Kirche St. Johannes: Risse in der Fassade rufen Gutachter auf den Plan

dzAm Seitenschiff

Erst traf es die Kirche St. Benedikt in Herbern, jetzt die Kirche St. Johannes: Beide Gotteshäuser weisen Risse in der Fassade auf, die auf ein Phänomen des Sommers zurückzuführen sind.

Werne, Herbern

, 22.12.2018, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Seitenschiff der Kirche St. Johannes sind deutliche, tiefe Risse zu erkennen. Ein Gutachter untersucht den Schaden. Dieser ist laut Pfarrdechant Jürgen Schäfer wohl auf den heißen Sommer in diesem Jahr zurückzuführen. „Der Tonboden unter der Fassade ist ausgetrocknet, sodass sich die Böden zusammenziehen wie beim Bergbau“, erklärt Schäfer. Seit August gibt es diese Schäden am Seitenschiff der Kirche bereits. Zurzeit ist die Stelle am Gebäude abgesperrt. Einigen Gemeindemitgliedern sind die Risse wohl deshalb erst jetzt aufgefallen.

Geht von den Rissen Gefahr aus?

Wie und in welcher Form die Schäden behoben werden, prüft zurzeit ein Gutachter. Das soll möglichst bald passieren, wenngleich diese Arbeiten nicht ganz oben auf der Prioritätenliste stehen, wie Schäfer sagt. Eine Gefahr gehe von den Rissen indes nicht aus.

„Es sind keine weiteren Schäden aufgetaucht“, erklärt der Pfarrer. Es gebe also keinen Grund zur Sorge, versichert Schäfer. „Mit der Statik der Kirche hat das gar nichts zu tun“, sagt er. Ärgerlich ist es dennoch. Denn die Beseitigung der Risse kostet Geld, für das die Kirche selbst aufkommen muss.

Rissbildungen sind keine Seltenheit

Immer mal wieder kommt es zu solchen Bewegungen in den teils sehr alten Gotteshäusern. Auch in der St.-Benedikt-Kirche in Herbern wurden vor zwei Jahren Rissbildungen entdeckt. Diese setzten sich fort, wie eine Prüfung in diesem Jahr ergeben hat. Am Taufbecken und in der alten und neuen Sakristei wurden Schäden entdeckt. Eine Fachfirma untersuchte die Risse im Herbst, indem sie Löcher in das Fundament der Kirche setzten. Diese sind wie geplant vor Weihnachten geschlossen worden, wie Pfarrer Stefan Schürmeyer erklärt.

Die Ursache ist damit wohl auch geklärt: Sommerfrost. So nennen die Techniker die durch die extreme Trockenheit dieses Sommers hart gewordenen Böden. Die Erde federt nicht mehr ab und kleinste Erschütterungen werden übertragen – etwa auf Gebäude. Die an der St.-Benedikt-Kirche stehenden Lindenbäume waren ebenso ausgetrocknet, sodass der Effekt wohl noch verstärkt wurde, erklärt Schürmeyer. Und da es keine Schäden an den Nachbargebäuden gibt, habe dies nicht mit Änderungen im Grundwasserspiegel, sondern mit der lang anhaltenden Dürre zu tun.

Kirche mehr als ein Jahr lang gesperrt

Wie die Schäden nun behoben werden, wird derzeit geprüft. Der zuständige Architekt Christian Greve aus Ascheberg schätzt, dass Anfang Januar das Gutachten vorliegt. Danach werden auch mögliche präventive Maßnahmen analysiert. Der Architekt sagt aber auch: „Es gibt immer Bewegungen in Kirchen, sodass Haarrisse gang und gäbe sind. Wenn der Wind einmal in den Kirchturm bläst, dann hat das andere Auswirkungen als auf ein Einfamilienhaus.“

Im benachbarten Südkirchen wird aufgrund der durch Sommerfrost entstandenen Risse gar die St.-Pankratius-Kirche bis zum Frühjahr 2020 gesperrt.

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