Ursula Hubracht hat die 60 Jahre als Marktfrau nicht ganz voll bekommen

dzWochenmarkt Werne

Ursula Hubracht (78) wollte die 60 Jahre auf dem Wochenmarkt voll machen. Das hat sie nicht ganz geschafft. Die schlechten Augen und Arm-Probleme machten ihr einen Strich durch die Rechnung.

Werne

, 26.07.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie war eine Institution auf dem Wochenmarkt in Werne. Ursula Hubracht, Seniorchefin am Obst- und Gemüsestand von Sohn Michael. Ihre Domäne: die süße Ecke links. Jahrzehnte lockte sie die Kunden mit markanter Stimme: „Wunderschöne Heidelbeeren, die Himbeeren nicht vergessen!“ Doch die Gesundheit spielte nicht mehr richtig mit. Im Dezember 2019 war sie das letzte Mal im Familienbetrieb auf dem Markt aktiv.

Marktfrau Ursula Hubracht (78), hier etwa im Alter von 35 Jahren, hat nach 57 Jahren auf dem Wochenmarkt aufgehört.

Marktfrau Ursula Hubracht (78), hier etwa im Alter von 35 Jahren, hat nach 57 Jahren auf dem Wochenmarkt aufgehört. © Hubracht

„Die Augen und die Arme machen ihre Probleme“, sagt Sohn und Inhaber des Geschäftes, Michael Hubracht (56), „aber ansonsten ist sie für ihr Alter vergleichsweise fit“. Noch im Jahre 2013, zu ihrem 50. Jubiläum als Marktfrau, sagte Ursula Hubracht: „Zehn Jahre möchte ich gerne noch weitermachen.“ Das hat nun nicht mehr geklappt.

Unter Tränen gab sie ihren Beschluss bekannt

„Unter Tränen hat sie mir im vergangenen Jahr gesagt, dass sie nicht mehr kann“, sagt Michael Hubracht auf Anfrage der Redaktion. Gemeinsam hätten sie überlegt, ob es Zwischenlösungen geben könne. Dass die 78-Jährige, die am 30. Juli ihren 79. Geburtstag feiert, vielleicht morgens nur beim Beschriften der Schilder helfen könnte. Doch das sei nicht Halbes und nichts Ganzes gewesen. Ursula Hubracht zog ihre Konsequenz: Schluss mit dem Dasein als Marktfrau.

Damit auch Schluss mit dem frühen Aufstehen. Ganz früher um 4 Uhr, die letzten Jahrzehnte um 5 Uhr, wenn es auf den Wochenmarkt ging. Stattdessen Ruhe, Seele baumeln lassen, mit alten Freundinnen und Bekannten Kaffee trinken, für die Familie da sein. „Zwei Mal die Woche freut sie sich auf Besuch der Urenkelin“, sagt Michael Hubracht. Die kleine Frieda ist 28 Monate alt.

Gemeinsam feierten sie im Jahre 2016 "90 Jahre Markthandlung Hubracht": v. l. Ursula, Michael und Susanne Hubracht sowie Anke Heitbaum, geborene Hubracht.

Gemeinsam feierten sie im Jahre 2016 "90 Jahre Markthandlung Hubracht": v. l. Ursula, Michael und Susanne Hubracht sowie Anke Heitbaum, geborene Hubracht. © Helga Felgenträger (A)

Gelernt hat Ursula Hubracht den Job bei Tante und Onkel auf dem Großmarkt in Dortmund. Dort lernte sie auch ihren späteren Mann Wilhelm, Markthändler aus Werne, kennen. Beide übernahmen den Betrieb des Schwiegervaters, bis Sohn Michael und Ehefrau Susanne 1995 die Regie beim Obst- und Gemüseverkauf übernahmen.

Seitdem hat sich einiges verändert. Verkauften Hubrachts früher an fünf Wochenmarkt-Terminen, sind sie jetzt nur noch dienstags und freitags auf dem Markt Werne zu finden. „Ansonsten bieten wir noch donnerstags und freitags von 15 bis 18 und samstags von 9 bis 12.30 Uhr unseren Hofladen an der Stockumer Straße an“, sagt Michael Hubracht.

Ursula Hubracht inmitten des Verkaufsstandes. Das war noch zu D-Mark-Zeiten.

Ursula Hubracht inmitten des Verkaufsstandes. Das war noch zu D-Mark-Zeiten. © Hubracht

Ursula Hubracht fehlen vor allem die Begegnungen mit ihren Stammkunden. Sie sagt: „Ich möchte mich bei all meinen Kunden bedanken. Ich vermisse sie sehr.“ Wenn auch Mutter Hubracht aufhört, der Obst- und Gemüsestand ist weiter auf dem Werner Wochenmarkt präsent. Freilich ohne das markante „Die Himbeeren nicht vergessen“.

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