Christian Schneider zeigt auf die Stelle an der Freiherr-vom-Stein-Straße in Werne, wo eine hilflose Person lag. Passanten sind zuvor achtlos vorbeigegangen. © Jörg Heckenkamp
Unterlassene Hilfeleistung

Hilflose Person in Werne: Jogger ist entsetzt über Gleichgültigkeit von Passanten

Eine Person liegt regungslos auf einem Bürgersteig in Werne. Von weitem sieht Jogger Christian Schneider, wie Passanten achtlos an dem Hilfebedürftigen vorbeigehen. Er ist entsetzt.

Christian Schneider aus Werne geht regelmäßig joggen. Bei seinem Lauf am Montagabend, 1. Februar, sieht er von weitem, dass jemand regungslos auf dem Bürgersteig liegt. Er beobachtet auch, dass Passanten achtlos an der hilflosen Person vorübergehen. Das entsetzt den 62-Jährigen: „Jeder ist verpflichtet, in so einem Fall zu helfen. Und es ist doch ganz einfach.“

Schneider hat denn auch geholfen und den Notruf 112 gewählt. Die Zentrale bat ihn, so lange am Einsatzort zu bleiben, bis die Rettungssanitäter eintreffen. Schneider: „Die waren ganz schnell da. Das hat keine fünf Minuten gedauert.“ Für ihn ist es unverständlich, dass Passanten an der hilflosen Person einfach vorbeigehen und sie ihrem Schicksal überlassen.

Die hilflose Person war stark alkoholisiert und „sicherlich kein Sympathieträger“, sagt Christian Schneider. Hilfe war für ihn dennoch selbstverständlich.
Die hilflose Person war stark alkoholisiert und „sicherlich kein Sympathieträger“, sagt Christian Schneider. Hilfe war für ihn dennoch selbstverständlich. © Jörg Heckenkamp © Jörg Heckenkamp

Die Szene spielte sich Montagabend gegen 18.45 Uhr ab. Es war dunkel und mit drei Grad ziemlich kalt. Der Frührentner aus Werne war auf seiner üblichen, rund fünf Kilometer langen Jogging-Runde unterwegs. Aus Richtung Hansaring kommend wollte er über die Freiherr-vom-Stein-Straße Richtung Saline, „wo ich immer ein paar Zirkeltraining-Übungen mache“.

Als er sich der Kreuzung Kamener Straße/Freiherr-vom-Stein-Straße näherte, sah er etwas auf dem Bürgersteig. „Ich dachte erst, es wäre ein Mantel oder ein Kleiderbündel“, berichtet Schneider. Zugleich sah er, dass Menschen an diesem „Bündel“ einfach vorbeigingen.

Per Handy die Rettungszentrale angerufen

Als der 62-Jährige in Höhe des vermeintlichen Kleidungshaufens war, sah er, dass es sich um eine regungslose Person handelte. Er reagierte sofort und rief per Handy die Rettungszentrale unter 112 an. „Die fragten mich, wo ich gerade wäre. Ich war etwas aufgeregt und wusste es daher nicht sofort. Aber die Leitstelle hatte wohl mein Handy geortet und wusste so, an welcher Stelle ich war.“

Christian Schneider verzichtete aus Corona-Schutzgründen darauf, die Person anzufassen. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen stark alkoholisierten Menschen handelte, dem Schneider bereits schon einmal vor längerer Zeit geholfen hat. „Klar, so ein schwer Betrunkener ist nicht gerade ein Sympathieträger. Aber dennoch hat man die Pflicht, ihm zu helfen.“

Schneider will „niemanden anprangern, sondern nur dafür sensibilisieren, anderen zu helfen“. Einerseits sei das ansonsten unterlassene Hilfeleistung, andererseits „stelle ich mir vor, ich erleide einen Herzanfall, liege hier und niemand hilft mir“.

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Jörg Heckenkamp

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