Die Steag beteiligt sich am ersten Ausschreibungsverfahren zur Stilllegung von Steinkohlekraftwerken. Ein Kandidat könnte das fast 40 Jahre alte Kraftwerk Heil sein. © Stefan Milk
Wirtschaft in Bergkamen

Kohleausstieg: Aus für Kraftwerk Heil könnte schnell kommen

Die Steag hat sich an der ersten Ausschreibung zur Stilllegung von Steinkohlekraftwerken beteiligt. Dafür kommen laut Insidern nur zwei Standorte in Frage. Einer davon liegt in Bergkamen.

Dem Kraftwerk Heil droht das schnelle Aus. Möglicherweise könnte es noch schneller als befürchtet kommen. Der Betreiber, die Steag, hat bestätigt, dass er sich an der ersten Ausschreibung zur Stilllegung von Kraftwerkskapazitäten beteiligt hat, die seit dem 1. September läuft. Die Kraftwerke, die dabei den Zuschlag bekommen, sollen schon in wenigen Monaten stillgelegt werden.

Es kommen nur zwei Kraftwerke in Frage

Steag-Sprecher Daniel Mühlenfeld, der die Beteiligung des Unternehmens bestätigte, wollte keine Details nennen – auch nicht, welchen Kraftwerkstandort das Unternehmen zur Stilllegung angeboten hat.

Insider gehen jedoch davon aus, dass dafür zurzeit nur zwei Steag-Standorte in Frage kommen: der ältere Block 9 in Duisburg-Walsum und das Kraftwerk in Bergkamen-Heil, das schon vor knapp 40 Jahren im Jahr 1981 in Betrieb gegangen ist.

Der Kohleblock in Herne muss wohl noch bis 2022 weiterlaufen, bis die Steag ein Gas- und Dampfturbinenkraftwerk in Betrieb nimmt, das die Fernwärme zur Verfügung stellt, die sie vertragsgemäß liefern muss.

Der erst 2013 fertiggestellte Block 10 in Walsum darf nach dem Kohleausstiegsgesetz noch erheblich länger laufen als die alten Kraftwerke. Die Steag-Kohleblöcke im Saarland hat die Bundesnetzagentur als zurzeit noch unverzichtbar eingestuft.

Steag will in den nächsten Jahren etwa 1000 Arbeitsplätze abbauen

Insgesamt gibt es acht Ausschreibungen bis 2027. Die höchsten Entschädigungen werden aber in der ersten Ausschreibung gezahlt. Danach nehmen sie immer weiter ab. Den Zuschlag bekommen die Betreiber, die am wenigsten fordern.

Die Steag will in den nächsten Jahren im Zusammenhang mit den Stilllegungen rund 1000 Arbeitsplätze abbauen und damit fast ein Drittel ihrer bundesweit etwa 3500 Beschäftigten, wie Mühlenfeld bestätigte.

Allein im Kraftwerk Heil sind etwa 150 Menschen beschäftigt. Der Sprecher bestätigte, dass der Stellenabbau „sozialverträglich“ ablaufen soll: Es soll keine betriebsbedingten Kündigungen geben.

Einen genauen Plan für den Stellenabbau könne die Steag aber wohl erst Anfang 2022 vorstellen, sagte der Sprecher. Bis dahin erhofft sich das Unternehmen Klarheit, wann welches ihrer Kraftwerke stillgelegt wird. Dafür müsste sie aber wohl schon in den ersten Stilllegungsrunden zum Zuge kommen.

Das Unternehmen will sich dem Vernehmen nach künftig auf erneuerbare Energien konzentrieren, zum Beispiel auf Solarparks.

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Redaktion Bergkamen
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Michael Dörlemann

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