Kritik am Jobcenter Werne schlägt hohe Wellen im Internet – Jörg Höll setzt Einsatz fort

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Jörg Höll wollte die Probleme des Jobcenters Werne anprangern. Doch groß war die Resonanz an seinem Stand nicht – dafür aber im Internet. Sein Einsatz schlägt hohe Wellen und geht weiter.

Werne

, 18.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Mit Plakaten und Flyern gerüstet, wollte Jörg Höll vor dem Jobcenter Werne aufklären: über die Rechte von Hartz-4-Empfängern und über das von ihm wahrgenommene Verhalten der Behörde. Doch die Resonanz war „enttäuschend“, so Höll. Dafür sorgte die Berichterstattung über seinen Einsatz im Internet für großes Aufsehen.

Zwischen kritischer Nachfrage und Zustimmung war bei den Reaktionen auf Facebook alles mit dabei. Doch eines zeigte sich ganz besonders: Das Thema bewegt die Gemüter und Höll ist bei Weitem nicht der einzige, der Kritik übt.

„Immer wieder die gleichen Unterlagen einreichen“

„Ich habe selber mitbekommen, dass man Papiere fünfmal einreichen musste. Immer wieder die gleichen“, schreibt beispielsweise eine Userin, die als Begleitperson eines Kunden des Jobcenters dabei war, in den Kommentaren zu unserer Berichterstattung.

„Und die Anträge dauern immer verdammt lange, bis sie bearbeitet werden. Ich rede nicht von zwei bis drei Wochen. Nein, es sind Monate“, heißt es weiter. „Ich frage mich, wovon die Menschen leben sollen, wenn sie hierher umgezogen sind oder gerade erst in Hartz 4 rein gekommen sind?“

„Bei Verrechnungen kann es manchmal etwas dauern. Aber Monate? Das kann ich mir nicht vorstellen“, sagt Antonia Mega, Pressesprecherin des Jobcenters Kreis Unna, auf Anfrage dieser Redaktion.

Jobcenter: „Nicht in unserem Interesse, Geldleistungen zurückzuhalten“

Durch fehlende Unterlagen könne es manchmal zu Verzögerungen kommen. „Aber es nicht in unserem Interesse, Geldleistungen zurückzuhalten“, so Mega. Gerne würde sie die pauschale Kritik im Detail analysieren.

Das Meinungsbild möchte sie an Mitarbeiter und Geschäftsführung weiterleiten, sodass man vor Ort nochmals einen schärferen Blick darauf werfen könne.

Auch andere Facebook-User klagen über ihre Probleme. „Die letzten Kontakte waren zwar sehr nett, aber in der Vergangenheit kam es leider oft vor, dass man echt dumm stehen gelassen worden ist“, schreibt jemand.

„Die ein oder andere Entscheidung ist manchmal nicht für unsere Kunden nachvollziehbar. Aber wir wollen das immer gerne klären“, so Antonia Mega. Am besten gehe das im direkten Gespräch miteinander – beispielsweise mit dem jeweiligen Teamleiter.

Kommentar: „Keine Narrenfreiheit im Rechtsstaat“

Doch es gibt im Internet nicht nur zustimmende Kommentare zu Hölls Klagen. „Lieber Jörg! Keine Sanktionen, dann vermehren sich die Betrüger, wenn jemand gegen das Sozialgesetz verstößt, muss er oder sie bestraft werden. Narrenfreiheit ist nicht, wir leben in einem Rechtsstaat“, schreibt ein Nutzer über das vorgestellte Angebot des Vereins Sanktionsfrei, der Hartz-4-Empfänger bei Sanktionen des Jobcenters unterstützt.

Neuer Termin für Infostand steht

Höll hatte bereits vor seiner ersten Infoveranstaltung am Mittwoch, 17. April, weitere Pläne. Durch das hohe Interesse im Internet dürfte er sich bestätigt fühlen und kündigte gleich einen neuen Termin für die Woche nach Ostern an.

Am Mittwoch, 24. April, steht er mit seinem Infostand bei der Tafel im ehemaligen Möbelhaus Reuter, um mehr Ansprechpartner zu finden. Eine Genehmigung von Tafel-Koordinator Dieter Schimmel liege bereits vor.

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