Viele Stimmen stecken hinter dem Chor „Voices from Heaven“: Marlies Hüsemann leitet ihn seit 20 Jahren. Dafür erhält sie den Kulturpreis 2018. Damit möchte sie dem Chor eine Stimme geben.

Werne

, 24.02.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Chor ist der Star – das macht Marlies Hüsemann sofort klar. Sie selbst möchte nicht unbedingt im Rampenlicht stehen. Dass sie als eine von zwei Preisträgern den Kulturpreis der Stadt Werne gewonnen hat, macht sie natürlich stolz. Es sei aber vor allem eine Chance, den Fokus auf ihren Chor „Voices from Heaven“ zu richten.

„Es geht nicht um mich persönlich. Ohne den Chor bin ich doch nichts“, sagt die 57-Jährige ganz bescheiden. Ohne die Wernerin geht es aber auch nicht, wie ein Besuch bei einer Chorprobe zeigt. Im Pfarrheim von St. Johannes sitzen die Kinder und Jugendlichen an diesem Dienstagabend rund um das Klavier, das Marlies Hüsemann spielt.

Von Klassik bis Pop

„Als nächstes singen wir ‚Holz auf Jesu Schulter‘“, sagt sie. Die Kinder, Jugendlichen und einige Erwachsene blättern durch ihre Mappe. Marlies Hüsemann stimmt die ersten Töne an. Schnell hat sich der Chor unterschiedlichen Alters gefunden.

Der Chor „Voices from Heaven“, der in kirchlicher Trägerschaft steht, singt neben geistlichen und klassischen Liedern auch Pop-Songs. „Holz auf Jesu Schulter“ fällt in die erste Kategorie und bietet eins: Gänsehaut.

„Das ist ein sehr starker Text. Es ist ein Ruf an Gott. Es geht um den christlichen Glauben, dass ein Leben nach dem Tod stattfindet. Das Lied drückt den Glauben an die Auferstehung aus“, erklärt Marlies Hüsemann, nachdem sie vom Klavier aufgestanden ist und einen Schritt in Richtung Chor geht. Mittlerweile seit 20 Jahren gibt sie ihre Erfahrungen in diesem Chor weiter.

Chor entsteht „aus einer Bierlaune“

Aus einer Bierlaune heraus, wie sie selbst sagt, sei die Idee seinerzeit entstanden. „Nachbarn hatten uns auf dem Schützenfest angesprochen, ob wir nicht vielleicht auf der anstehenden Silberhochzeit auftreten könnten“, erzählt Marlies Hüsemann. Damals habe sie auch einige Flötengruppen betreut.

Dass aus der einst flapsigen Idee Wirklichkeit wird, hätte sie nicht gedacht. Doch besonders hartnäckig hatte sich das Silberhochzeitspaar offenbar gezeigt. Insgesamt sieben Kinder und sieben Erwachsene hatten sich gefunden, um gemeinsam vor Publikum zu singen. Das gefiel so gut, dass der nächste „Auftrag“ nicht lange auf sich warten ließ. Das war 1998.

„Ohne meinen Chor bin ich nichts“: Leiterin Marlies Hüsemann ist trotz Preis bescheiden

Im Pfarrheim St. Johannes probt der Chor immer dienstags. © Andrea Wellerdiek

81 aktive Sänger

Ein Jahr darauf hatte der gerade gegründete Chor „Voices from Heaven“ seinen ersten Auftritt. Danach war es ein Selbstläufer. Immer mehr Kinder und Jugendliche fanden den Weg in die verschiedenen Chorgruppen in den einzelnen Gemeinden. „An Weihnachten 2004 kamen gleich 19 Kinder hinzu“, erzählt Marlies Hüsemann, die die 500 Euro Preisgeld des Kulturpreises für die diesjährige Chorfahrt spendieren möchte.

Auch nach der Zusammenlegung der einzelnen Gemeinden gibt es weiterhin Proben in Werne, Horst und Stockum. Insgesamt zählt der Chor aktuell 81 Sänger und Sängerinnen – darunter 61 Kinder und Jugendliche. Einige der älteren Mädchen sind schon seit knapp zehn Jahren dabei, sind im Prinzip mit dem Chor aufgewachsen. Erst kamen sie gemeinsam mit der Mutter zum Singen, dann irgendwann alleine. Und sie blieben.

Mehr als nur Singen

Sie sind Mitglieder in einem Chor, in dem es nicht nur ums Singen geht, sondern auch um die persönlichkeitsbildende Arbeit, wie Marlies Hüsemann erklärt. „Wir beschäftigen uns auch intensiv mit den Texten in den Liedern. Es geht auch darum, dass sich die Mitglieder dabei gleichzeitig mit ihrer eigenen Situation auseinander setzen“, sagt die Chorleiterin, die bewusst die spirituelle Ader ansprechen möchte. Das sei ihr sehr wichtig, sagt die 57-Jährige, die selbst immer schon in Chören gesungen hat.

„Ohne meinen Chor bin ich nichts“: Leiterin Marlies Hüsemann ist trotz Preis bescheiden

Marlies Hüsemann (l.) wird mit einem Blumenstrauß von den Chormitgliedern überrascht. © Andrea Wellerdiek

In ihren Augen kann der gemeinsame Gesang sehr viel leisten. „Durch Musik kann man positive Emotionen verstärken und negative Emotionen entkräften. Das ist ungeheuerlich“, sagt die gelernte Krankenschwester. Der musikalische Aspekt sei das eine, die Persönlichkeitsentwicklung aber das andere, sagt Nicole Heuser, die ihre beiden Töchter gerade zur Probe gebracht hat.

„Hier werden auch die Sprache und das soziale Engagement gefördert“, sagt sie. Lea und Johanna, die beiden siebenjährigen Zwillinge, sind zum ersten Mal beim Chor. Und es war bestimmt nicht das letzte Mal.

„Ohne meinen Chor bin ich nichts“: Leiterin Marlies Hüsemann ist trotz Preis bescheiden

Bereits im letzten Kindergartenjahr beginnen einige Kinder mit der Chorgruppe „Klasse, wir singen“. © Andrea Wellerdiek

Der Chor „Voices from Heaven“ sucht noch Verstärkung und probt an drei Tagen: Dienstag 17.30 - 18.30 im Pfarrheim St. Johannes, Mittwoch 17 - 18 Uhr im Kindergarten in Horst, Donnerstag 17 - 18 Uhr in der Idakapelle in Stockum. Weitere Informationen gibt Marlies Hüsemann unter Tel. (02389)53 47 66 oder per E-Mail an marlies.huesemann@gmx.de
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