Im Oktober 2019 drehten sich das letzte Mal Karussells in Werne. Steht Sim-Jü 2021 erneut vor dem Aus, nachdem erste Kirmesse abgesagt wurden? © Jörg Heckenkamp (A)
Kirmes in Werne

Kirmes-Absagen und mögliche Crange-Verlegung: Wackelt Sim-Jü in Werne?

Ob Rheinkirmes, Crange oder Oktoberfest: Alle Volksfeste wurden abgesagt. Steht Sim-Jü nun auch auf der Kippe und was würde eine Verlegung der Cranger Kirmes in den Oktober für Werne bedeuten?

Das Oktoberfest reihte sich am Montag (3. Mai) ein in die lange Liste an Volksfesten in Deutschland, die aufgrund der Corona-Krise abgesagt wurden. Auch die Rheinkirmes in Düsseldorf und die Cranger Kirmes in Herne finden nicht statt. In Herne prüft man derweil, ob das Volksfest vom August in den Oktober verlegt werden kann.

Bauchschmerzen wie nach einer wilden Achterbahn-Fahrt haben die Verantwortlichen in Werne trotz der angekündigten Pläne aus Herne jedoch nicht.

Man werde weiter an dem Termin und zwar traditionell am vierten Wochenende im Oktober für Sim-Jü festhalten, erklärt Kordula Mertens, Ordnungsamtsleiterin der Stadt Werne.

Kollidiert Crange mit Sim-Jü?

„Wir haben unsere Verträge mit den Schaustellern“, sagt Mertens, die keine weiteren Details zu einer möglich späteren Cranger Kirmes kennt. Sie hofft natürlich, dass nicht beide Volksfeste am selben Wochenende stattfinden. Das würde den Schaustellern, die durch die vielen Absagen seit 2020 arg gebeutelt sind, natürlich auch entgegen kommen.

Wenn beide Termine dennoch kollidieren, ist nicht auszuschließen, dass die kleinere Kirmes, Sim-Jü in Werne, im Wettkampf um die Schausteller den Kürzeren ziehen würde. Egal, ob ein Vertrag unterschrieben ist oder nicht. Denn genau so ist es passiert im Jahr 2019, als sich die Karussells zu Sim-Jü das letzte Mal in Werne drehten.

Schausteller löste Vertrag kurzfristig auf

Die Firma Hoefnagels sollte eigentlich mit dem Fahrgeschäft Infinity erstmals in die Lippestadt kommen. Doch daraus wurde nichts. Der Schausteller hatte Anfang September noch einen Rückzieher gemacht und seinen Vertrag für Sim-Jü kurzfristig aufgelöst. Stattdessen baute er seine riesige Überkopf-Schaukel lieber auf dem Bremer Freimarkt auf.

Statt der vier Tage in Werne konnte er sein Fahrgeschäft gewinnbringender auf der 17 Tage stattfindenden Kirmes in Bremen aufstellen. „Infinity ist ein teures Fahrgeschäft und wir brauchen sehr große Veranstaltungen, damit es sich lohnt“, erklärte Jupp Hoefnagels seinerzeit gegenüber unserer Redaktion.

Planungen für Sim-Jü in Werne gehen weiter

Solche Gedankenspiele gibt es bei den Verantwortlichen in Werne zu diesem Zeitpunkt nicht. Hier hofft man indes darauf, dass überhaupt Sim-Jü 2021 in gewohnter Form steigen darf. Bis mindestens Ende Juni sind Großveranstaltungen verboten. Einen Schlussstrich unter die Planungen hat man in Düsseldorf mit der Rheinkirmes (für Juni geplant) und in München mit dem Oktoberfest (für September geplant) bereits gezogen. So weit geht man in Werne noch nicht.

„Wir planen weiter so, als wenn Sim-Jü normal stattfinden würde“, erklärte Kordula Mertens am Dienstag (4. Mai). So sind die Verträge mit den Schaustellern, die die großen Karussells nach Werne bringen möchten, längst unterzeichnet. Auch der Wirt für das Festzelt hat bereits zugesagt.

Allerdings wird es wie im vergangenen Jahr in allen Verträgen den Hinweis darin geben, dass die Kirmes je nach Entwicklung der Corona-Pandemie wieder abgesagt werden kann. „Wie letztes Jahr werden wir aber so spät wie möglich absagen. Es soll am Ende nicht an uns liegen, wenn doch etwas möglich sein sollte und es dann nicht mehr umsetzbar ist“, so Mertens weiter.

Schausteller-Präsident appelliert an Behörden

Dem pflichtet auch Albert Ritter, Präsident des Deutschen Schaustellerbundes, bei. „Dass zurzeit besonders auch von öffentlich-rechtlichen Veranstaltern unsere Traditionsveranstaltungen abgesagt werden, obwohl die regulären Termine erst viel später im Jahreskalender liegen, verunsichert mich sehr. Der dringende Appell an alle Entscheider, besonders auf politischer Ebene, muss lauten: gelebte Brauchtumsveranstaltungen mit großer Tradition über Jahrhunderte nicht voreilig abzusagen. Planungen sollten aufrecht erhalten werden“, teilte er auf seiner Facebook-Seite mit.

Schausteller bräuchten keine Monate als Vorlaufzeit. „Auch unter normalen Saisonbedingungen bauen wir innerhalb weniger Tage ganze Kirmesstädte auf“, so Ritter weiter. Im vergangenen Jahr hat die Stadt Werne Sim-Jü Ende August abgesagt. An diesem Zeitpunkt werde man sich auch 2021 wieder orientieren, um eine endgültige Entscheidung zu treffen, erkläre Kordula Mertens aus dem Ordnungsamt.

Mini-Sim-Jü ebenso denkbar

Sie kann sich darüber hinaus vorstellen, dass es auch wieder Gespräche zu einer möglichen kleinen Sim-Jü-Variante geben kann. 2020 hatte man eine Kirmes ausschließlich auf dem Parkplatz auf dem Hagen mit strengen Hygienevorschriften, vorheriger Anmeldung und einer begrenzten Besucher-Obergrenze für Ende Oktober vorgesehen. Nachdem die Infektionszahlen aber in die Höhe kletterten, wurde auch aus der Mini-Sim-Jü in Werne nichts.

In diesem Jahr soll nach der Absage der Mai-Kirmes mit Sim-Jü das größte Volksfest an der Lippe wieder stattfinden. Es ist geplant vom 23. bis 26. Oktober. Das beinhaltet auch den Kram- und Viehmarkt. Hierfür werde man kurz vor dem geplanten Kirmes-Termin in die Planung einsteigen.

Ab Juni geht es im nächsten Schritt zunächst darum, die weiteren Beschicker der kleineren Fahrgeschäfte, Imbiss- und Ausschankbuden zu kontaktieren. Die Planungen für Sim-Jü laufen wie gewohnt weiter – ganz unabhängig von den jüngsten Absagen von Kirmessen in anderen Städten.

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek

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