Mittlerweile sind 84 Prozent des Personals im St.-Christophorus Krankenhauses in Werne geimpft. Zum Teil bekamen die Mitarbeiter Biontech/Pfizer injiziert, zum Teil den in die Kritik geratenen Impfstoff Astrazeneca. Die Auswirkungen für die Geimpften waren aber ähnlich. © Ludger Risse (A)
Impfung in Werne

Impfung mit Biontech oder Astrazeneca: Krankenhaus-Mitarbeiter in Werne zeigen ähnliche Reaktionen

Nun setzt auch Deutschland das Impfen mit Astrazeneca aus. Im St.-Christophorus-Krankenhaus in Werne wurden Mitarbeiter mit Astrazeneca und Biontech geimpft. Die Reaktionen fielen ähnlich aus.

Immer mehr Länder entscheiden sich gegen das Impfen mit Astrazeneca: Nun hat auch Deutschland am Montag (15. März) die Impfungen mit dem Vakzin des britisch-schwedischen Pharmakonzerns gestoppt. Das ist die Reaktion auf mögliche Nebenwirkungen des Impfstoffes. In Werne wurden die Mitarbeiter des St.-Christophorus-Krankenhauses sowohl mit Biontech/Pfizer als auch mit Astrazeneca geimpft.

Dabei hielten sich die Impfreaktionen in Grenzen. Dabei war es unerheblich, welcher Impfstoff injiziert wurde, wie Standortleiter Ludger Risse erklärt. „Was die Impfreaktionen angeht, gab es keine signifikanten Unterschiede.“ Es blieb bei typischen Impfreaktionen.

Einige Mitarbeiter am Christophorus-Krankenhaus in Werne fielen aus

So hätten vereinzelt Mitarbeiter über eine kurzfristige Temperaturerhöhung oder Abgeschlagenheit geklagt. Wenige Mitarbeiter hätten für einen Tag oder zwei Tage nach der Impfung aussetzen müssen. Ob die Impfung mit Biontech/Pfizer oder Astrazeneca erfolgte, machte dabei keinen Unterschied aus.

Eine unterschiedliche Beobachtung machte Standortleiter Ludger Risse dennoch in den beiden verschiedenen Impfstoffen aus: „Bei Biontech waren die Impfreaktionen bei der zweiten Verabreichung stärker. Es kann daran liegen, dass der Körper schon sensibilisiert ist und deshalb heftiger reagiert. Die Impfreaktionen waren ähnlich stark wie bei der ersten Verabreichung mit Astrazeneca.“

Auch bei dem in die Kritik geratenen britisch-schwedischem Vakzin müsse man schauen, ob die zweite Verabreichung stärkere Reaktionen bei den Geimpften auslöse. Im Mai sollten die Mitarbeiter eigentlich die zweite Dosis von Astrazeneca bekommen, erklärt Risse. Ob diese nun ausgesetzt oder verschoben werden muss, ist noch unklar. Insgesamt habe es im Klinikum bereits 747 Impfungen gegeben, wobei die zweite Verabreichung von Biontech schon einberechnet ist. 209 Mitarbeiter hätten die erste Dosis von Astrazeneca bekommen.

Bisher hätten sich keine dieser Mitarbeiter gegen die zweite Dosis des Impfstoffes ausgesprochen. Allerdings werde sich die Unsicherheit nun wohl wieder erhöhen, glaubt Ludger Risse, nachdem die Bundesregierung das Impfen mit dem Vakzin aussetzt.

Auch bei der ersten Verabreichung habe es Vorbehalte gegeben, erzählt Risse. Allerdings hätte man diese schnell ausräumen können bei dem Verweis auf die Fach-Publikationen wie etwa der Empfehlung und Einordnung des Robert-Koch-Instituts oder des Paul-Ehrlich-Instituts. Letzteres hat nun den Stopp für Astrazeneca empfohlen. „Auch wenn ich die genauen Gründe noch nicht kenne, kommt die Bundesregierung an der Empfehlung nicht vorbei. Ich sehe allerdings bisher kein erhöhtes Risiko als bei einer Antibabypille“, sagt Risse zu der Hauptkritik, dass das Vakzin Thrombose verursachen könnte.

„Geschwindigkeit des Impfen macht mir Sorgen“

Das Risiko einer Thrombose sei bei dem Impfen mit Astrazeneca nicht höher als bei Personen, die sich gar nicht impfen lassen, erklärt Ludger Risse zu den Berichten über Nebenwirkungen. „Das Auftreten von Thrombosen ist immer möglich. So ist das zum Beispiel bei hormonellen Präparaten.“ Der Standortleiter des Christophorus-Krankenhauses kann die Kritik und Sorge beim Impfen mit Astrazeneca bisher nicht teilen.

„Was mir beim Impfen Sorgen macht, ist die Geschwindigkeit, mit der wir impfen. Wir müssten da viel mehr Dampf herein bekommen“, sagt Ludger Risse, der auch stellvertretender Vorsitzender des Errichtungssausschusses der Pflegekammer NRW ist. Für das Vakzin Astrazeneca würde auch sprechen, dass es sehr gut vor der gefährlichen britischen Virus-Variante schützen kann.

Nachdem Berichte aus Norwegen über vier Fälle schwerer Blutgerinnsel nach der Impfung mit Astrazeneca bekannt wurden, hatten unter anderem bereits Italien und die Niederlande die Verabreichung mit dem Impfstoff gestoppt. Astrazeneca selbst wies Zweifel an der Sicherheit seines Impfstoffes zurück. Dennoch hat die Bundesregierung sich ebenfalls dazu entschieden, das Impfen mit dem Vakzin vorerst zu stoppen. Ob die 209 Mitarbeiter des Christophorus-Krankenhauses nun wie geplant im Mai die zweite Dosis Astrazeneca bekommen können, konnte Standortleiter Ludger Risse am Montag nicht beantworten. Aktuell seien 84 Prozent des gesamten Personals geimpft.

Impfungen in Lindertturnhalle entfallen

  • Die für kommenden Freitag (19. März) geplanten Impfungen mit Astrazeneca für Mitarbeiter aus Kitas, Grundschulen und Jugendeinrichtungen entfallen. Man habe die Träger darüber informiert, wie Alexander Ruhe, Jugenddezernent der Stadt, erklärt. Kurz darauf gab es auch die Bestätigung vom zuständigen Gesundheitsamt des Kreises.
  • Die Impfungen, die im Impfzentrum in der Lindertturnhalle in Werne vorgesehen waren, müssen auf zunächst unbestimmte Zeit verschoben werden. Etwa 280 Mitarbeiter aus dem Jugendbereich sollten hier eigentlich ihre erste Dosis Astrazeneca bekommen.
Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek

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