Heimspiel für einen Lothar im Angriffsmodus

dzKommentar Klare Kante

Lothar Christ ist ein Mann der leisen Töne. Doch der Wahlkampf ist kein Ponyhof. Deswegen schaltete „der Lothar“ auf Angriffsmodus. Die Gefahr war gering - Lothar hatte ein Heimspiel.

Werne

, 21.08.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mittwochabend, 19. August, 20.43 Uhr. Auf Einladung der Aktionsgemeinschaft Wir für Werne hatten seit 19 Uhr die fünf Landrats-Kandidaten diskutiert. Jetzt wurd‘s spannend. Jetzt traten die beiden bekannten Werner Polit-Recken Benedikt Striepens (Grüne, 56), der parteilose Amtsinhaber Lothar Christ (52) sowie der weitgehend unbekannte Herausforder von der CDU, Dominik Bulinski (41), in den Ring.

Alle wollen Bürgermeister werden. Bulinski und Christ wohl etwas mehr als der Grüne Benedikt Striepens, der hofft, seine Engagement färbe auf das Parteiergebnis ab. Insofern konnte er den Abend entspannt angehen und die Zuschauer mit dem einen oder anderen lockeren Spruch erheitern.

Konzentrieren wir uns also auf die beiden eigentlichen Konkurrenten. Schon bei der Vorstellungsrunde wird klar: „Lothar“, wie Moderator Michael Zurhorst ihn anspricht, hat ein Heimspiel. Das immer wieder zu hörende vertrauliche Duzen macht deutlich: „Der Lothar“, der ist einer von uns. Der Dominik eher nicht.

Christ nutzt den Heimvorteil geschickt aus

Christ nutzt diesen Heimvorteil geschickt aus. In seiner Vorstellungsrede fällt mehrfach der Begriff „meine Familie“. Er will sich für Themen einsetzen, die familienkompatibel sind. Er spricht viel von wir. Umarmt sozusagen das Wählervolk, das dutzende Meter entfernt von ihm auf der Tribüne sitzt. „Wir wissen, wie die Stadt tickt“, sagt er. Und impliziert: der Dominik, der weiß das nicht.

Der Heimvorteil ist es offenbar, der den Lothar zu ungewohnten Handlungen animiert: Er schaltet in den Angriffsmodus. Es fallen in Richtung Bulinski Sätze wie „Wenn Sie Ihre Hausaufgaben gemacht hätten, dann würden Sie wissen....“ „Ich muss Herrn Bulinski entlarven...“ - der Lothar, der geht ganz schön ran.

Bulinski bleibt ruhig, aber macht Fehler

Dem Herausforderer gefällt der Ton nicht, er bleibt aber ruhig, reitet keine Gegenattacke. Das macht er gut. Weniger gut ist sein allgemeiner Auftritt. Während Christ das Wort „wir“ zum wichtigsten Begriff seines Auftritts erhebt, will Bulinski Selbstbewusstsein demonstrieren: „Ich werde....“, „Ich will....“ „Ich fange an...“ setzt er gegen Christs „Wir brauchen....“, „Wir können....“, „Wir sollten...“.

Weiterer Fehler des CDU-Herausforderers: In seinen Beiträgen schwingt die Attitüde des Besserwissers mit. Mit starker Gestik und erhobener Stimme formuliert er Sätze wie „“Ich sagen ihnen noch etwas....“ oder „Zum Abschluss sage ich Ihnen eines....“ Er will Stärke und Durchsetzungskraft demonstrieren. Nutzt dafür aber die falsche Tonlage.

Der Herausforderer verrennt sich

Vollends verrennt sich Bulinski, als er Christ das Familienvater-Dasein ankreidet. Er sei als Herausforderer „jung, bissig, ein nettes Kerlchen und kann viel arbeiten“, weil er familiär nicht so eingespannt sei wie Christ. Das kommt bei einem Publikum, das größtenteils Familie hat, schlecht an.

Bei der anschließenden Fragerunde steht Bulinski im Mittelpunkt der zumeist kritischen Wortbeiträge. Warum man ihm glauben soll, dass er lange in Werne bleibe, wo er in Goch Ähnliches versprochen habe; was er denn wolle, in Werne laufe es doch relativ gut; wie wolle er seine ganzen Ideen finanzieren?

Bei der Beantwortung kommt der Dominik schon mal ins Schwimmen. Wenn es „relativ gut läuft in Werne“, dann reiche das nicht: „Ich mache es besser.“ Dann sagt er noch „Also, ich kann Ihnen so viel sagen...“ und „Sie können mir glauben,....“ Da kann der Lothar entspannt die Hände auf seinen Stehtisch legen und lächeln. Heimspiel gewonnen.

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