Margarita Lebedkina spendet Hoffnung und Freude durch Klaviermusik

dzCoronavirus

Es ist ruhig geworden auf den Straßen. Die Welt scheint den Atem anzuhalten. Doch wer in Stockum die Werner Straße entlang spaziert, hört etwas ganz anderes.

von Leandra Stampoulis

Werne

, 20.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Margarita Lebedkina ist die Inhaberin der Musikschule Margarita in Werne. Außerdem hat sie noch Räume in Herbern und Dortmund. Aber auch die selbstständige Musikschulbesitzerin hat mit den Maßnahmen des Coronavirus zu kämpfen: „Es trauen sich immer weniger Eltern, ihre Kinder zum Musikunterricht zu schicken. Es kommt nur noch etwa ein Zehntel der Kinder zum Unterricht. Klar, ich verstehe das natürlich. Man wird vorsichtiger.“

Lebedkina hat sich dafür was einfallen lassen: Online-Klavierunterricht. Sie ruft ihre Schüler per Videochat an und und gibt ihnen Aufgaben. Die Kinder spielen ihr diese dann vor und Lebedkina korrigiert sie.

Das ginge nicht mit den ganz kleinen Kindern, aber ab dem Grundschulalter könne man es versuchen. Wenn diese Krise noch länger anhält, kann sie sich vorstellen auch neue Schüler per Onlineunterricht anzulernen. „Die Kinder sind sogar teilweise konzentrierter“, sagt Lebedkina. Das seien alles Notlösungen, aber sie seien notwendig.

Jetzt lesen

Notenschlüssel als Verbindungszeichen

Denn sie ist selbstständig und erhält deshalb als private Musikschule keine finanziellen Hilfen vom Staat. „Erst wenn es ein offizielles Schreiben für eine Schließung von privaten Musikschulen gibt, dann kann ich durch das Infektionsschutzgesetz Geld zurück fordern“, so Lebedkina. Sie stehe aber in engen Kontakt zu ihren Musikschülern.

So verteilt sie im Moment kleine Notenschlüsselanhänger an ihre Schüler: „Dann haben die Kinder was von mir in der Tasche. Wenn wir uns jetzt länger nicht sehen können, wegen einer eventuellen Ausgangssperre zum Beispiel, dann bin ich trotzdem auf diese Weise bei ihnen.“

Die Musikpädagogin hat aber noch eine andere Idee. In der Zeit von Corona, die viele Menschen zwingt, zu Hause zu bleiben, Kinder zu beschäftigen oder einfach um sich und andere Menschen zu schützen, brauchen die Menschen Freude und Hoffnung.

„Musik ist für alle da und Musik bringt Freude, Energie und Hoffnung. Genau das brauchen die Menschen jetzt“, so Lebedkina. Sie hat im Internet die Videos von Italienern auf ihren Balkonen gesehen, die wegen der Ausgangssperre ebenfalls kleine Konzerte und Gesänge veranstaltet hatten.

Klavierkonzert für alle Menschen

Zweimal am Tag spielt sie in diesen Tagen ein ungefähr 20-minütiges Klavierkonzert für ihre Nachbarn und Menschen, die vor ihrem Fenster hergehen. Sie hat eine Verstärkerbox in den Vorgarten gestellt und kann somit in ihrem Wohnzimmer sitzen und Klavier spielen. „Die Leute freuen sich sehr. Sie wünschen sich regelmäßg Lieder. Ich bekomme sogar Nachrichten von Nachbarn auf mein Telefon geschickt, die zum Beispiel morgen Geburtstag haben und sich ein besonderes Lied wünschen.“

Jetzt lesen

So sitzt Lebedkina an ihrem Klavier vor dem Fenster und freut sich über jedes Kind, das mit leuchtenden Augen und klatschend auf dem Bürgersteig stehen bleibt. „Der kleine Junge dort hinten hat sich ein Lied aus dem König der Löwen gewünscht. Das spiele ich jetzt sofort“, so Lebedkina.

Von modernen Liedern bis hin zu einem klassischen Stück von Beethoven ist alles dabei.

Aber die Musikschulenbesitzerin denkt noch größer und weiter. Sie möchte so vielen Menschen wie möglich eine Freude in dieser Zeit schenken und überlegt, kleine Konzerte vor Seniorenheimen zu veranstalten.

Sponsoren für Anhänger gesucht

Natürlich würde sie dafür ein Spendenkonto einrichten: „Ich muss auch irgendwo mein Geld herbekommen und gerade in der jetzigen Zeit ist es schwierig für mich.“ Sie sucht noch nach Sponsoren, die ihr einen Anhänger für das Equipment zur Verfügung stellen könnten.

Wie und wohin sich die ganze Situation entwickelt, weiß keiner so genau, aber klar ist, dass Lebedkina mit ihrer Musik vielen Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann und gerade in Zeiten von Corona ein bisschen Lebensfreude verbreitet.

Lesen Sie jetzt