Obwohl der Bedarf nach Nachhilfe durch den Distanzunterricht steigt, bleibt das Interesse an Nachhilfe-Stunden konstant. © Pixabay
Corona-Krise

„Lerndefizite vergrößern sich“: Nachhilfeinstitute geben Tipps für Eltern

Das wochenlange Distanzlernen stellt Schüler vor große Herausforderungen. Nachhilfe-Institute erklären, wie sie Kinder und Jugendliche durch das von Homeschooling geprägte Schuljahr helfen.

„In unserer täglichen Arbeit erleben wir, wie Lerndefizite sich während der anhaltenden Schulschließungen vergrößern“, sagt Denise Kirchberger, Marketingreferentin der Schülerhilfe. Auch Eltern seien mit der Lage im Homeschooling überfordert. Eine Umfrage der Schülerhilfe ergab, dass acht von zehn Eltern sich Sorgen über die schulische Entwicklung ihrer Kinder machen.

Nachfrage nach Nachhilfe auf Vorjahresniveau

Trotz der sich entwickelnden Lerndefizite durch den Distanzunterricht gibt es keine steigenden Anfragen nach Nachhilfe in Werne. Die Zahlen seien auf dem selben Niveau wie im Vorjahr, heißt es von der Schülerhilfe.

Das Ziel der Schülerhilfe auch für dieses coronageprägte Jahr sei es, dass Schüler noch vor den Abschlusszeugnissen am Ende des Schuljahres ihre Wissenslücken schließen und die durch Homeschooling versäumten Lernzeiten aufholen können.

Während des Lockdowns bietet die Schülerhilfe Werne Nachhilfe nur online an. „Die Online-Nachhilfe ist vergleichbar mit der klassischen Präsenznachhilfe“, sagt Denise Kirchberger. Diese finde nämlich weiterhin in kleinen Gruppen am Nachmittag statt – in der Regel zwei Mal wöchentlich.

Obwohl der Bedarf nach Nachhilfe durch den Distanzunterricht steigt, bleibt das Interesse an Nachhilfe-Stunden konstant. © Pixabay © Pixabay

Schülerhilfe findet derzeit nur Online statt

Ergänzt wird das Angebot der Schülerhilfe momentan durch Nutzung der Lernplattform „Online-LernCenter“. Dort werden den Kindern Lernmaterialien für die Fächer Mathematik, Deutsch, Englisch, Französisch und Latein zur Verfügung gestellt. Die Lernplattform beinhaltet unter anderem Lernvideos und Übungsaufgaben inklusive Lösungen, sodass die Schüler fundiert zu Hause lernen können.

Außerdem finden regelmäßig Live-Webinare statt, die unterschiedliche Themen der verschiedenen Fächer behandeln. Zum einen sind die Webinare interaktiv gestaltet und zum anderen können die Schüler dort live Fragen stellen.

Den Schülern fallen die Hausaufgaben schwer – insbesondere zur jetzigen Lockdown-Zeit mit Distanzunterricht. Deshalb gibt es momentan die „Online-Hausaufgabenhilfe“. Für diese stehen die Nachhilfelehrer täglich von 9 bis 18 Uhr zur Verfügung. „Innerhalb von 15 Minuten erhalten Schüler individuelle Unterstützung und Hilfe bei der Lösung ihrer Aufgaben“, sagt Kirchberger.

Präsenz-Unterricht bleibt erste Wahl

Das Abacus-Nachhilfeinstitut aus Werne bietet Nachhilfe-Stunden sowohl online als auch in Präsenz an. „Wenn bei den Familien genügend Abstand gewährleistet ist, können die Stunden auch vor Ort stattfinden“, sagt Evelyn Kindsgrab, die Verwaltungsangestellte des Abacus-Nachhilfeinstituts. Dabei müssen die allgemeinen AHA-Regeln eingehalten werden und das Tragen einer Maske sei Pflicht.

Andernfalls finden die Nachhilfe-Stunden online mit diversen Programmen statt. Auch die digitale Nachhilfe werde in Einzelunterricht durchgeführt. „Wenn die Schüler sich erstmal mit dem Online-Unterricht angefreundet haben, dann gibt es keine Stolpersteine. Dann läuft es sehr gut“, berichtet Kindsgrab. Sie gibt jedoch auch zu, dass Kurse in Präsenz die bessere Lösung sein.

Homeschooling stellt Eltern und Kinder vor große Herausforderungen

„Die Schüler werden von der Schule mit Aufgaben zugetextet. Es ist sehr anstrengend für sie“, sagt Kindsgrab. Dann sei es hilfreich für die Schüler, gemeinsam mit den Nachhilfe-Lehrern die Lerninhalte nachzuarbeiten. Dieser könne Struktur in die vielen Aufgaben bringen.

Deutlich zu beobachten sei, dass die Schüler momentan mehr Probleme haben, in der Schule mitzukommen. „Eine Mutter hat hier angerufen und gesagt, dass ihr Kind in den Osterferien die Lerninhalte aufholen muss“, führt sie fort. Die Schüler bekommen in allen Fächern Aufgaben, aber schaffen es nicht, alles alleine in der entsprechenden Zeit zu erarbeiten.

„Die Eltern sind momentan mit im Boot. Sie sind Ansprechpartner Nummer eins bei den Kindern und müssen fast jedes Fach mitlernen“, sagt sie. Das sei eine große Geduldsfrage.

Tipps, wie Eltern ihre Kinder unterstützen können

Nicht alle Familien können sich Nachhilfe-Stunden leisten. Kindsgrab von dem Abacus-Nachhilfeinstitut gibt den Eltern Tipps, wie sie ihre Kinder in der schwierigen Zeit zielführend unterstützen können. „Es ist schwer, denn oft nehmen Kinder weniger Hilfe von ihren Eltern an als von einer fremden Person an. Da ist es wichtig, dass die Eltern geduldig sind“, sagt Kindsgrab.

Zudem sei es notwendig, dass die Erziehungsberechtigten Struktur in den Tag der Kinder bringen. Das fange bereits bei der Aufstehzeit an. Auch kostenlose Lernprogramme, die online angeboten werden, können den Schülern helfen, den Lernstoff besser zu verstehen und in Anwendungsaufgaben zu gebrauchen.

„Es kommt auch immer auf die Klassenstufen an. Nicht jedes Elternteil kann auch die höheren Klassen unterrichten“, erklärt sie. In dem Fall gäbe es die Möglichkeit, sich privat einen Nachhilfe-Lehrer zu suchen – beispielsweise könnten Eltern in der Zeitung oder über Ebay eine Anzeige schalten. Dort gebe es häufig günstige Angebote.

Wenn eine Familie Sozialhilfe beziehe, können sie auch Bildung und Teilhabe beantragen. Dann werde sie bezuschusst und müsse nur einen Teil der Kosten tragen, so Kindsgrab.

Über die Autorin
Freier Mitarbeiter
Neben dem Journalistik-Studium unterstützt Charlotte Schuster die Redaktion in Werne. Im Sommer 2020 hat sie ein Praktikum bei den Ruhr Nachrichten absolviert, welches ihr die schönen Seiten des Lokaljournalismus gezeigt hat.
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Charlotte Schuster

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