Kampf gegen die Schneemassen: Anwohner in Werne sind teilweise nicht nur für das Räumen der Gehwege in der Pflicht. © Jörg Heckenkamp
Schnee-Chaos in Werne

Kritik an Räumdienst in Werne unbegründet: Oft sind Anwohner selbst in der Pflicht

Obwohl die Mitarbeiter des Baubetriebshofes Werne seit Sonntag im Dauereinsatz sind, hagelt es Kritik, weil Straßen noch immer mit Schnee bedeckt sind. Die Kritik ist aber oft unbegründet.

Alle Mitarbeiter des Baubetriebshofes in Werne sind seit dem Wintereinbruch am Sonntag im Dauereinsatz. In zwei Schichten sind 30 Mitarbeiter von 3.30 Uhr bis 20 Uhr mit ihren Fahrzeugen unterwegs, um Schnee von den Straßen und Gehwegen zu holen. Dennoch gibt es Kritik von Bürgern. Doch die ist oft unbegründet. Denn die Anwohner müssen in vielen Fällen selbst räumen – das gilt nicht nur für die Gehwege.

In verkehrsberuhigten Bereichen, erkennbar an den
In verkehrsberuhigten Bereichen, erkennbar an den „Spielstraßen-Schildern“, sind die Anwohner in der Regel selbst für den Winterdienst auch auf den Straßen zuständig. © Jörg Heckenkamp © Jörg Heckenkamp

Auf die Frage der Redaktion, wie gut die Straßen in Werne geräumt sind, gab es viel Kritik von Bürgern. „Die Antwort ist: gar nicht: Es wurde zu spät angefangen und nun sieht man seit Tagen kein Räumfahrzeug mehr. Von den Schneemassen am Straßenrand und auf den (öffentlichen) Bürgersteigen wollen wir gar nicht sprechen“, sagt ein User bei Facebook. Ein anderer schreibt: „Sämtliche Nebenstraßen sowie Freigrafenstraße sind noch komplett mit Schnee voll, wo sich nun darunter dicke Eisschichten bilden.“

Anwohner sind in Werne auch für das Räumen der Straße zuständig

Die Kritik ist in vielen dieser Beschwerden allerdings unbegründet und falsch. Denn: Oft sind auch die Anwohner in der Pflicht. Sie sind dabei in vielen Fällen nicht nur für das Räumen des Gehweges vor dem Haus oder dem eigenen Grundstück verantwortlich, sondern auch für das Schippen der Straße.

Der Winterdienst des Baubetriebshofes räumt und streut auf der Tenhagenstraße. Hier sind zum einen Teil die Mitarbeiter der Stadt, zum anderen Teil Anwohner für das Räumen der Straße zuständig.
Der Winterdienst des Baubetriebshofes räumt und streut auf der Tenhagenstraße. Hier sind zum einen Teil die Mitarbeiter der Stadt, zum anderen Teil Anwohner für das Räumen der Straße zuständig. © Jörg Heckenkamp © Jörg Heckenkamp

Dazu zählen viele Anwohnerstraßen. „In verkehrsberuhigten Straßen wurde der Schneedienst komplett auf die Anlieger umgelegt. Das heißt, dass sie nicht nur die Gehwege, sondern auch die Straße bis zur Mitte räumen müssen“, erklärt Adrian Kersting, Leiter des Tiefbauamtes der Stadt Werne. Dabei verweist er auf die Ortssatzung, die in Werne gilt und jede Kommune eigenständig formuliert. In der sogenannten „Satzung über die Straßenreinigung und die Erhebung von Straßenreinigungsgebühren“ sind die Straßen in Werne und damit jeweils die Zuständigkeiten für den Winterdienst aufgelistet.

Regelung oft seit Erschließung der Straße

Dabei wird deutlich: Nicht selten fallen Straßen gar nicht in den Zuständigkeitsbereich des städtischen Baubetriebshofes. Die von Lesern und Usern gemeldeten Straßen, die die Redaktion erreicht haben, gehören fast alle zu der Kategorie „Reinigung und Winterdienst durch die Anlieger“ – und zwar für Gehwege und Fahrbahnen. Ostkamp, Eick, Theodor-Fontane-Straße, Georg-Büchner-Straße, Ludgeristraße, Ottostraße – in diesen Straßen müssen Anwohner selbst die Straße räumen. Bei vielen gilt dies bereits seit der Erschließung der Straße – etwa seit den 80er- oder 90er-Jahren.

Zum Teil sind die Zuständigkeiten innerhalb einer Straße unterschiedlich geregelt: So ist es etwa auf der Vinzenzstraße oder in der von einem User genannten Freigrafenstraße. In dem Abschnitt von Berliner Straße bis Rikbertshof müssen Anwohner Gehwege und der städtische Baubetriebshof die Straße räumen. In dem Abschnitt von Rikbertshof bis B54 sowie in dem verkehrsberuhigten ausgebauten Bereich (Hausnummern 40 bis 96) sind die Bürger für Gehwege und Straße zuständig.

Die Kritik, dass auf der Kreuzung Südring/Kamener Straße an der Baustellenampel nicht geräumt wurde und es zu Problemen für Autofahrer kam, erreichte auch das Tiefbauamt der Stadt. „Da haben wir mit dem Baubetriebshof Kontakt aufgenommen. Dort wurde dann geräumt und gestreut, damit sich die Lage dort entschärft“, sagt Kersting.

Schnee wird wieder in freie Einfahrt geschoben

Sehr viele Anrufe hätten ihn in den vergangenen Tagen erreicht, weil viele Bürger Unverständnis darüber gezeigt hätten, wieso der Räumdienst der Stadt den Schnee wieder in ihre freigeräumten Gehwege oder Einfahrten schiebt. „Das lässt sich leider nicht ändern. Was sollen sie denn machen? Irgendwo müssen die Schneemassen ja hin“, sagt Kersting.

Nicht alle Überwege waren am Donnerstag, 11. Februar, fünf Tage nach den heftigen Schneefällen, geräumt. Hier am Kreisverkehr vor dem Kino.
Nicht alle Überwege waren am Donnerstag, 11. Februar, fünf Tage nach den heftigen Schneefällen, geräumt. Hier am Kreisverkehr vor dem Kino. © Jörg Heckenkamp © Jörg Heckenkamp

Sein Kollege Detlef Bruns, Baubetriebshofleiter, entschuldigte sich zuletzt für diese Unannehmlichkeiten und bittet um Verständnis der Bürger: „Leider können wir diese Menge an Schnee aber auch nicht aufnehmen. Es geht leider nicht anders.“ Das Problem kennt man ebenfalls im Räumdienst selbst. „Auch unsere eigene Arbeit wird zunichte gemacht. Manchmal schieben wir uns frei geräumte Bereiche wieder selbst zu“, sagt Bruns. Das kommt etwa dann vor, wenn Straßen von den Schneemassen befreit werden, dann aber die Gehwege wieder zugeschoben werden.

Unterschiedliche Zuständigkeiten im Stadtgebiet

Ärger gibt es offenbar vereinzelt auch unter Anwohnern in Werne. Adrian Kersting berichtet von einem Nachbarschaftsstreit, den ihn erreicht hat. Dort habe ein Nachbar grenzscharf Schnee geräumt, daraufhin habe sich ein anderer Nachbar darüber beschwert, dass er nicht mehr aus seiner Einfahrt gekommen sei. „Da mischen wir uns nicht ein“, sagt Kersting, der auch in solchen Fällen auf die Ortssatzung verweist. Ordnungswidrigkeiten gab es noch nicht zu verzeichnen, weil dem Schneedienst nicht nachgekommen wurde.

Die Stadt Werne ist generell für den Räumdienst auf städtischen Straßen und Gehwegen zuständig. Darüber hinaus gibt es im Stadtgebiet auch Straßen, für die der Kreis oder der Landesbetrieb Straßen NRW, etwa Bundesstraßen, zuständig ist. Zusätzliche Fahrzeuge, um die historischen Schneemassen zu bewältigen, werde es in Werne nicht geben, erklärt Adrian Kersting. „Wir können gar nicht so eine Masse an Geräten vorhalten, nur weil in etwa zehn Jahren uns einmal eine solche Schneemasse beschäftigt. Das wäre ansonsten ein Riesen-Kostenapparat.“

In der Satzung über die Straßenreinigung und die Erhebung von Straßenreinigungsgebühren ist genau geklärt, wie die Zuständigkeiten in den einzelnen Straßen in Werne geregelt sind. Die Ortssatzung, die jede Kommune selbst für sich formulieren und regeln kann, ist auf der Internetseite der Stadt Werne zu finden unter www.werne.de. Über die Punkte Politik, Ortsrecht und Öffentliche Einrichtungen- Abfall, Abwasser, Klärschlamm, Friedhof und Straßenreinigung und dann unter Punkt II-08-Anlage ist die Auflistung zu finden.

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek

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