Saufende Lehrer und fiese Dämonen - So viel Geschichte steckt im Werner Kirchhof

dzStadtgeschichte in Werne

Der Kirchhof wirkt heute eigentlich recht friedlich. Seine Geschichte hat es aber in sich. Wir haben beim „Stadt-Secretarius“ in Person von Stadtführerin Heidelore Fertig-Möller nachgefragt.

Werne

, 27.07.2019, 10:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

„Das ist hier wahrlich geschichtsträchtiger Boden“, sagt Wernes Stadtführerin, als wir uns mit ihr auf dem Kirchhof treffen. Doch das gilt nicht nur für die St.-Christophorus-Kirche selbst, sondern auch für das, was um sie herum geschah. 5 Kurzgeschichten für Hobbyhistoriker gibt’s in unserer Fotostrecke.

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Saufende Lehrer und Dämonen - So viel Geschichte steckt im Werner Kirchhof

Der Kirchhof wirkt heute eigentlich recht friedlich. Seine Geschichte hat es aber in sich. Wir haben beim „Stadt-Secretarius“ in Person von Stadtführerin Heidelore Fertig-Möller nachgefragt.
27.07.2019
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Die Christophorus-Kirche ist ein echtes Wahrzeichen. Und das verdankt sie mitunter dem im 15. Jahrhundert angesagten Kirchbaumeister Roseer. Der hatte zuvor schon die Dortmunder Reinoldikirche errichtet und stellte den Wernern in nur 60 Jahren ein schickes Gotteshaus im gotischen Stil auf den Kirchhof. Dank der Preußen gibt es hier heute übrigens keine Gräber mehr. Sie entschieden um 1815, dass man die Verstorbenen lieber außerhalb der Stadtmauern (im heutigen Steintorpark) verbuddeln sollte.© Felix Püschner;Felix Püschner;
Die Schulbank mussten die Werner Knaben im 14. Jahrhundert ebenfalls auf dem Kirchhof drücken. Wer das nötige Kleingeld aufbringen konnte, durfte zur Lateinschule. Wer nicht, der musste sich mit der Deutschen Schule begnügen. Dass hier aber nicht immer Zucht und Ordnung herrschten, verrät ein Blick in die Ratsprotokolle. Dort sind nicht nur Beschwerden des Pastors über sich prügelnde Jungen zu lesen, sondern auch Richtlinien für Lehrer: Sie sollten bitte nicht besoffen zum Unterricht erscheinen.© Felix Püschner
Ganz schön fiese Fratzen, die da in Holz geschnitzt an einem der ältesten Werner Fachwerkhäuser zu sehen sind. Das Häuschen am Kirchhof wurde bereits 1562 errichtet und hat den großen Brand von 1583 überstanden – im Gegensatz zu den anderen Gebäuden rund um den Kirchhof. Die Masken könnten ihren Teil dazu beigetragen, denn sie wirken für manch einen so befremdlich, dass er sich nicht näher ans Haus herantraut. Das galt schon damals für böse Geister und Dämonen. Und anscheinend auch für Feuer.© Felix Püschner
Während die Rathausfront vor allem an Markttagen die Blicke der Besucher auf sich zieht, erhält die Rückseite eher wenig Aufmerksamkeit. Zu Unrecht, denn auch sie ist von großer Bedeutung. Schließlich endete genau hier einst der Herrschaftsbereich der Kirche. Der Bau des Rathauses so nah am Gotteshaus war ein klares Zeichen der Ratsherren an den Bischof von Münster: „Halt mal schön die Füße still, Großer – ab hier haben wir das Sagen!“ Na dann mal ein herzliches „Prost“ auf gute Nachbarschaft…© Felix Püschner
Das sind doch mal schöne alte Speicher, oder? Stimmt nicht ganz. Denn in Werne wurden sie immer schon „Wärmehäuschen“ genannt. Dank den trinkfesten Bauern, die hier ihre Waren lagerten, um sie am benachbarten Roggenmarkt zu verkaufen. Denn die ließen ihre Tagelöhner hier nur wohnen, damit sie vor und nach dem Kirchenbesuch schnell ein warmes Plätzchen samt Feuer vorfanden. Eine halbe Flasche Schnaps vor und eine nach dem Kirchgang reichten zum Aufwärmen nämlich offensichtlich nicht immer aus. © Felix Püschner

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