Kloster baut Bettenzahl für Jakobs-Pilger aus

WERNE Die Motivation ist sehr unterschiedlich, aber Tatsache ist: Immer mehr Menschen folgen dem Westfälischen Jakobsweg und machen im Werner Kapuzinerkloster Station. Dort werden nun sogar die Übernachtungsmöglichkeiten erweitert.

von Von Rudolf Zicke

, 18.07.2008, 07:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

"In diesem Jahr haben schon 50 Pilger bei uns übernachtet", freut sich Guardian Pater Suitbert; weitere 20 haben sich im Kloster einen Stempel in ihr Pilgerheftchen drücken lassen, ohne jedoch länger zu verweilen. Bisher standen Pilgern drei Betten im Pesthäuschen zur Verfügung, nun wird ein nicht mehr genutzter Jugendraum umfunktioniert, um zwei weitere Schlafplätze zu schaffen. Zwar ist das Zimmer noch nicht ganz fertig, doch bereits am Mittwoch nächtigte dort ein Pilger auf einem provisorischen Bett in Form einer Luftmatratze.Luftmatratzen sind angesagt

"Für den Herbst haben sich sogar zwei Gruppen mit 15 bzw. sieben Personen angemeldet", berichtet Pater Suitbert weiter, "dann sind auch wieder Luftmatratzen angesagt." Warum nimmt jemand die Strapazen auf sich, wandert oder radelt über zig, hunderte oder gar tausende Kilometer auf dem Jakobsweg?  "Wir sind 1999 süchtig geworden", erklärten Dirk Nieskens und Manfred Kraft aus Ratingen, die am Mittwoch Abend auf ihrem Weg von Osnabrück nach Wuppertal im Kapuzinerkloster eintrafen. Sportlicher Ehrgeiz steht meist am Anfang In den Jahren zuvor hatten sie schon Teilstücke des Jakobswegs vom Bodensee zum Genfer See sowie durchs französische Zentralmassiv absolviert - und kannten dann nicht mehr los lassen. "Bei vielen Menschen ist es zunächst der sportliche Ehrgeiz, am Ende werden aber fast alle zu Pilgern", sagt der Kloster-Guardian. Die Einsamkeit während der Wanderung bringe sie dazu, über ihr Leben nachzudenken und darüber, wie sie ihr Leben weiterführen wollen.Pilger aus allen Schichten

Die Pilger kommen aus allen Bevölkerungsschichten: Unter jenen, die eine Nacht bei den Kapuzinern geblieben sind, befindet sich z.B. ein Schauspieler, der in dem Pilgerbuch Goethes Faust zitiert; ein evangelischer Pfarrer gehörte zu den Gästen in dem katholischen Haus - "damit haben wie aber gar keine Probleme", so Pater Suitbert - darunter sind Paare und Pärchen, Intellektuelle und "sehr einfache" Leute", Menschen zwischen 20 und 70 Jahren, die allein oder zu zweit unterwegs sind.Einladung zum Besuch der 7-Uhr-Messe

Die meisten von ihnen nehmen auch gerne die Einladung der Klosterbrüder an, die 7-Uhr-Messe zu besuchen und anschließend mit ihnen zu frühstücken. So wie jener Mann, der ins Pilgerbuch schrieb, er habe anschließend das Kloster "fröhlich und erstarkt zu neuem Tatendrang" verlassen.

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