Gemeinde St. Christophorus in Werne positioniert sich gegen Vatikan

Segnung

Mit einer Aussage zur Segnung homosexueller Paare sorgte die Glaubenskongregation im Vatikan für Aufsehen. Die Gemeinde St. Christophorus in Werne setzt nun ein besonderes Zeichen.

von Pascal Löchte, dpa

Werne

, 21.03.2021, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Mitglieder des Pfarrfensterteams stellten in den Kirchen die Strahler auf: Küster Marco Hüsing, Pfarrdechant Jürgen Schäfer, Pastoralreferent Robert Pawlitzek und Pfarreiratsmitglied Benedikt Rottmann (v.l.n.r.).

Die Mitglieder des Pfarrfensterteams stellten in den Kirchen die Strahler auf: Küster Marco Hüsing, Pfarrdechant Jürgen Schäfer, Pastoralreferent Robert Pawlitzek und Pfarreiratsmitglied Benedikt Rottmann (v.l.n.r.). © Gemeinde St. Christophorus

Die Gemeinde St. Christophorus in Werne setzt ein buntes Zeichen: Während der nächsten Abende sollen unter anderem die Fenster des Kirchturmes der Kirche St. Christophorus in bunten Farben erleuchten. Damit reagiert die Gemeinde auf die Entscheidung der Glaubenskongregation im Vatikan nach der homosexuelle Paare nicht gesegnet werden können.

Die Idee für die Aktion hatte der Öffentlichkeitsausschuss „Pfarrfenster“. Man wolle jeweils einen LED-Strahler mit Farbwechsler in jedes Fenster stellen. „Der Pfarreirat unterstützt diese Aktion mehrheitlich ausdrücklich”, erklärt Marianne Schäper-Mürmann, Vorsitzende des Pfarreirates der Gemeinde. Die Kirchen werden von nun an ab Einbruch der Dämmerung erleuchtet werden, sodass sich ein buntes Bild ergeben werde. Sowohl am Palmsonntag als auch ab Gründonnerstag soll dann die jeweilige liturgische Farbe des Tages zu sehen sein.

„Unsere Pfarrgemeinde St. Christophorus ist bunt und möchte das auch zeigen. Es kann nicht sein, dass über jedes Auto, jede Großfabrik, über Wohnungen, Rosenkränze und Tiere ein Segen gesprochen werden kann, aber die Liebe zwischen zwei Menschen der LGBTQIA (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer, Intersexual and Asexual) ungesegnet bleiben muss“, heißt es seitens der Gemeinde. Pfarrdechant Jürgen Schäfer fügt hinzu: „Unser seelsorglicher Auftrag gilt allen Menschen ohne Unterschied in dieser Stadt.“

Entscheidung der Kirche sei angeblich keine Diskriminierung

Die Glaubenskongregation im Vatikan hatte am Montag, 15. März, mitgeteilt, dass die katholische Kirche nach eigener Einschätzung nicht befugt sei, homosexuelle Paare zu segnen. Die Glaubenskongregation wies darauf hin, dass sich ihre Erklärung auf „die Wahrheit des liturgischen Ritus“ bezieht und keine Diskriminierung ist oder sein soll. Außerdem könne einzelnen Menschen mit homosexuellen Neigungen der Segen durchaus gespendet werden. Unzulässig sei laut Aussage der Kirche aber jede Segnungsform, die eine homosexuelle Partnerschaft anerkennt. Die christliche Gemeinde sei dazu aufgerufen, Menschen mit homosexuellen Neigungen zu respektieren.

Hierzulande fordert unter anderem das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), Liebesbeziehungen von Homosexuellen zu segnen. In der evangelischen Kirche sind solche Segnungen schon weit verbreitet, vielerorts gibt es auch kirchliche Trauungen für Homosexuelle.

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