Jens te Kaat bangte nach Böcker-Aus um Existenz – jetzt gehört er zu den innovativsten Deutschen

dzInnovation aus Werne

15 Jahre saß Jens te Kaat im Böcker-Vorstand. Von jetzt auf gleich war Schluss, die berufliche Zukunft düster. Doch der 53-Jährige gab nicht auf – und ist nun einer der innovativsten Deutschen.

Werne

, 19.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Jens te Kaat (53) hatte alles, was er sich wünschen konnte: glücklich verheiratet, Kinder und einen Job, der ihn erfüllte. Doch von einer Sekunde auf die andere stand er vor dem beruflichen Nichts. 15 Jahre lang saß er im Vorstand des Werner Traditionsunternehmens Böcker-Maschinenwerke. Doch statt der sichergeglaubten Vertragsverlängerung in der Tasche, saß te Kaat plötzlich auf der Straße.

„Ich war mit viel Herzblut dabei, hatte Böcker als letzten Schritt in meinem Berufsleben eingeplant. Das war eine richtig schwierige Situation für mich“, sagt te Kaat. Vier seiner Kinder besuchten zu dem Zeitpunkt im Jahr 2015 die Uni. Das musste bezahlt werden. Doch wie, wenn eine Klausel ihm verbot, bei einem Wettbewerber einzusteigen?

Te Kaat: „Ich wusste nicht, wie es weitergehen soll“

Fragen über Fragen. „Ich wusste nicht, wie es weitergehen soll, hatte viele große Fragezeichen im Kopf und bin erst einmal drei Monate kreuz und quer über das Mittelmeer gesegelt“, so te Kaat. Etwas Abstand gewinnen, Kraft tanken und sich umhören, mit wem man sich selbstständig machen könnte.

Genau in diesem Moment der größten beruflichen Unsicherheit ergaben sich für te Kaat Möglichkeiten, die er sich nicht hätte ausmalen können.

Zusammen mit einem Geschäftspartner machte er sich auf die Suche nach einem Unternehmen in finanzieller Schieflage – um es zu übernehmen und daraus letztlich eines der 100 innovativsten Unternehmen Deutschlands zu machen.

Insolventes Unternehmen komplett umgekrempelt

Te Kaat ist auf dem Weg, eine große Erfolgsgeschichte zu schreiben – mit seinem Unternehmen Kueppers Solutions. 2016 wurde der Küppersbusch-Fachbereich Wärmetechnik von den damaligen Besitzern in die Insolvenz überführt. Danach krempelte te Kaat mit seinem Geschäftspartner alles um.

„Ich war Quereinsteiger in diesem Bereich. Mit Brennsystemen hatte ich vorher nichts am Hut. Aber manchmal kann das auch von Vorteil sein“, so te Kaat. Er hatte eine Vision: umweltfreundlichere Produkte herstellen und ähnlich wie beim Auto die Abgas-Emission senken.

Jens te Kaat bangte nach Böcker-Aus um Existenz – jetzt gehört er zu den innovativsten Deutschen

Geschäftsführer Jens te Kaat (l.) und Domenik Prüßmann (Assistent der Geschäftsführung) erhielten von Top-100-Mentor Ranga Yogeshwar die begehrte Auszeichnung. © KD Busch/compamedia

Immer wieder stellte sich te Kaat die Frage, was man verändern könnte, um das eigene Unternehmen zu revolutionieren. Das Ergebnis: eine für Außenstehende fast unscheinbar wirkende metallische Form, die das Verhältnis von Luft und Gas regelt und die alles verändern könnte.

Die Abgas-Werte sind in den Keller gegangen. Das begeisterte nicht nur weltweite Unternehmen wie Dr. Oetker oder BASF, sondern auch die Jury des Wettbewerbs Top 100, der das Unternehmen zu einem der innovativsten im deutschen Mittelstand kürte.

Bekannte Unternehmen zeigen großes Interesse

„Wir sind ausgesprochen stolz, dass wir für unsere Innovation diesen Preis bekommen haben“, so te Kaat. Gerade im Zuge des Klimawandels mit seinen Konsequenzen und einem gewachsenen Bewusstsein der Menschen freue er sich, als Unternehmen einen Beitrag leisten zu können.

„Wir haben eine wahnsinnige Resonanz von großen Unternehmen erhalten“, sagt te Kaat. „Da steckt eine riesige Chance drin.“ Die ersten Probe-Produkte sind bereits auf dem Markt. Jetzt gilt es die Unternehmen endgültig zu überzeugen und zum Kauf zu bewegen.

Noch immer ein komisches Gefühl bei der Rückkehr nach Werne

„Wir haben – gerade mit dieser Auszeichnung – richtigen Rückenwind und haben das Gefühl, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, so te Kaat. Dabei wolle man die Entwicklung nicht nur für eigene Brenner benutzen, sondern auch als Zulieferer auf dem Markt aktiv sein.

Mit dieser Entwicklung könnte te Kaat auch endgültig sein plötzliches Aus bei Böcker hinter sich lassen, denn er gesteht: „Wenn ich nach Werne komme, fühle ich nach den vielen schönen Jahren hier noch immer eine tiefe Verbundenheit.“

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