Welche Markthändler auf dem Wochenmarkt in Werne erlaubt sind, wurde seit Mitte Dezember dreimal geändert. Seit Montag sind einige Händler wieder verboten. Nun ist klar, warum es ein Regel-Chaos rund um die Coronaschutzverordnung gibt. © Werne Marketing (A)
Kommentar

Markthändler in Werne solidarisieren sich: Welch selbstlose und starke Geste!

Einzelhändler dürfen ihre Läden nicht öffnen, Markthändler dürfen jedoch verkaufen. Zwei Marktbeschicker in Werne solidarisieren sich und reduzieren ihr Angebot. Eine starke Geste in Krisen-Zeiten.

Ob Unternehmen, Restaurants, Kneipen, Kinos, Diskotheken, Fitness-Studios, Friseure oder der Einzelhandel – die Corona-Krise sorgt an vielen Stellen für wirtschaftliche Einbußen und persönliche Sorgen um die Zukunft. Die Innenstädte sind in diesen Tagen leer gefegt.

Das spüren auch die Händler auf dem Wochenmarkt Werne. Umso bemerkenswerter ist die Reaktion von Silvia und Martin Melis. Die beiden Markthändler aus Lünen zeigen sich in diesen schwierigen Zeiten solidarisch mit dem Einzelhandel.

Einige Einzelhändler in Werne zeigen Unverständnis

Seit dem Beginn des Lockdowns im November 2019 sind die Geschäfte in Werne geschlossen. Nur Läden, die Lebensmittel anbieten, dürfen öffnen. Für die anderen Unternehmer liegen die Hoffnungen auf dem Verkauf ihrer Waren über einen Online-Shop oder durch einen Abhol- und Lieferservice. Und darauf, dass der Lockdown endlich gelockert wird und sie ihre Kunden wieder im Laden empfangen und beraten dürfen.

Pullover, T-Shirts und Hosen können Kunden derweil aber auf dem Wochenmarkt in Werne kaufen. Denn: Hier ist der Verkauf von Non-Food-Artikeln nach der neuen Coronaschutzverordnung erlaubt. Dass das auf Unverständnis bei den Einzelhändlern trifft, ist verständlich. Wieso dürfen sie ihre Klamotten auf dem Markt verkaufen und wir nicht? Das werden sich einige Unternehmer fragen. Zu Recht.

Auch die Idee, dass die Einzelhändler selbst einen Stand auf dem Wochenmarkt öffnen, können sie nicht umsetzen. Denn der Wochenmarkt darf nicht durch weitere Händler erweitert werden, sondern muss in der Form wie vor dem Lockdown weitergeführt werden. Auch das Sortiment der bestehenden Markthändler darf nicht erweitert werden.

Silvia und ihr Ehemann Martin Melis sind seit mehr als zehn Jahren auf dem Wochenmarkt in Werne vertreten. Nun überraschenden sie mit einer selbstlosen Geste in der Corona-Krise.
Silvia und ihr Ehemann Martin Melis sind seit mehr als zehn Jahren auf dem Wochenmarkt in Werne vertreten. Nun überraschenden sie mit einer selbstlosen Geste in der Corona-Krise. © Helga Felgenträger (A) © Helga Felgenträger (A)

Silvia und Martin Melis aus Lünen reduzieren sogar das Angebot. Sie verzichten an einem ihrer beiden Marktstände in Werne auf den Verkauf von Uhren. Das ist eigentlich erlaubt. Allerdings nur an ihrem Stand auf dem Wochenmarkt. Ein paar Meter weiter – beim Juwelier Bleckmann – ist es verboten.

Hier dürfen die Geschäftsführer Paul und Peter Budde nur Reparaturen in der Uhrmacher-Werkstatt anbieten. Ein Verkauf von Uhren und Schmuck ist nur über den Abholservice möglich. Silvia und Martin Melis wollen dem Juwelier keine Kunden wegschnappen und zeigen sich stattdessen solidarisch.

Keine Selbstverständlichkeit in schwierigen Zeiten

„Für uns ist das selbstverständlich. Es ist schwer, Gerechtigkeit zu finden. Aber wir wollen ein Miteinander fördern“, erklärt Silvia Melis. Eine Selbstverständlichkeit ist es in der Corona-Krise nicht, selbst auf wichtige Einnahmen zu verzichten. Schließlich muss das Ehepaar Melis selbst hohe Einbußen hinnehmen, verkaufen sie doch ihre Waren nicht nur auf dem Wochenmarkt in Werne, sondern normalerweise vor allem auf Krammärkten und Kirmessen in der Region.

Umso überraschender und vorbildlicher ist nun die Reaktion der beiden Markthändler, denen selbst „das Wasser bis zum Hals steht“, wie Silvia Melis erklärt. Und sie gehen sogar noch einen Schritt weiter.

Sie haben sich dazu entschieden, ab sofort statt zweimal nur noch einmal die Woche – am Freitag – ihre Stände auf dem Wochenmarkt in Werne aufzubauen. „Wir wollen bewusst eine Einschränkung geben, um den Bedarf nicht zu decken. So können wir hoffentlich bald wieder mit den Einzelhändlern an einem Strang ziehen“, erklärt Silvia Melis die Entscheidung.

Auch das ist eine selbstlose und starke Geste in der Corona-Krise. Sie ist umso erfrischender bei dem ansonsten harten Kampf um Umsätze und die Kundengunst, der vor allem während des Lockdowns oft zugunsten des Online-Handels der großen Versandhändler ausgeht.

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek

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