Kyrill brachte Feuerwehrleute in Werne in Gefahr

Orkan am 18. Januar 2007

100 Einsätze über vier Tage: Wehrführer Thomas Temmann hat auch zehn Jahre nachdem Orkan Kyrill über Werne hinwegfegte den Sturm vom Januar 2007 nicht vergessen. Die Besonderheit: „Es stürmte, und dazu hatte der lange Regen noch den Boden aufgeweicht“, erinnert er sich an Einsätze unter extremen Bedingungen.

WERNE

, 17.01.2017, 17:52 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kyrill brachte Feuerwehrleute in Werne in Gefahr

Die Feuerwehr in Werne zählte 100 Kyrill-Einsätze.

Temmanns Kollege Bodo Bernsdorf war beruflich damals zu einem Seminar am Hennesee. „Ich brach den Lehrgang ab und fuhr nach Werne“, erinnert er sich an das Unwetter am 18. Januar 2007. Je näher er dann an die Lippestadt herankam, umso mehr Straßen waren wegen Unbefahrbarkeit gesperrt. Per Handy lotsten ihn dann seine Feuerwehrkollegen über die noch freien Wege.

Alle Werner Löschzüge waren in jener Nacht im Einsatz. An der Freilichtbühne hatte sich eine ganze Baumgruppe niedergelegt, knapp am Kassenhäuschen vorbei; in der Steinstraße und am Hotel am Kloster drohten Metalle von den Dächern zu fallen.

Gefährliche Rettungsaktion im "bösen Wald"

Eine Rettungsaktion ist den beiden Männern besonders in Erinnerung geblieben: Die Rettungsleitstelle meldete eine eingeklemmte Person auf der Straße nach Südkirchen. Als sie dann an dem Wäldchen zwischen Werne und Südkirchen eintrafen, hatte sich die Person schon längst aus dem Auto befreit und in Sicherheit gebracht. 

„Anstatt die Straße abzusperren, versuchten die Männer die Unfallstelle zu räumen“, berichtet Temmann. Dabei brachten sich die Wehrleute selbst in Gefahr: „Reihenweise fielen die Bäume um“, berichteten die Kameraden damals. „Seitdem sprechen wir immer vom bösen Wald.“

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Vor zehn Jahren: Kyrill trifft NRW

Mit Spitzengeschwindigkeiten von 145 mh/h trifft Orkan Kyrill am 18. und 19. Januar 2007 auf NRW. Nach der Sturmnacht wird das große Ausmaß der Schäden deutlich: Millionen umgeknickte Bäume, demolierte Autos und Häuser prägen das Bild überall in der Region..
15.01.2017
/

Heute können sie zwar über den Einsatz schmunzeln, aber sie haben auch ihre Erkenntnis daraus gezogen. „Sofern keine Menschen bedroht sind, sperren wir den Ort ab und warten mit dem Freiräumen, bis das Unwetter vorbei ist. Der Eigenschutz geht vor“, betont der Wehrführer.

Wendepunkt für technische Aufrüstung der Leitstelle

Eine weitere Konsequenz aus der Kyrill-Nacht ist die technische Aufrüstung der Rettungsleitstelle, spricht Thomas Temmann hier von einem Wendepunkt. „Jede Gemeinde des Kreises Unna kann heute auf einen eigenen Funkkanal zurückgreifen“, schildert der Stadtbrandinspektor die Errungenschaften nach dem Jahrhundertereignis. Damals existierten nur zwei Funkkanäle für den ganzen Kreis mit insgesamt 2500 Feuerwehrleuten. Die Verständigung war schwierig. Heute ist die Stadt Werne mit dem Server der Leitstelle verbunden.

„Wir haben direkten Zugang zum Computer und damit zu den offenen Einsatzstellen“, berichtet Temmann. Der Reihe nach und je nach Priorität arbeiten die Retter die Einsatzorte ab und geben anschließend über den Computer Rückmeldung. „Damals schickten wir noch Faxe hin und her.“

Hohe Anforderungen auch beim Aufräumen

Nicht nur der Sturm, auch die anschließenden Aufräumarbeiten haben die Helfer vor hohe Anforderungen gestellt. Im Sauerland etwa kam es bei Sägearbeiten zu tödlichen Unfällen. Die Wehrleute unterschätzten die Spannung auf dem Holz, das nach dem Durchsägen wie ein Flitzebogen nach oben schnellte.

In Werne setzte die Feuerwehr daher verstärkt auf die Ausbildung mit der Motorsäge: Von 70 Kräften sind nunmehr 53 qualifiziert.

Eine deutliche Verbesserung hat seitdem auch die Möglichkeit der Wettervoraussage erfahren. „Heute können wir im Internet die ankommenden Unwetterzonen verfolgen“, zeigt Temmann auf die Radarbilder der Wetterstationen. Damals seien sie zwar auch über Kyrill informiert worden, „aber leider viel zu spät“, so der Wehrführer.

Jetzt lesen

 

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt