Viele träumen von der großen Instagram-Karriere. Redakteur Mario Bartlewski (29) hat versucht, mit Experten-Tipps in 100 Tagen zum Instagram-Star zu werden - mit einem überraschenden Angebot.

Werne, Dortmund

, 09.07.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Es sieht so einfach aus, wenn die großen Instagram-Stars ihre Beiträge veröffentlichen, um damit Geld zu verdienen. Ein bisschen nett in die Kamera lächeln, etwas halbwegs Tiefgründiges dazu schreiben und schon erreichen sie Zehntausende Menschen. So schwierig kann das also nicht sein, oder? Das wollte ich selbst testen. Mein Ziel: In 100 Tagen so viele Follower wie möglich sammeln.

Doch womit überhaupt? Mode und Lifestyle sind große Themen. Aber zeichnet mich das überhaupt aus? Ein Freund würde meinen Stil wohl am ehesten als „stabil“ bezeichnen. Sprich: Machst du nichts mit falsch, geil ist es aber auch nicht! Also das lieber nicht. Ich stehe also vor einem großen Haufen von Möglichkeiten und fühle mich das erste Mal verloren.

TIPPS VON PROF. DR. JULIAN KAWOHL

SO SAMMELN SIE MEHR LIKES UND FOLLOWER BEI INSTAGRAM

  • Gutes Thema finden, das ich glaubhaft verkörpern kann und das für andere interessant ist
  • Überraschende und humorvolle Posts haben größere Chancen auf Erfolg
  • Mit Nutzern verbinden und interagieren
  • Die meistgenutzten Stichwörter (Hashtags) sind nicht die besten. Hier geht man zu schnell unter
  • Fünf Posts in der Woche sind die optimale Menge
  • Mit Inhalten anderer interagieren, um gefunden zu werden
  • Interaktion unter den eigenen Fotos ist wichtig

„Man muss sich das wie ein Start-Up vorstellen“, sagt Prof. Dr. Julian Kawohl von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Zum Erfolg auf Instagram gehört ein aufwendiger Business-Plan.

Was kann ich besonders gut? Was ist mein Thema, das so niemand anders präsentiert? Welchen Zeitplan erstelle ich für meine Veröffentlichungen? Die Fragen, die sich Instagram-Nutzer stellen müssen, die erfolgreich sein wollen, sind zahlreich.

Also: Was macht mich besonders? Ich arbeite in Werne und lebe in Dortmund. Das alleine reicht aber noch nicht. Immer wieder schreibe ich Konzepte auf und verwerfe sie, bis mein Fußboden fast komplett mit Papier verdeckt ist. Dann die Idee: Tiere gehen immer. Und wenn man dann gleich noch drei etwas exotischere hat, kann das bestimmt nicht schaden.

Die Idee ist geboren - jetzt geht es an die Umsetzung

Meine drei Chinchillas haben mich die ganze Zeit schon beobachtet, als ich mir den Kopf zerbrochen habe. Dabei war die Lösung so nah. Fotos mache ich von ihnen sowieso unzählige. Und ich habe sogar schon einen Account für die drei - nur so richtig läuft der bisher noch nicht.

„Erfolg ist bei Instagram kein Zufall“, sagt Influencer Joris Wagner aus Werne, dem als Joris Vida mehr als 28.000 Leute folgen. „Du kannst nicht einfach ein Foto veröffentlichen und hoffen, dass du gefunden wirst“, sagt der 19-Jährige.

Denn nach Shooting, Bildbearbeitung, Text schreiben, Schlagwörter auswählen und Veröffentlichung beginnt die Arbeit erst richtig.

Ich muss aktiv auf andere Nutzer zugehen und mit ihnen interagieren, gibt mir Wagner mit auf den Weg: Likes, Kommentare, Leuten folgen. Die Aufgabenliste ist lang und neu für mich.

Bislang habe ich mit meinem Chinchilla-Account viel gepostet - zum Teil bis zu drei Beiträge pro Tag - und wenig Rückmeldung bekommen. 20 bis 30 Likes gab es für die Bilder, etwas mehr als 100 Leute folgen mir. In der großen Welt des Internets ist das nichts.

Also: Mit guter Planung und den Tipps von Kawohl (siehe Infokasten) und Wagner einen zweiten Anlauf wagen. Denn weniger ist manchmal mehr. Ich veröffentliche ein Foto und begebe mich sofort danach auf die Jagd nach Followern: Leute suchen, Bilder anklicken und weiter scrollen. Immer wieder. Und siehe da, es funktioniert tatsächlich. Statt 20 Likes erhält das Foto 144 Stück. Hammer!

Suchen, klicken, scrollen: So jage ich nach Likes und Followern

Ich gehe aktiv auf die Suche nach neuen Followern. Dafür suche ich ähnliche Accounts auf und gehe deren Follower durch. Immerhin weiß ich, dass sie grundsätzliches Interesse am Thema haben. Ich like jeweils vier bis fünf ihrer Beiträge, um Aufmerksamkeit auf mein Profil zu lenken. Was sie posten? Das ist mir egal.

Skrupel beim Liken habe ich verloren. Manchmal like ich den Beitrag schon, obwohl das Bild noch gar nicht geladen ist. Das ist eigentlich nicht der Sinn von Instagram, oder? Aber egal. Ich habe nur ein Ziel: Mehr Follower. Und die Veränderung ist enorm.

Schon nach einer Woche habe ich fast so viele Follower hinzugewonnen wie ich zuvor überhaupt hatte. Dass das so schnell geht, hätte ich nie gedacht. Ich habe das Gefühl, ich bin auf einem guten Weg und habe Spaß daran, zu sehen, wie die Zahlen steigen und steigen.

Eine gute halbe Stunde investiere ich am Tag in Instagram, sehe stetigen Erfolg und lerne meine Follower kennen. Besonders gefragt sind meine Beiträge in Asien und den USA.

„Und was dann passiert, hätte ich mir nie erträumen lassen.“
Redakteur Mario Bartlewski

Also achte ich bei meinen Beiträgen immer mehr auf die Uhrzeit, zu der ich sie veröffentliche - wegen der Zeitverschiebung: Wann ist die Chance am größten, dass sie angeschaut werden, bevor sie in der großen Masse untergehen? Für mich war es der späte Nachmittag oder abends.

Meine Lernkurve steigt und damit auch die Zahl der Leute, die ich erreiche. Mein größtes Erfolgsrezept: Nutzer mit ähnlichem Thema und ähnlicher Reichweite finden und mich auf die Jagd nach ihren Followern machen.

Immer wieder gehe ich also Hunderte Nutzer in diesen Listen durch, like ihre Beiträge und scrolle weiter.

Und was dann passiert, hätte ich mir nie erträumen lassen. Eine erste Werbeanfrage, die mich erreicht. Zwar für wahnsinnig hässliche und kitschige Armbänder mit einem Elefantenanhänger - aber immerhin! Ich scheine aufzufallen.

Millionen von Euros verdienen Stars mit einem einzelnen Instagram-Beitrag. Und auch Joris Wagner aus Werne bekommt für ein 15-sekündiges Video 75 Euro. Klingt gar nicht mal so verkehrt.

Ab 1000 Followern hat mich der Ehrgeiz erst richtig gepackt

Ich habe das Werbeangebot dankend abgelehnt - und trotzdem viele Erfahrungen bei meinem Experiment gewonnen. 1615 Follower waren es nach 100 Tagen. Mein erfolgreichster Beitrag hatte sogar fast 300 Gefällt-mir-Angaben. Zahlen, mit denen ich vor dem Start niemals gerechnet hätte.

Bei 200 dachte ich schon „wow“, bei 500 „Ich bin gespannt, ob es so weiter geht“ und ab 1000 Followern hat mich der Ehrgeiz erst richtig gepackt.

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„Das sieht auf jeden Fall nicht schlecht aus“, resümiert Influencer Joris Wagner. Er lobt das Design, die Fotos und die genutzten Hashtags. „Guck, ob du vielleicht einen Shoutout bekommst“, gibt mir Wagner mit auf den Weg.

Damit meint er, dass ein größerer Account mich vorstellen könnte. Auch bezahlte Posts für mehr Reichweite würden helfen - doch auf jeglichen Geldeinsatz habe ich absichtlich verzichtet. Und das Ergebnis lässt sich trotzdem sehen.

Mein Fazit zu 100 Tagen Instagram:

100 Tage Instagram, unzählige Stunden Arbeit und 1615 Leute, denen gefällt, was ich veröffentlicht habe. Mein Einsatz hat sich gelohnt. So eine Zahl habe ich mir vorher nicht ausmalen können. 500 bis 600 wären ganz nett gewesen, 1000 richtig spitze. Aber mehr als 1600 Follower: unglaublich!

Doch mein Selbstversuch zeigt auch: Ausruhen kann ich mich - wenn mein Account weiter wachsen soll - nicht. Zwei Wochen habe ich zwischendurch mein Handy im Urlaub nicht genutzt. Statt weiterhin neue Follower zu bekommen, machte ich sogar Verluste.

Der Aufwand ist also groß, die Belohnung im besten Fall aber auch. Luft hätte ich noch nach oben gehabt. Doch für Erfolg muss man hartnäckig und diszipliniert bleiben. Ob ich das könnte? Ich glaube nicht. Dafür müsste ich zu viele Abstriche abseits von Instagram machen!

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