Steuer-Forderung liegt Kirchengemeinden schwer im Magen

dzUmsatzsteuer

Der neue Paragraf 2b des Umsatzsteuergesetzes beschert den Kirchengemeinden viel Arbeit. Auch in Werne bereitet man sich auf die neue Art der Besteuerung vor, die vielfache Auswirkungen hat.

Werne

, 19.03.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Autowaschaktion der Konfirmanden für ein Dritte-Welt-Land oder der Weihnachtsbaum-Verkauf zugunsten des Kinderhospizes: Bei all diesen ehrenamtlichen Aktionen schlägt demnächst der Fiskus zu und kassiert 19 Prozent Umsatzsteuer.

Steuer-Forderung liegt Kirchengemeinden schwer im Magen

Würstchen könnte auch ein Metzger verkaufen. Schon wir die Umsatzsteuer auf den Verkauf auf dem Pfarrfest fällig. © Bernd Warnecke (A)

Sowohl der katholischen als auch der evangelischen Gemeinde in Werne liegt dieses Thema im Magen. Zwar gilt diese Regelung für sie erst am Anfang 2020, „aber bei uns ist es jetzt schon ein Thema“, sagt der evangelische Pfarrer Alexander Meese.

Regelung erfordert große Änderungen in der Buchhaltung

Für ihn ist jetzt schon klar: „Es wird größere Änderungen in der Buchhaltung geben.“ Möglicherweise würde man für einige Angebote Fördervereine gründen. Letztlich könnte es für eine Gemeinde aber auch bedeuten, „dass man nicht mehr alle Angebote künftig beibehalten kann“, so Meese.

Die Kirchen müssen viel Aufwand betreiben, um der neuen Gesetzgebung Herr zu werden. Es liefen Schulungen für Mitarbeiter. Der evangelische Kirchenkreis, sagt Alexander Meese, denke darüber nach, eine eigene Stelle dafür zu schaffen.

Umsatzsteuer auf Angebote, die Private leisten könnten

Worum geht’s? Der Paragraf 2b regelt, dass Körperschaften des öffentlichen Rechts, also auch die Kirchen, Umsatzsteuer auf diejenigen Einnahmen zahlen müssen, die ebenso gut private Wirtschaftsunternehmen erbringen könnten.

Steuer-Forderung liegt Kirchengemeinden schwer im Magen

Für den Verkauf von Speisen und Getränken, wie hier auf einem Gemeindefest in Horst, müssten die Pfarreien spätestens ab 2020 19 Prozent Umsatzsteuer zahlen. © Beyer (A)

Klassisches Beispiel dafür ist der Kaffee- und Kuchen-Verkauf auf dem Gemeindefest, den auch ein örtlicher Bäcker anbieten könnte. Oder auch die von der Gemeinde angebotene Jugendfreizeit, die ja auch ein Reiseveranstalter organisieren könnte.

Neuregelung macht den Kirchengemeinden viel Arbeit

„Da kommt viel Arbeit auf uns zu“, sagt Peter Middelhove, Leiter der in Werne ansässigen Zentralrendantur. Die kümmert sich um die Finanzen von zwölf katholischen Kirchengemeinden, darunter St. Christophorus in Werne.

Wie skurril die neue Besteuerung wirkt, macht Middelhove an einem Beispiel deutlich: „Wenn Sie eine Opferkerze für 50 Cent in der Kirche kaufen und anzünden, ist das nicht umsatzsteuerpflichtig.“ Denn dieses Opferlicht zähle zum Bereich der klassischen Religionsausübung innerhalb des hoheitlichen Bereiches der Kirchen.

„Aber wenn das Pfarrbüro von Kindern gestaltete Osterkerzen verkauft, ist das steuerpflichtig“, sagt Middelhove. Denn solche Kerzen könnten auch andere Unternehmen anbieten.

Fiskus hält beim Gemeindefest die Hand auf

Selbst wenn der Kuchen fürs Büfett auf dem Gemeindefest gespendet ist, fällt bei seinem Verkauf die Umsatzsteuer an. Egal übrigens, ob die Einnahmen für einen sozialen Zweck gedacht sind: Der Fiskus hält die Hand auf.

Kleine Gemeinden können eventuell von der Obergrenze für Kleinunternehmen profitieren, die auch für Kirchengemeinden gilt. Alles, was unter 17.500 Euro im Jahr liegt, bleibt steuerfrei.

Alle Aktivitäten der Gemeinde werden zusammgezählt

„Allerdings zählt der Gesetzgeber alle Aktivitäten einer Gemeinde zusammen“, sagt Middelhove. Und da brauche man bei einer Großgemeinde wie St. Christophorus Werne „nur ein bisschen rechnen können, um sich ausmalen zu können, dass diese Grenze schnell erreicht ist“.

Wie genau man in Zukunft auf den neuen Paragrafen reagiere, wisse man noch nicht, war aus beiden Werner Konfessionen zu hören. Vielleicht könne man die ein oder andere Aktivität auf einen Förderverein übertragen, spekuliert Alexander Meese. Oder als drastische Reaktion fasst der Pfarrer sogar ins Auge: „Vielleicht müssen wir bestimmte Angebote aufgeben.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt