Silvia und Martin Melis aus Lünen reduzieren ganz bewusst ihr Sortiment an einem ihrer beiden Marktstände in Werne. So zeigen sie sich solidarisch mit dem Einzelhandel, der zurzeit keine Waren verkaufen darf. „Für uns ist das selbstverständlich“, sagt Silvia Melis aus Lünen, hier auf einem Archivbild zu sehen. © Anna Leonie Kaiser (A)
Wochenmarkt in Werne

Markthändler in Werne reduzieren Angebot aus Solidarität mit dem Einzelhandel

Markthändler dürfen Textilien, Uhren und Co. verkaufen, Einzelhändler aber nicht. Aus Solidarität reduzieren zwei Markthändler in Werne bewusst ihr Sortiment. Und gehen sogar einen Schritt weiter.

Ungerecht, unfair und unverständlich: In der neuen Coronaschutzverordnung des Landes NRW wird deutlich unterschieden bei den Regeln im Einzelhandel und auf dem Wochenmarkt. So dürfen Markthändler sogenannte Non-Food-Artikel wie Textilien, Batterien, Staubsauger auf dem Wochenmarkt verkaufen, die Einzelhändler in ihren Geschäften nebenan hingegen nicht. Ein Unding, wie Silvia und Martin Melis aus Lünen empfinden. Deshalb haben sich die Markthändler, die regelmäßig auf dem Wochenmarkt in Werne stehen, zu einem drastischen Schritt entschieden. Sie haben im Lockdown ihr Sortiment bewusst reduziert.

Sie verzichten auf den Verkauf von Uhren. Aus Rücksicht auf den lokalen Einzelhandel, das Juweliergeschäft Bleckmann in der Steinstraße in Werne. Denn dort ist nur die Werkstatt geöffnet, ein Verkauf von Uhren nicht erlaubt. Und das, obwohl die beiden Händler, die normalerweise vor allem auf Krammärkten und Kirmessen in der Region ihr Geld verdienen, selbst in der Krise zu kämpfen haben.

„Wir müssen nicht drum herum reden: Es ist eine große Ungerechtigkeit. Wieso dürfen wir verkaufen und die anderen nicht – das fragt man sich schon. Natürlich wollen wir uns nicht beschweren. Auch uns steht das Wasser bis zum Hals. Aber das ist ein bitterer Beigeschmack“, sagt Silvia Melis (53).

Zunächst war der Verkauf von Textilien und Co. sowohl im Einzelhandel als auch auf dem Wochenmarkt verboten. Seit dem 8. Januar aber dürfen auf dem Wochenmarkt in Werne auch wieder Non-Food-Artikel angeboten werden. Die unterschiedliche Handhabung ist Teil der neuen Coronaschutzverordnung des Landes NRW, die Anfang Januar angepasst wurde.

„Man sieht genau, dass es sich um zwei verschiedene Punkte handelt. Man unterscheidet zwischen Einzelhandel und den sogenannten reisenden Händlern, die auf Märkten stehen“, erklärt Werner Kneip aus dem Ordnungsamt der Stadt Werne.

Markthändler zeigen sich solidarisch mit Einzelhandel

Eine Regel, für die Silvia und Martin Melis nur Kopfschütteln übrig haben. Aus Solidarität und Uneigennützigkeit haben sie ihr eigenes Sortiment am Marktstand reduziert, bieten selbst keine Uhren mehr an, sondern nur noch das Wechseln der Batterien. „Für uns ist das selbstverständlich. Es ist schwer, Gerechtigkeit zu finden. Aber wir wollen ein Miteinander fördern“, erklärt Silvia Melis.

Deshalb gehen sie und ihr Mann auch einen Schritt weiter. Sie haben sich dazu entschieden, statt zweimal nur noch einmal die Woche – am Freitag – ihre Stände auf dem Wochenmarkt in Werne aufzubauen. „Wir wollen bewusst eine Einschränkung geben, um den Bedarf nicht zu decken. So können wir hoffentlich bald wieder mit den Einzelhändlern an einem Strang ziehen“, sagt Melis, die in diesem Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum als Markthändlerin feiert.

Sie und ihr Mann betreiben einen weiteren Stand auf dem Wochenmarkt in Werne, an dem sie Ledergürtel verkaufen. „Und bei Leder-Waren Küper ist das nicht erlaubt“, erklärt Silvia Melis mit Unverständnis.

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek

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