Schmerzhafte Erfahrung: Annegret Gärtner (72) ist an der neuen Stufenanlage in der Bonenstraße schwer gestürzt. Sie hat sich nicht nur das Knie geprellt. Die Wernerin war nicht die erste, die an dieser Stelle ins Straucheln geraten ist. © Andrea Wellerdiek
Bonenstraße in Werne

Knie geprellt, Rippen gebrochen: Wernerin (72) stürzt an Stolperfalle Bonenstraße

Annegret Gärtner gehört zu den Bürgern, denen bereits die Stolperfalle an der Bonenstraße zum Verhängnis geworden ist. Sie stürzte mit ihrem Fahrrad so schwer, dass sie sich nicht nur das Knie verletzte.

Sie hat immer noch Schmerzen. Das rechte Knie ist nach wie vor von einem großen, blauen Bluterguss umgeben. Die zwei gebrochenen Rippen sind immer noch nicht verheilt. Die 72-Jährige ist mit ihrem Fahrrad am Freitag (11. Juni) schwer gestürzt in der Werner Innenstadt. Sie ist eine von mehreren Bürgerinnen und Bürgern, die an der neuen Treppenkonstruktion auf der sanierten Bonenstraße gefallen sind.

So richtig könne sie gar nicht sagen, wie es passiert ist. „Auf einmal bin ich geflogen und ich lag da. Und dann kamen sie alle angesprungen“, erzählt Annegret Gärtner. Hilfe bekam die gebürtige Kamenerin von Mitarbeitern aus dem Restaurant La Strada und dem Handarbeitsgeschäft „Flinke Nadel“. Sie hatten zu diesem Zeitpunkt bereits mehrfache Stürze an dieser Stelle beobachtet und die Kunden immer wieder eindringlich vor der Stolperfalle gewarnt.

Stufenanlage an Bonenstraße ähnlich wie am Moormannplatz

Die Treppenkonstruktion mit auslaufenden Stufen ähnelt der Anlage, die am Moormannplatz in der Vergangenheit für teils schwere Stürze gesorgt hat. Dennoch wurde seitens der Stadtverwaltung bei der Sanierung der angrenzenden Bonenstraße ebenfalls auf diese Konstruktion gesetzt. Und die wurde neben weiteren Bürgern nun auch Annegret Gärtner zum Verhängnis.

Annegret Gärtner lässt sich von dem schweren Sturz nicht unterkriegen und hatte ihr Lachen schnell wieder.
Annegret Gärtner lässt sich von dem schweren Sturz nicht unterkriegen und hatte ihr Lachen schnell wieder. © Andrea Wellerdiek © Andrea Wellerdiek

Nachdem sie an diesem Freitagmorgen nach einer medizinischen Behandlung und dem Gang zur Bank sich noch die neu gestaltete Bonenstraße anschauen wollte, nahm sie einen anderen Heimweg als gewohnt. Mit ihrem Fahrrad fuhr sie durch die Bonenstraße, die nach monatelanger Sanierung kürzlich fertiggestellt worden ist.

Die neue Stufenanlage, die sich vor dem Geschäft „Flinke Nadel“ kurz vor dem Ende der Bonenstraße befindet, brachte sie dann plötzlich ins Straucheln. „Ich hatte meine Maske und die Brille auf. Da habe ich die Stufen wohl übersehen“, sagt Gärtner. Nachdem sie sich nach ihrem schweren Sturz wieder aufgerappelt hatte, erfuhr sie gleich von ihren Helfern der angrenzenden Geschäfte, dass sie nicht die erste sei, die hier zu Fall gekommen ist.

Stadt Werne setzt auf „Gewöhnungseffekt“

Sofort ließ sie ihr rechtes Knie, auf das sie gestürzt war, untersuchen. Als sie in ihrer Wohnung ankam, wollte sie der Stadt die Stolperfalle melden. Doch im Bürgerbüro erreichte sie am Freitagnachmittag niemanden mehr. Stattdessen füllte sie den Mängelmelder auf der Internetseite der Stadt aus, um auf die kritische Verkehrssituation in der Fußgängerzone aufmerksam zu machen. Sie wolle andere warnen, sagt sie.

Deshalb habe sie am darauffolgenden Montag (14. Juni) zusätzlich mit einem Verantwortlichen aus der Stadtverwaltung, dessen Namen sie sich nicht mehr weiß, gesprochen. Dort habe sie dann die Antwort bekommen, dass die Stelle verkehrstechnisch kein Problem darstelle und sich die Bürger daran gewöhnen müssten. „Die Aussage war natürlich ganz toll“, sagt Annegret Gärtner verärgert. Bis heute habe sie nichts weiter seitens der Stadtverwaltung zu ihrem schweren Sturz gehört. „Das wäre schön gewesen. Stattdessen gibt es eine 08/15-Floskel.“

Ähnlich äußerte sich Tiefbauamtsleiter Adrian Kersting auch auf die Anfrage unserer Redaktion: „Ein gewisser Gewöhnungseffekt hatte sich über die letzten Jahrzehnte eingestellt, so dass es einer Umgewöhnung bedarf, die sich bei vergleichbaren Umgestaltungen in anderen Kommunen ebenso einstellen musste.“

Die auslaufende Stufenanlage an der neuen Bonenstraße in Werne sorgte dafür, dass viele Personen ins Straucheln geraten sind. Silke Schulze aus dem Geschäft „Flinke Nadel“ berichtete von mehreren Unfällen in einer Woche.
Die auslaufende Stufenanlage an der neuen Bonenstraße in Werne sorgte dafür, dass viele Personen ins Straucheln geraten sind. Silke Schulze aus dem Geschäft „Flinke Nadel“ berichtete von mehreren Unfällen in einer Woche. © Andrea Wellerdiek © Andrea Wellerdiek

Annegret Gärtner wird künftig wieder zu ihrem gewohnten Heimweg zurückkehren und die Bonenstraße meiden. Dass eine ähnliche Stufenanlage wie am Moormannplatz, die bereits zu Stürzen führte, nun auch an der Bonenstraße zu finden ist, kann sie nicht nachvollziehen: „Ich finde das unglaublich. Aber nur durch Schaden kann man klug werden.“ Den Schaden hat sie nun schmerzhaft erfahren müssen.

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek

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