichen, aber auch der Eltern, zu gewinnen. Oft seien es Eltern, die innerhalb der Gemeinde einen gewissen Einfluss hätten. „Sie sagen dann: Das kann doch gar nicht wahr sein“, erklärt Schaffner.

Genau das hätten auch zwei Bürger, die sich bei Schaffner in dieser Woche gemeldet haben, von Alfred Albeck behauptet. Bardo Schaffner geht davon aus, dass es weitere Missbrauchsopfer gibt. Er verdeutlicht noch einmal, dass er unabhängig vom Bistum Münster arbeitet.

„Bei meinem Job geht es darum, Fälle von sexuellem Missbrauch zu dokumentieren und sie auf Plausibilität zu prüfen. Ich gebe die Informationen dann an das Bistum weiter.“

Beschuldigte Priester wurden in andere Gemeinden versetzt

Bei der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch sei es immer wichtiger, neben den Opfern und Tätern auch diejenigen zu benennen, die versuchen, mögliche Taten zu vertuschen. Der gelernte Pädagoge Bardo Schaffner macht es sich zur Aufgabe, Verdachtsfälle der Vertuschung aufzudecken.

„Wir nennen Namen derer, die für Missbrauch verantwortlich sind und derer, die dafür gesorgt haben, dass es nicht verhindert wurde“, so der 68-Jährige. Er denkt da etwa an Fälle, in denen eine Bistumsleitung von Missbrauch in den eigenen Reihen wusste und der Priester in eine andere Gemeinde versetzt wurde.

Weiteres Opfer sexuellen Missbrauchs gemeldet: Priester verging sich in Nordkirchen an ihm

Von 1961 bis 1964 war Alfred Albeck als Kaplan der Gemeinde St. Konrad in Werne tätig. © Heinz-Dieter Schulz (A)

Albeck arbeitete unter anderen in Nordkirchen und Werne

Der nun beschuldigte Alfred Albeck, der 2002 gestorben ist, arbeitete in mehreren Gemeinden. Er war Kaplan in Werne, St. Konrad (1961-1964), in Emmerich, Liebfrauen (1964-1967), in Issum-Sevelen, St. Antonius (1968-1973).

1967 bis 1968 war er Militärpfarrer in Altahlen/Heessen. Pfarrer war er in Nordkirchen, St. Mauritius (1973-1984), in Kevelaer-Winnekendonk, St. Urbanus (1984-1988), und in Kranenburg-Frasselt, St. Antonius (1988-1993). Danach trat er in den Ruhestand.

Kontaktstelle für Betroffene Sollte es weitere Betroffene geben, bittet das Bistum diese, sich bei den Ansprechpersonen für Verfahren bei Fällen sexuellen Missbrauchs zu melden. Kontakt: Bernadette Böcker-Kock, Tel. (0151) 63404738, und Bardo Schaffner, Tel. (0151) 43816695.
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