Gaffer, die wahren Wohltäter auf bundesdeutschen Autobahnen

dzKolumne Klare Kante

Gaffer sind asozial und eine Plage für die Menschheit? Sind unsensibel und verachtenswert? Papperlapp. Alles nur Vorurteile. Eigentlich ist der Gaffer ein Wohltäter. Achtung: Ironie!

Werne

, 02.11.2019, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jeder hat es wahrscheinlich schon mal in einer der einschlägigen Reportage-Sendungen gesehen: Menschen, die auf der Gegenfahrbahn abbremsen und sich den Unfall auf der anderen Seite anschauen. Im Volksmund zornig Gaffer getauft, möchte ich sie als interessierte Zeitgenossen mit hoher sozialer Kompetenz bezeichnen.

Denn das entspricht wohl auch dem Selbstverständnis des Gaffers. Er scheint in besonderer Mission unterwegs zu sein. Wie ein edler Ritter, trotz aller Anfeindungen.

Der gemeine Gaffer, liefert er nicht Zusammenhalt und Empathie?

Wie oft ist denn von der Vereinsamung in unserer Gesellschaft die Rede? Von Ich-Bezogenheit und fehlender Anteilnahme? Wer fordert denn dauernd mehr Zusammenhalt und Empathie? Und wer liefert all das? Genau: der gemeine Gaffer.

Er unterbricht seine wichtige Autofahrt, um sein Mitgefühl gegenüber den Unfallopfern auszudrücken. Gibt es eine eindeutigere Geste der Zuneigung, als dass ein zügig reisender deutscher Pkw-Chauffeur freiwillig das Bremspedal betätigt?

Der Gaffer opfert viel Zeit und Daten-Volumen

Als wenn diese Geste der Anteilnahme nicht reicht, geht der Gaffer noch einen Schritt weiter. Er opfert nicht nur seine Zeit. Er greift zum Smartphone und investiert kostbare Akku-Laufzeit, um zu filmen und kostbares Datenvolumen, um uns alle an dem Geschehen teilhaben zu lassen. Er vereinigt uns Youtuber für einige Minuten zu einer Gemeinschaft der Mitfühlenden. Ein Hoch auf den streamenden Gaffer!

Und tut er den Betroffenen eigentlich nicht auch etwas Gutes? Zumindest im Sinne des großen Gurus des Altruismus‘, Andy Warhol, der jedem Menschen „15 Minuten Ruhm“ zugestehen wollte. Da ist er, der Minuten-Ruhm, den jeder erreichen kann: zerlege dich möglichst spektakulär auf der Autobahn und der Gaffer übernimmt den Rest.

Gaffer geben anderen die Gelegenheit, Gutes zu tun

Der Einwand, dass der bremsende und filmende Samariter bisweilen für den nächsten Unfall sorgt, ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Aber, großes ABER: Dadurch verschafft er den Artgenossen auf der anderen Autobahn-Seite die Gelegenheit, selbst Gutes zu tun. Abgesehen von der erwünschten Wirtschaftsankurbelung für Abschleppunternehmen und Autowerkstätten.

Summa summarum muss doch nun ein jeder zum Schluss gelangen: Die einzig wahren Helden auf bundesdeutschen Straßen sind Gaffer. Mein Vorschlag: für jedes Unfallvideo-Minute 5 Euro weniger Kfz-Steuer. Oder gleich das Bundesverdienstkreuz erster Klasse.

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