Insgesamt vier Impfstraßen gibt es in der Lindert-Turnhalle. Die Abstände sind mit Markierungen auf dem Boden gekennzeichnet. © Viktoria Michelt
Coronavirus

Impfstart für Kita-Personal und Lehrer in Werne: „Wir kriegen das hin“

Wer am Freitag in die Lindert-Turnhalle kam, der hatte einen speziellen Grund: die Coronaimpfung. Am Ende des Tages hatte Werne knapp 360 Geimpfte mehr. Auch Dank der guten Organisation.

Es ist ruhig und organisiert in der Dreifachturnhalle am Schulzentrum Werne. Jede und jeder kennt den eigenen Platz, weiß, was er oder sie zu tun hat. Schilder und Markierungen sind überall angebracht, auf Abstände wird penibel geachtet. Um Punkt 14 Uhr füllt sich die Halle mit Lehrerinnen und Lehrern, Kitapersonal, Jugendbetreuerinnen und -betreuern sowie anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Jugendbereich. Alle nacheinander, im Vier-Minuten-Takt.

Eine von ihnen ist Annette Bäter. Sie ist Lehrerin an der Kardinal-von-Galen-Schule und eine der ersten, die am Freitag in Werne geimpft wird. Für sie geht es wie für alle erst einmal zum Empfang, an dem ihre Unterlagen überprüft und ihr Name mit der Anmeldeliste abgeglichen wird. Alle haben schon vorab eine Einwilligungserklärung bekommen, zusätzlich musste ein Anamnesebogen ausgefüllt werden.

Vier Impfstraßen sorgen für Organisation

Danach folgen die Impfstraßen. Vier Stück – von A bis D – gibt es in der Lindert-Turnhalle. Dort werden anfangs nochmal die Daten geprüft und digital erfasst. Schließlich müssen die später an das Robert-Koch-Institut übermittelt werden. Im Anschluss geht es für Annette Bäter dann in den Wartebereich. Hier ist der organisatorische Teil erledigt und es folgt der medizinische Bereich.

„Meine Gefühle sind zwiegespalten“, erzählt sie. Sie sei froh, dass sie endlich geimpft werde, habe aber natürlich auch die aktuelle Nachrichtenlage und die Unsicherheiten mit dem Impfstoff AstraZeneca und den Nebenwirkungen verfolgt. Wie ihr geht es vielen am Freitagnachmittag.

Dr. Stefanie Klein hat die Impfungen in Werne mitorganisiert. Vor jeder Impfung gibt es ein kurzes Aufklärungsgespräch, in dem letzte Fragen beantwortet werden können.
Dr. Stefanie Klein hat die Impfungen in Werne mitorganisiert. Vor jeder Impfung gibt es ein kurzes Aufklärungsgespräch, in dem letzte Fragen beantwortet werden können. © Viktoria Michelt © Viktoria Michelt

Aber Dr. Stefanie Klein kann beruhigen. Sie hat schon Bewohnerinnen und Bewohner in Altenheimen gegen Corona geimpft und erklärt: „Auch dieser Impfstoff ist sicher und ich hätte lieber zwei Tage Kopfschmerzen, als eine Corona-Infektion, die viel schwerwiegender ist.“ Außerdem habe man auch bei anderen Impfungen Nebenwirkungen, dies sei nichts Ungewöhnliches. „Es ist mir ein Anliegen, dass alle, die eine Impfung brauchen, diese auch bekommen“, sagt die Ärztin.

Sehr guter Schutz vor sehr schweren Verläufen

Schon vier bis fünf Wochen nach der ersten Impfdosis AstraZeneca haben Geimpfte laut neuster Studien einen 94-prozentigen Schutz vor einem sehr schweren Verlauf der Krankheit. Für einen umfangreichen Schutz vor dem Coronavirus braucht es bei AstraZeneca zwei Impfdosen im Abstand von acht bis zwölf Wochen.

15 Minuten müssen alle nach der Impfung noch in der Turnhalle warten – falls Nebenwirkungen auftreten. Dann können sie gehen. Daran gedacht, den Impftermin abzusagen, haben die wenigsten. Schließlich sind alle Impfberechtigten bei ihrer Arbeit mit kleinen Kindern einem erhöhten Risiko ausgesetzt. Auch deswegen sind Erzieherinnen, Lehrer und Co. nach den neusten Beschlüssen in die zweite Impfgruppe aufgestiegen.

Mehr Sicherheit bei der Arbeit

„Das gibt einem bei der Arbeit ein sicheres Gefühl“, bestätigt unter anderem Eleonore Neumann, die Rektorin der Uhlandschule. Dort lassen sich fast alle Beschäftigten impfen. Anna Lena Schwarz von der Kita Am Familiennetz ist froh, dass sie vorgezogen wurde: „Man muss immer noch vorsichtig sein, aber wir können wieder normaler arbeiten.“ Auch Annette Bäter hat keine Sekunde überlegt, sich impfen zu lassen: „Ich bin froh, dass es so schnell geht und dass ich auch nicht in das Impfzentrum nach Unna muss.“

Annette Bäter hat keine Angst vor den Nebenwirkungen des Impfstoffs AstraZeneca und ist froh, dass sie sich impfen lassen kann.
Annette Bäter hat keine Angst vor den Nebenwirkungen des Impfstoffs AstraZeneca und ist froh, dass sie sich impfen lassen kann. © Viktoria Michelt © Viktoria Michelt

Dass die Impfungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Jugendbereich tatsächlich in Werne stattfindet, hat auch Schul- und Jugenddezernent Alexander Ruhe kurzfristig erfahren. Am Sonntagnachmittag (7. März) habe er den Anruf erhalten – gerade einmal fünf Tage vor dem Tag der Impfung.

Organisatorischer Aufwand ist groß

„Das war natürlich schon eine große Herausforderung“, erzählt er. Er habe dann umgehend die Einrichtungen in Werne informiert. Am Dienstagvormittag musste der Impfstoff bestellt werden – und bis dahin brauchte er die Rückmeldung, wer sich impfen lassen möchte.

Außerdem brauchte es einen Ort für die Impfungen. Schnell war klar, dass die Dreifachturnhalle perfekt für dafür ist: Hier können Abstände eingehalten werden. Auch Helferinnen und Helfer fanden sich schnell – sogar mehr als eigentlich Bedarf war. Sie alle wurden vor Beginn auf das Coronavirus getestet.

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So lief das Impfen in der Lindert-Turnhalle Werne

Auch vor Impfbeginn lief in Werne alles rund. „Ich muss sagen, das hat sehr professionell geklappt“, erzählt Ruhe von der Abstimmung mit der Polizei bei der Lieferung des Impfstoffes und von den Kontrollen, dass Kühlketten eingehalten werden. Im Schnitt wurde dann jede Minute eine Person geimpft. Sechs Stunden lang durchgehend – bis 20 Uhr. Insgesamt hatten sich 360 Impfberechtigte angemeldet.

Jugenddezernent: „Wir kriegen das hin“

Alexander Ruhe zieht eine positive Bilanz. Viele seien froh, dass es so schnell geht und dass sich die Stadt kümmere. „Man sieht: Wir kriegen das hin.“ Durch die Erfahrungen, die er und sein Team jetzt sammeln, könnte er sich vorstellen, auch Lehrerinnen und Lehrer der weiterführenden Schulen zu impfen – wenn die an der Reihe sind. „Wir wollen hier aber kein Impfzentrum werden, schließlich ist das eine Turnhalle“, betont er. Am Samstagmorgen sei wieder alles abgebaut.

„Es ist ein sehr gutes Gefühl, wenn man sich das hier jetzt anschaut“, erzählt Ruhe weiter. „Wir impfen hier die, die aus meiner Sicht schützenswert sind und das ist was Gutes.“ Am kommenden Freitag soll es dann mit den Impfungen weitergehen – aktuell stehen 280 Personen auf der Liste.

Über die Autorin
freie Mitarbeiterin
Ich liebe es, auch die unscheinbarsten Geschichten zum Leben zu erwecken – deswegen studiere ich Journalistik an der TU Dortmund und bin begeisterte Lokalreporterin, immer einer interessanten Geschichte auf der Spur.
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Viktoria Michelt

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