Der Leiter des St.-Christophorus-Gymnasiums in Werne, Thorsten Schröer, ist unzufrieden mit der fehlenden Aussicht auf eine Impfung für weiterführende Schulen. © (A) Sylvia vom Hofe
Corona und Schulen

Keine Impfung für weiterführende Schulen: „Man fühlt sich verloren“

Für die Kräfte an weiterführenden Schulen in NRW gibt es derzeit noch keine Aussicht auf eine Impfung. Dabei wäre diese dringend nötig, meint GSC-Schulleiter Thorsten Schröer.

Nachdem der zweite Impftermin wegen Bedenken gegen den Astrazeneca-Impfstoff am 19. März ausgefallen und am 26. März nachgeholt worden war, ist nun der Großteil der Angestellten aus dem Kita- und Grundschulbereich sowie der Jugendeinrichtungen geimpft. Doch die Lehrkräfte und Angestellten an den weiterführenden Schulen müssen auf ihre Impfung weiter warten. Einen Impfstarttermin gibt es für sie noch nicht.

Ein Zustand, den Thorsten Schröer, Leiter des St.-Christophorus-Gymnasiums (GSC) in Werne, kaum nachvollziehen kann. „Ich will nicht den Eindruck erwecken, dass wir die Speerspitze von allem sind“, sagt Schröer. Doch Lehrkräfte an weiterführenden Schulen seien eben genauso einem Risiko ausgesetzt wie die an Grundschulen.

Vor der ersten Schnelltestrunde war beispielsweise ein Schulkind aus einem unteren Jahrgang vor lauter Aufregung kollabiert. „In dem Fall agiert man, als wenn man kein Corona hätte“, sagt Schöer. Um die Kinder und Jugendlichen zu beruhigen. Gleichzeitig gebe es vom Land keine Schutzausrüstung, nur die Ansage: Ihr beaufsichtigt das Ganze.

Den weiterführenden Schulen bleibt derzeit nur das Testen

Den weiterführenden Schulen bleibt derzeit nur das Testen. Mittlerweile hätten sich viele Schulträger über die Anweisung, die Schnelltests zwingend an den Schulen durchzuführen, hinweggesetzt, und den Schülerinnen und Schülern die Tests teilweise mit nach Hause gegeben, sagt Schröer. Gemeinsam mit einem Zettel für die Eltern zur Dokumentation der Tests. Denn welchen Sinn mache es, wenn ein Kind in einen Schulbus mit anderen Kindern steige und sich erst in der Schule testen lasse, fragt der Schulleiter.

Nach den Ferien sollen die NRW-Schüler in den weiterführenden Schulen mehr als einmal in der Woche getestet werden. Für einen Testdurchlauf sei eine Schulverwaltungskraft einen vollen Tag beschäftigt, sagt Schröer. Doch bis Ende vergangener Woche waren gerade einmal 600 Tests für die 720 GSC-Schüler angekommen. Weil nicht ausreichend Tests da gewesen seien, seien erst einmal nur 80 Prozent verschickt worden. Der Rest folge nach Ostern, zitiert Schröer das Land. „Da platzt einem als Schulleiter schon die Hutschnur“, sagt Schröer.

„Da ist man langsam etwas frustriert“

Für die erste Woche nach den Ferien hätte man gern schon alles bereit gestellt. „Wir warten händeringend, um, wenn das da ist, noch schnell die Sachen packen zu können“, so Schröer. Gleichzeitig töne die Politik in der Öffentlichkeit, es seien genügend Testkits vorhanden. „Da ist man langsam auch ein bisschen frustriert.“ Im Zweifel werde dann in der letzten Ferienwoche außerplanmäßig alles durch die Schule vorbereitet.

Impfung würde für Risikosituationen Beruhigung bringen

„Man fühlt sich ein bisschen verloren, wenn man alles überwachen soll“, sagt der Schulleiter. Und gleichzeitig nicht so geschult sei, wie Leute, die dafür ausgebildet seien. „In Grundschulen rücken die Kinder den Lehrern eher auf den Pelz, das kann ich verstehen“, sagt Schröer. Aber auch er habe 29 Schüler in einem Grundkurs. „Das ist nicht weniger ungefährlich.“

Durch den Wechselunterricht habe es eine räumliche Trennung gegeben. Bei größeren Kursen habe man so auf zwei Räume ausweichen können. Jetzt sei jede Klasse wieder da, sodass das mit den zwei Räumen nicht mehr klappe. Deshalb werde sehr intensiv auf die Regeln geachtet, die Fenster aufgemacht, stoßgelüftet, hinzu kommen häufigere Pausen mit frischer Luft. Aber ob diese Regeln auch gegen die Corona-Mutationen ausreichten, sei fraglich, so Schröer.

„Ich hätte mir gewünscht, dass das Land NRW das Impfkontingent aufstockt, das wären in Werne 200 Leute mehr gewesen. Rein logistisch wäre das sicher möglich gewesen“, so der Schulleiter. Doch alles hänge an den Vorgaben des Landes und der Impfreihenfolge. Denn der Beratungsbedarf bei den Kindern lasse nicht nach. Und eine Impfung würde insbesondere für Risikosituationen Beruhigung bringen, so der Schulleiter.

Weitere Inhalte exklusiv für junge Familien finden Sie auf unserer Familienseite: rn.de/familien

Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
Zur Autorenseite
Eva-Maria Spiller

Dorsten am Abend

Täglich um 19:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.