Krankenhaus: Besuchsverbot bleibt - aber ausreichend Medikamente

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Die Krankenhäuser in Lünen und Werne halten an einem generellen Besuchsverbot fest. Allerdings gibt es erste Anpassungen. Bei der Medikamentenversorgung sind letztere hingegen kaum mehr notwendig.

Werne, Lünen

, 04.06.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eigentlich hätten die Krankenhäuser im Kreis Unna schon am Dienstag (2. Juni) ihre Türen wieder für Besucher öffnen sollen - unter strengen Auflagen versteht sich. Neben der zeitlichen Begrenzung der Besuche und verschärften Hygiene-Regeln, hätten sich Besucher unter anderem einem medizinischen Screening unterziehen müssen. So lautete zumindest der Plan.

Doch wer seinem Angehörigen oder Bekannten am Krankenbett nun tatsächlich einen Besuch abstatten will, der schaut in die Röhre - auch im St.-Christophorus-Krankenhaus in Werne und im St.-Marien-Hospital in Lünen. „Das hätten wir organisatorisch gar nicht stemmen können“, sagt Ludger Risse, Leiter des Krankenhausstandorts in Werne auf Anfrage unserer Redaktion. Bereits am Freitag (29. Mai) hatte das Krankenhaus die Entscheidung gegen eine Aufhebung des generellen Besuchsverbots via Facebook kommuniziert. Böse Kommentare? Fehlanzeige.

Krankenhaus: Besuchsverbot bleibt - aber ausreichend Medikamente
„Es gibt natürlich immer mal wieder Patienten, die traurig sind. Aber es hat sich noch keiner vehement beschwert.“
Ludger Risse

„Das Verständnis für die Situation ist zum Glück nach wie vor groß. Das gilt auch für die Patienten, die keinen Besuch empfangen können. Es gibt natürlich immer mal wieder welche, die traurig sind. Aber es hat sich noch keiner vehement beschwert“, so Risse. Die Entscheidung, das Besuchsverbot aufrechtzuerhalten, sei den Verantwortlichen nicht leicht gefallen. Vor allem die mit einer neuen Besucher-Reglung einhergehenden umfangreichen Kontrollen hatten ihnen jedoch Kopfschmerzen bereitet.

Demnach rechneten die Krankenhäuser beispielsweise mit langen Warteschlangen, „weil die Erhebung von persönlichen Daten und das medizinische Screening der Besucher vor dem Zutritt viel Zeit kosten.“ Zudem wären die Kontrollen auf Einhaltung der Abstandsregeln und der 30-minütigen Besuchszeit kaum möglich gewesen. Und dadurch wäre das Risiko einer unbemerkten Corona-Infektion letztlich schlichtweg zu groß.

Generelles Besuchsverbot gilt zunächst bis Ende Juni

Das generelle Besuchsverbot gilt laut Risse zunächst bis Ende Juni. Danach werde man schauen, inwiefern eine schrittweise Lockerung möglich ist. Eine solche Lockerung gibt es tatsächlich aber schon jetzt. In Ausnahmefällen waren Besuche bislang ohnehin möglich - nun will man hier noch „etwas großzügiger“ agieren, wie Risse erklärt: „Bisher war ein Besuch in begründeten Einzelfällen erlaubt - etwa bei Tumorpatienten oder Patienten, die mehrere Wochen im Krankenhaus liegen. Das wollen wir nun ein wenig weiter fassen.“

Heißt: Schon wer länger als eine Woche im Krankenhaus behandelt werden muss, kann Besuch empfangen. Allerdings nur nach Absprache mit den Stationsleitungen und behandelnden Ärzten. Die beurteilen dann unter anderem, wie groß die Risiken einer Infektion sind.

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Bereits jetzt müssen Angehörige bei einem Besuch einen Fragebogen ausfüllen, auf dem sie unter anderem angeben müssen, ob sie zuletzt über Fieber geklagt haben. Auch eine Registrierung in einer Datenbank ist notwendig. „Wir hatten in Werne am Dienstag zehn Besucher. Durch die Ausweitung der Regelung kommen wir bald vielleicht auf 15 pro Tag. Das ist eine überschaubare Größenordnung, die wir gut managen können“, so Risse weiter.

Er gehe davon aus, dass eine Registrierung der Besucher noch das ganze restliche Jahr erforderlich ist. „Und eine Familie mit vier Personen, die einen Patienten im Dreibettzimmer besucht - das wird fürs Erste wohl auch nicht funktionieren.“

Kaum Probleme bei der Medikamentenversorgung

Was hingegen in Werne und Lünen derzeit gut funktioniert, ist die Versorgung mit Medikamenten, wie Peter Teschendorf, stellvertretender Chefapotheker im Klinikumverbund, bestätigt. Medikamentenengpässe habe es grundsätzlich ja auch schon vor Corona gegeben, „aber derzeit ist die Situation so, dass wir gut aufgestellt sind. Die Narkosemittel waren eine Zeit lang problematisch, weil wir eine größere Menge für die Beatmungspatienten benötigten. Inzwischen haben wir aber wieder einen entsprechenden Vorrat angelegt.“

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Mindestens für zwei Wochen muss letzterer reichen - das ist so vorgeschrieben. Ein Hamstern wie bei Kunden im Supermarkt scheint in Bezug auf die Medikamente im Klinikum jedoch unwahrscheinlich. „Unsere Lagerkapazitäten sind ja begrenzt. Wir haben aber so viel, dass wir auf eine zweite Welle von Infizierten vorbereitet sind. Der Bedarf kann sich dann allerdings auch schnell wieder ändern - das ist klar“, sagt Teschendorf. Und das gelte nicht nur für Anästhetika, sondern unter anderem auch für Antibiotika.

Bei denen habe es vor rund zwei Jahren schon mal einen größeren Engpass gegeben: „Bislang konnten wir uns in solchen Phasen aber immer irgendwie behelfen.“ Zum Beispiel mit der Umstellung auf ein alternatives Präparat. Doch um ein geeignetes zu finden, sind bisweilen ziemlich viel Recherche und administratives Geschick erforderlich. Teschendorf schätzt, dass diese Aufgaben personell in manchen Fällen 20 bis 30 Prozent einer Stelle ausmachen.

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Aktuell seien die Lieferanten jedoch verlässlich - selbst, wenn es um Desinfektionsmittel geht. „Da gibt es keine Lieferprobleme. Dadurch, dass es in den Krankenhäusern kaum Besucher gibt, hatten wir aber natürlich auch einen geringeren Verbrauch“, erklärt der Apotheker. Doch sogar für den Fall, dass man Desinfektionsmittel wieder selbst herstellen müsse, sei man gerüstet - mit einem 1000-Liter-Fass Ethanol, das von der Bundesregierung bereitgestellt wurde.

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