Beim Homeschooling hapert‘s: Nicht selten fehlt die richtige Ausstattung

dzSchulen in Werne

Über das Homeschooling-Modell lässt sich munter streiten. Auch wenn es um die Technik geht. Ein Werner Schulleiter warnt: Ohne die nötigen Endgeräte werde man in Zukunft fünf Sechstel der Schülerschaft abhängen.

Werne

, 12.06.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

An dem Konzept des Homeschoolings scheiden sich derzeit die Geister - wobei das Lager der Kritiker deutlich größer zu sein scheint als das der Befürworter. Klar ist: Es stellt Schüler, Eltern und Lehrkräfte durchaus vor Herausforderungen - auch wenn es um die Technik geht. Das Bild des Lehrers, der seine Schüler per Video-Stream unterrichtet und sie per App Aufgaben bearbeiten lässt, ist längst keine Zukunftsmusik mehr, sondern gelebte Praxis. Aber was ist, wenn die Ressourcen überhaupt nicht ausreichen, um wirklich alle Schüler zu erreichen?

Auf diese Problematik machte Hubertus Steiner, Leiter der Marga-Spiegel-Sekundarschule (MSS) in Werne, in der jüngsten Sitzung des Schulausschusses aufmerksam. Grundsätzlich sei man an der MSS mit Blick auf die schuleigene Ausstattung zwar gut aufgestellt, um „den Unterricht auf Distanz digital zu bewältigen“. Allerdings erreiche man die Abnehmer - also die Schüler - nicht ausreichend.

Umfrage-Ergebnis bereitet Schulleitung große Sorgen

Das ergab eine schulinterne Umfrage. Beim Homeschooling in digitaler Form konnten demnach nur 14,7 Prozent der Schüler einen PC sowie 9,4 Prozent ein Tablet und 17,1 Prozent ein Smartphone nutzen. Das heißt: Nur jeder sechste Schüler konnte das digitale Bildungsangebot wahrnehmen.

Die Kontaktaufnahme von Lehrern zu Schülern sei in den meisten Fällen per Videokonferenz erfolgt (26,2 Prozent) sowie über das Endgerät der Eltern (21,1 Prozent). Einen Chat nutzten 18,5 Prozent der Schüler, E-Mails hingegen 13,8 Prozent. Und während immerhin noch 8,9 Prozent das Telefon und 5,1 Prozent eine Lernplattform nutzten, habe in 5,4 Prozent der Fälle gar keine Kommunikation stattgefunden.

Beim Homeschooling hapert‘s: Nicht selten fehlt die richtige Ausstattung
„Für zukünftiges Homeschooling ist es unabdingbar, dass alle Schüler über ein Endgerät verfügen.“
Hubertus Steiner

Steiner ist sicher: „Für zukünftiges Homeschooling ist es unabdingbar, dass alle Schüler über ein Endgerät verfügen, sonst hängen wir fünf Sechstel der Schülerschaft ab.“ Auf den städtischen Haushalt kann die Sekundarschule diesbezüglich allerdings kaum bauen, wie Schuldezernent Alexander Ruhe betonte. Um alle Schüler mit einem eigenen Endgerät auszustatten, müsste die Stadt laut Ruhe 500.000 in die Hand nehmen: „Und das können wir nicht stemmen.“

Man sei sich auf Seiten der Stadt zwar der Problematik bewusst und müsse eine Lösung finden - allerdings ginge das nur mit Unterstützung von Bund und Land. Zwar fehlt es der Stadt keineswegs an Fördermitteln für die Digitalisierung an Schulen, doch fließen die in den nächsten Jahren nicht in Endgeräte. So sieht es der Medienentwicklungsplan für die kommenden fünf bis sechs Jahre vor.

Beratungsbüro über Werner Schulen: Keiner fängt bei null an

Erarbeitet hat ihn das Beratungsbüro Thomaßen Consult aus Köln in Abstimmung mit den Schulen. Und das bewertet den aktuellen Stand in Werne zusammengefasst in etwa so: An Know-How mangelt es den Schulen nicht, sie sind hinsichtlich ihrer digitalen Kompetenz sogar recht weit. Die Ausstattung ist ganz in Ordnung - niemand „fängt bei null an“. Was fehlt, ist die „Autobahn“, heißt: die Breitbandversorgung und ein flächendeckendes W-Lan.

Die von dem Beratungsbüro erarbeiteten Ausstattungsregeln - tatsächlich handelt es sich dabei eher um Empfehlungen als um strikte Vorgaben - bedeuten Ausgaben von insgesamt fast 2,4 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren. Etwa ein Drittel davon wird aus dem „DigitalPakt Schule“ finanziert.

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Den mit 1,4 Millionen Euro größten Kostenpunkt stellt neu anzuschaffende Hardware dar, wobei es sich hierbei vor allem um Präsentationstechnik handelt und weniger um Tablets und Co.. Für Wartung und Support sind knapp 350.000 Euro einkalkuliert. 268.000 Euro sollen zudem in die Netzwerktechnik fließen. Davon könnten auch die Homeschooling-Akteure profitieren - allerdings nur bedingt diejenigen, die am anderen Ende der Leitung sitzen und die man aktuell kaum erreicht.

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