Vom Sprengapparat „Rekord“ und einer überteuerten Pferdewalze

dzGeschichte des Straßenbaus

Der Straßenbau in Werne im 20. Jahrhundert: Warum eine Pferdewalze, deren Kauf heute wohl einen Shitstorm auslösen würde, schnell durch den Kaltasphalt-Sprengapparat „Rekord“ ersetzt wurde.

Werne

, 24.08.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Heutzutage wäre diese Fehlinvestition wahrscheinlich ein großes Thema in den Zeitungen, geschweige denn sozialen Netzwerken. „600 Mark für eine kaputte Pferdewalze? #steuerverschwendung.“ So oder so ähnlich könnte ein Kommentar bei Twitter lauten.

1924 mussten sich die Verantwortlichen darüber noch keine Gedanken machen. Damals lieh sich Werne zum Straßenausbau eine Pferdewalze vom Kreis Lüdinghausen aus. Kurze Zeit später wurde sie für 10 Pfennig pro Kilogramm gekauft. „Das war viel zu viel, aber die Verantwortlichen hatten es eilig“, erklärt Susanne Maetzke.

Eine Seite aus der Akte, auf der einige Daten zum Kaltasphalt-Sprengapparat „Rekord“ stehen.

Eine Seite aus der Akte, auf der einige Daten zum Kaltasphalt-Sprengapparat „Rekord“ stehen. © Tobias Larisch

Diese und andere spannende Details zur Geschichte der Verkehrstechnik aus der Zeit der Weimarer Republik in Werne fielen der Archivarin und Historikerin des Stadtarchivs Werne bei der Sichtung einer preußischen Straßenbauakte auf.

16 Zentimeter dicke Akte

Im Rahmen von Aufräumarbeiten tauchte die 16 Zentimeter dicke Akte mit der prägnanten Bezeichnung „Bau und Unterhaltung von Chausseen, Wegen und Interessentenwegen“ auf. Sie enthält Dokumente aus der Zeit von 1924 bis 1932.

„Normalerweise setze ich mich nicht sofort begeistert daran. Eigentlich ist der Straßenbau ein dröges Thema“, sagt Maetzke. „Aber ich war überrascht, wie spannend es diesmal war.“

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Zurück zur Fehlinvestition Pferdewalze: Die war nämlich schon zwei Jahre nach dem Kauf nicht mehr interessant und wurde von Dampfwalzen ersetzt. Das Nachfolgemodell trug den klangvollen Namen „Kaltasphalt-Sprengapparat ‘Rekord‘“ – man könnte auch sagen: Teermaschine. „Das war damals ein großer Sprung“, sagt die Archivarin.

Zusammenfassend lasse sich sagen, dass der Straßenbau zu der Zeit keine große Rolle gespielt habe. „Mobilität war kein Schlagwort. Die war gering, aber für die Beschaffung von Gütern war vor allem für Züge ein gutes Netz vorhanden.“ Der Verkehr habe sich besonders auf die Bahn, Post und Schiffe konzentriert.

Eine Karte von Lünen und Umgebung aus dem Jahr 1892. Im Nordosten (der „schwarze Fleck“) liegt Werne.

Eine Karte von Lünen und Umgebung aus dem Jahr 1892. Im Nordosten (der „schwarze Fleck“) liegt Werne. © Tobias Larisch

Werne habe aber relativ früh gemerkt, dass die Stadt im Straßenbau aktiv werden müsse. Ab 1920 setzte die Tätigkeit der Kommune in diesem Bereich an. Der Unterhalt der Straßen war zu der Zeit das Dauerproblem. Schlaglöcher wurden damals mit Zechenschlacke aufgefüllt.

„Durch die Zeche hatte Werne einen großen Vorteil. Die war maßgeblich für die Weiterentwicklung der Stadt verantwortlich“, sagt Maetzke, die alles in allem ein bis zwei Tage für die Sichtung einer Akte brauche.

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Dabei fand sie ein aktuelles Problem, das schon damals auftrat: Stau. Allerdings gab es 1927 noch keine Navis oder Handys, die die nächste Umleitung anzeigen konnten. Also wie wurde das Problem gelöst? Es gab eine „Straßensperrkarte“, die an die Polizei verschickt wurde, um den Verkehr zu steuern.

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