Komplettes Fitnessstudio in Werne zu verkaufen

Insolventes Unternehmen

Alle Hoffnung war vergebens: Als am 26. Juni die Geräte abgeschaltet wurden, bedeutete es das Ende der „Fitness Life Arena“ im Wahrbrink in Werne. Seitdem stehen die Laufbänder still – und der Besitzer der Immobilie vor einem Dilemma.

WERNE

, 07.09.2017, 07:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im April hatte die Fitness Life Arena GmbH den Antrag auf ein Insolvenzverfahren gestellt. Geschäftsführer Gerhard Kossmann nannte zwei Gründe: Finanzielle Altlasten sowie starke Konkurrenz durch ein weiteres Fitness-Studio in Werne. Bis Ende Juni sollte ein Investor gefunden werden, um den damals laufenden Betrieb zu retten.

„Das haben wir nicht geschafft“, sagt Benjamin Heß rund sechs Wochen später. Der Dortmunder Rechtanwalt war vom Gericht zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden und hatte unter anderem mithilfe der Wirtschaftsförderung Werne versucht, neue Geldgeber zu finden.

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Ein Blick in die alte Fitness Life Arena

Das Fitnessstudio im Wahrbrink in Werne ist seit Juni geschlossen – das Inventar sieht jedoch noch so aus, als kämen die Sportler jeden Moment in den Raum. Ein Blick in die alte Fitness Life Arena.
06.09.2017
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Die Geräte sehen so aus, als könnten gleich die ersten Mitglieder kommen und loslegen.© Foto: Daniel Claeßen
Auch Gewichte sind in ausreichender Zahl vorhanden.© Foto: Daniel Claeßen
Der Besitzer möchte das Inventar komplett verkaufen.© Foto: Daniel Claeßen
Allerdings sind einige Geräte schon sehr alt, was ihren Wert für neue Studios mindert.© Foto: Daniel Claeßen
Zu ihrer Blütezeit kam die Fitness Life Arena auf mehr als 1000 Mitglieder.© Foto: Daniel Claeßen
Doch dann gingen die Zahlen rapide zurück - der Vorbesitzer macht dafür auch die Konkurrenz in Werne verantwortlich.© Foto: Daniel Claeßen
Ein Blick in die Umkleide.© Foto: Daniel Claeßen
Die Sauna...© Foto: Daniel Claeßen
...mit Ruhezone...© Foto: Daniel Claeßen
...und Duschen.© Foto: Daniel Claeßen
Neue Mitglieder werden hier nicht mehr am Tresen stehen.© Foto: Daniel Claeßen
Seit Ende Juni geschlossen: Die Fitness Life Arena im Wahrbrink.© Foto: Daniel Claeßen
Viele Geräte, keine Leute: Die Fitness Life Arena ist noch komplett ausgestattet. © Foto: Daniel Claeßen
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„Wir hatten Gespräche mit einer Gesellschaft, die zumindest darüber nachgedacht hat“, so der Anwalt gegenüber unserer Redaktion. Am Ende stand jedoch das bittere Fazit: „Der Geschäftsbetrieb musste geschlossen werden.“ Das Aus für Kossmann und fünf Mitarbeiter, die in Teilzeit angestellt waren.

Arena scheint startklar

Benjamin Heß hat dem Amtsgericht Dortmund zudem angezeigt, dass Masseunzulänglichkeit vorliegt. Heißt: Aus der Fitness Life Arena ist für die Gläubiger nichts mehr zu holen. Die Immobilie war ohnehin nur gemietet. Laut Heß liegt mittlerweile auch das Recht am Inventar beim Vermieter.

Der heißt Hubert Heckenkamp, ist Bauunternehmer und hat nun ein Problem: Eine zum Fitnessstudio umgebaute Immobilie samt Einrichtung, die er nicht nutzen kann. „Es muss alles raus“, sagt er auf Anfrage unserer Redaktion. Am liebsten schnell, denn solange die Halle leer steht, bringt sie niemandem was – und kostet ihren Besitzer nur Geld.

Umkämpfter Markt

Die Arena scheint auf den ersten Blick startklar: Laufbänder, Cross-Trainer, Gewichte, ein Kursraum, sogar ein Sauna-Bereich samt Ruhezone. Mittendrin Hubert Heckenkamp, der sich fragt, was er damit machen soll. Experten schätzen, dass acht Prozent der Bevölkerung einer Stadt für ein Fitness-Studio offen sind. Geht man von 30.000 Wernern aus, wären das immerhin 2400 potenzielle Mitglieder. Warum nicht also ein eigenes Fitness-Studio eröffnen?

„Das lohnt sich doch nicht“, winkt der Bauunternehmer ab. „Was einmal tot ist, wird nicht wieder lebendig.“ Zumal es in Werne bereits ein gut laufendes Studio gibt – der Markt ist umkämpft, und wer nicht mit Leib und Seele bei der Sache ist, der hat es schwer.

Frust beim Immobilienbesitzer

Also wohin mit dem Geräten, den Aufguss-Tischen und der Lounge-Garnitur? Ein Weiterverkauf des Trainingsinventars an andere Studios wird durch dessen Alter erschwert – sie sind für moderne Betriebe nicht mehr interessant. Hubert Heckenkamp hofft deshalb, dass ein Großhändler alles aufkauft. „Die entsprechenden Angebote habe ich vorbereitet.“ Summen nennt er nicht. Und bei aller gebotenen Eile will er auch noch letzte juristische Fragen klären: „Nicht, dass nachher ein Fehler wieder alles zunichte macht.“

Frustrierend ist für den Immobilienbesitzer vor allem der unverschuldete finanzielle Schaden. „Der Mietausfall ist die eine Sache. Aber der Umbau macht alles noch viel schlimmer.“ Als die Fitness Life Arena 2010 einzog, hatte Gerhard Kossmann die Halle, die zuvor von einem Maschinenbetrieb genutzt wurde, komplett verändert: Wände eingezogen, neuen Boden verlegt, sanitäre Anlagen eingebaut.

Verkauf deckt Kosten nicht

Da durch die Insolvenz nun alles in den Händen von Hubert Heckenkamp liegt, muss er auch für die anstehenden Arbeiten aufkommen. „Wenn es gut läuft, kriege ich durch den Verkauf des Inventars vielleicht 20 Prozent der Gesamtsumme gedeckt.“

Was danach mit der Halle passieren soll, weiß ihr Besitzer noch nicht. Genutzt werden soll sie auf jeden Fall – aber wohl nicht mehr als Fitnessstudio.

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