Durch seine vielen kantigen Flächen sieht der Enforcement-Trailer von hinten aus, wie ein Tarnkappen-Panzer. © privat
Verkehrskontrollen

Kreis Unna setzt im Kampf gegen Raser auf den Blitzer-Panzer

Der Kreis Unna testet ab der zweiten Jahreshälfte mit dem sogenannten Enforcement-Trailer ein neues Gerät zur Geschwindigkeitsüberwachung. Es soll Leben retten.

Es ist silbrig und hat irgendwie zu viele Ecken und Kanten, durch diese nur schwer fassbare Form verschwindet es fast am Straßenrand, tarnt sich mit seiner Farbe gut vor dem Hintergrund der Leitplanken. Von hinten sieht es noch wilder aus, fast wie ein Tarnkappenflugzeug, dessen Oberflächen in den wildesten Winkeln keine Radarerfassung zulassen. Insgesamt eher unauffällig: Wenn man daneben steht, ist der Enforcement-Trailer aber ein ziemlicher Apparat und hat einiges an Technik in sich, mit denen der Kreis Unna gegen Raser vorgehen will.

Tempokontrollen sollen Raser ausbremsen

Zwar hat sich im Zeitraum 1991 bis 2019 die Unfallursache „Nicht angepasste Geschwindigkeit“ absolut und prozentual nicht unerheblich rückläufig entwickelt, zählt jedoch weiterhin zu den Hauptunfallursachen bei Unfällen mit Personenschäden. Vonseiten des Kreises Unna heißt es: „Nach wie vor ist zu schnelles Fahren eine der Hauptursachen für schwere Unfälle. Tempokontrollen sollen Raser ausbremsen.“

Seltener Besuch: Fünf Tage am Stück kann der Blitzer autonom arbeiten. © privat © privat

Ergänzend zur Kontrolltätigkeit der Polizei führt der Kreis Unna regelmäßig diese Tempokontrollen an ausgesuchten Gefahrstellen durch. „Jetzt haben wir durch den Blitzer-Anhänger eine zusätzliche Möglichkeit der Überwachung, neben unseren Messfahrzeugen, die viele schon von Weitem erkennen, oder den stationären Anlagen“, erklärt Kreissprecher Max Rolke.

Der Enforcement-Trailer – das klingt ja schon nach Kampfansage – ist ein echter Blitzer-Panzer. Das muss er auch, denn er kann bis zu fünf Tage lang ohne Unterbrechung arbeiten. In dieser Zeit besteht natürlich die Gefahr, dass der Blitzer – wie stationäre Messysteme allgemein – zum Ziel von Vandalismus wird. Im Trailer sind daher entsprechende Alarmanlagen verbaut.

Die Blitzer-Fahrzeuge des Kreises, erkennen einige schon aus der Entfernung. So sieht der neue Blitzer Anhänger von vorne aus. © privat © privat

Nach den Erfahrungen des Herstellers und auch der Stadt Hamm, die den Anhänger bereits einsetzt, werden Schäden durch Vandalismus jedoch mit längerem Einsatz deutlich weniger. Bei dem Einsatz von gemieteten Fahrzeugen sind diese Schäden vollständig durch den Vermieter abgedeckt – das wäre demnach auch ein Vorteil für den Kreis Unna.

Anhänger zunächst für ein Jahr gemietet

Der Kreis möchte den Blitzeranhänger nämlich zunächst für ein Jahr mieten. Starten soll der Einsatz in der zweiten Jahreshälfte, so Rolke. Ganz umsonst gibt es das Gerät nicht. Für ein Jahr Miete, inklusive Datenanbindung und Anlieferung und Abholung fallen genau 97.553,82 Euro an. Dazu kommt noch der Personalaufwand, den Anhänger von Messstelle A zu Messstelle B zu transportieren.

Der Kreis geht aber davon aus: dass der mit dem Einsatz des Trailers insgesamt verbundene Aufwand durch die vereinnahmten Buß- und Verwarngelder aus dem Betrieb des Trailers auf jeden Fall gedeckt werde. Nach einer überschlägigen Rechnung würden selbst bei „nur“ 400 verwertbaren Bildern im Monat mit durchschnittlich je 20 Euro Verwarngeld im Jahr rund 96.000 Euro an Erträgen entstehen. In der Praxis dürften wohl deutlich mehr Bilder entstehen.

Über den Autor
1982 in Dortmund geboren. Abi in Holzwickede, Journalistik-Studium wieder in Dortmund. Seit 2013 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Freut sich über die spannende Herausforderung, den Wandel eines Traditionsverlags hin zu einem modernen, familiengeführten Multimedia-Unternehmen zu begleiten.
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