Bis 2050 könnte Werne die weitestgehende Klimaneutralität erreichen, wenn die Stadt sich an strikte Maßnahmen hält. © Benjamin Jopen/Unsplash
Klimaschutz in Werne

Minus 93 Prozent Treibhausgase? Werne strebt bis 2050 Klimaneutralität an

Werne bleibt noch Zeit bis Ende des Jahres, dann muss das Klimaschutzkonzept der Stadt fertig sein. Klar ist schon: Die Stadt will die Treibhausgas-Emissionen bis 2050 um bis zu 93 Prozent senken.

Die Stadt Werne will vorankommen in Sachen Klimaschutz und will es sich zum Ziel setzen, die Treibhausgas-Emissionen (THG) bis 2045 um bis zu 93 Prozent zu senken. Das würde einer Beinahe-Klimaneutralität in 24 Jahren entsprechen. Im Ausschuss für Umwelt, Mobilität und Klimaschutz am 2. Juni will der Klimaschutzbeauftragte der Stadt, Johannes zur Bonsen, gemeinsam mit Sabine Lohoff von der Firma Gertec die Ziele und Leitlinien des Klimaschutzkonzeptes vorstellen, das bis Ende 2021 fertig sein muss.

Damit dieses Ziel gelinge, müsse die Stadt anpacken, ebenso Wirtschaftsakteure sowie die Bürgerinnen und Bürger, heißt es in der Vorlage: 8,29 Tonnen THG hat jeder Einwohner Wernes 2018 ausgestoßen. Ein Prozent der THG gehen auf kommunale Betriebe zurück, 27 Prozent auf private Haushalte, 30 Prozent auf Wirtschaftsbetriebe inklusive Industrie, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen. 42 Prozent entfallen auf den Verkehr, davon wiederum 21 auf die nahegelegene Autobahn 1.

Private Haushalte können durch neue Heizanlagen punkten

In privaten Haushalten und in Kommunalbetrieben bestehe Potenzial für Emissions-Einsparungen insbesondere durch den Einbau neuer Heizungen, beim Gewerbe könnten THG durch neue Heizungen und im Bereich der Prozesswärme – darunter zusammengefasst sind Solarkollektoranlagen, Wärmepumpen oder Biomasse-Anlagen – eingespart werden. Im Bereich Verkehr sind THG-Einsparungen zwischen 7 und 25 Prozent bis 2030 und 16 bis 91 Prozent bis 2050 denkbar.

An Erneuerbaren Energien seien Windkraft, Solarenergie, Geothermie und Luftwärmepumpen denkbar, heißt es weiter. „Die möglichen gesamtstädtischen Treibhausgasminderungen bewegen sich zwischen 19% und 47% für das Jahr 2030 bzw. zwischen 38% und 93% für das Jahr 2050.“

In das Klimaschutzleitbild sollen nun erst einmal die Maßnahmen bis 2030 beziehungsweise 2035 aufgenommen werden sowie das Ziel an THG-Einsparungen, das sich die Stadt bis 2025 selbst setzt. Der Heizöl-Verbrauch soll bis 2040 auf „nahe Null“ reduziert werden, Emissionen aus Erdgas halbiert. „Insbesondere bei der Entwicklung von Neubaugebieten sollen zukünftig klimarelevante Festsetzungen im Bebauungsplan integriert werden.“

Bis 2030 will die Stadt mindestens 25 Prozent des Photovoltaik-Potenzials (PV) in der Stadt nutzen. „Die Stadt Werne sieht einen Zubau von bis zu drei Freiflächenanlagen bis zum Jahr 2030 als umsetzbar an und möchte auch hier unterstützend wirken“, heißt es in der Vorlage.

Stadtverwaltung will bis 2040 klimaneutral sein

Die Stadtverwaltung selber will die Bürgerinnen und Bürger nicht nur informieren und beraten, sondern selbst mit gutem Beispiel vorangehen und bis 2040 klimaneutral werden. Zum einen soll der Endenergieverbrauch reduziert werden, Sanierungen und Neubauten sollen klimafreundlich erfolgen und die Wärmeversorgung soll auf Erneuerbare Energien umgerüstet werden. Auch PV-Anlagen sollen auf städtischen Gebäuden und Flächen errichtet werden, sowie der eigene Fuhrpark umstrukturiert und die Straßenbeleuchtung auf LED umgestellt werden.

Um den Haupt-Emissionstreiber Verkehr zu senken, will die Stadt bis 2030 15 Prozent an Emissionen eliminieren. Das soll durch Fördermaßnahmen in der Beschaffung von Fortbewegungsmitteln, aber auch durch den Ausbau klimafreundlicher Infrastruktur erreicht werden. Darüber hinaus soll die Stadt sich an Klimafolgen anpassen und sich auf Ereignisse wie Starkregen oder Hitze vorbereiten.

Für die Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes rechnet die Stadt allein für die Jahre 2020 bis 2030 mit Kosten von mehreren Millionen Euro, insgesamt mit „erheblichen finanziellen Belastungen“. Wie hoch der Mehraufwand konkret sei, lasse sich aber nur je Einzelfall beziffern.

Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
Zur Autorenseite
Eva-Maria Spiller

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.