Der selbstständige Gutachter Christoph von Winterfeld war aus Hamburg angereist, um dem Jugendausschuss seine Zwischenergebnisse zum Spielplatz-Entwicklungsplan vorzustellen. © Spiller
Spielplätze in Werne

Gutachter zu Spielflächen in Werne: „Die Jugend in Werne hat keine Lobby“

Die Stadt wollte wissen, wie sie in Sachen Spielplätze aufgestellt ist. Das Zwischenergebnis des beauftragten Gutachters aus Hamburg sorgte für Erstaunen, dann aber auch für Einsicht.

Es war eine Aussage, die am Donnerstagabend (9. September) im Jugendausschuss für reichlich erstaunte Gesichter gesorgt hat. „Wir haben den Eindruck, dass die Jugend in Werne keine Lobby hat“, sagte Christoph von Winterfeld, den die Stadt Werne als selbstständigen Schulbauberater aus Hamburg damit beauftragt hatte, den ersten Teil der Spielplatz-Entwicklungsplanung umzusetzen. Und der bestand daraus, die bestehenden Flächen zu analysieren.

Sein Zwischenergebnis: Es scheine eine schwierige Zeit zu sein, in der Jugendliche Erwachsene werden, ihnen auch noch Räume in Werne zur Verfügung zu stellen. „Ihre Bevölkerungsstruktur ist nicht dafür geeignet, an Jugendlichen interessiert zu sein. Von außen betrachtet sind Sie eher eine überalterte Gesellschaft.“ Auch er sei vor seinem eigenen Haus eher geräuschempfindlich als anderswo, so Winterfeld. Und die Lautstärke der Jugendlichen scheine in Werne keinen Platz zu haben.

Spielplätzen wurde vor Jahrzehnten wenig Bedeutung beigemessen

„Die richtige Musik ist die Beteiligung der Nutzer, der Menschen, was sie wollen. Die Bewertung sollte nicht von uns erfolgen, sondern von den Bürgern selbst, sodass man da auftauchen und sich beteiligen kann“, so Winterfeld weiter.

Rolf Weißner von der CDU räumte ein: „Die Räume fehlen, das ist uns bewusst.“ Mit dem Skaterplatz habe man angefangen, einen Raum für die Jugendlichen zu schaffen. Aber diese wollten natürlich im Geschehen drin sein und nicht auf einem Platz am Rande der Stadt zusammenkommen.

Auch der Ausschussvorsitzende Benedikt Striepens (Grüne) war anfangs sichtlich überrascht von diesem Zwischenergebnis („Das wollen wir nicht so stehen lassen, dass die keine Lobby haben“), erklärte aber später, dass man damals insbesondere die Spielplätze dahin gebaut habe, wo die Grundstückspreise „bloß nicht“ hoch gewesen seien.

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Winterfeld plädierte vor allem dafür, verschiedenen Generationen auf Spielflächen Platz zu bieten. „Muss das separat sein?“. Demokratie finde an den banalsten Orten statt, an denen man sich begegnen könne. „Nutzen Sie die Chance, die Gesellschaft an solchen Orten zusammenzuführen.“

Bürgermeister Lothar Christ, der wegen der derzeitigen Vakanz der Jugendamtsleiterstelle durch die einjährige Elternzeit von Maik Rolefs als Stellvertreter bis zur Wiederbesetzung fungiert, sagte: „Wir sind total dankbar. Wir sind zum ersten Mal an die Spielplatzbedarfsplanung herangegangen.“ Einen Gutachter dafür zu beauftragen, sei der richtige Weg gewesen. Und weiter: „Wir beauftragen das nicht, damit herauskommt, das alles gut ist, sondern, um neue Erkenntnisse zu bekommen.“

Gutachter und CDU für Spielplatzpatenschaften

Ebenso habe er erstaunt zur Kenntnis genommen, dass Werne eher zu wenige als zu viele Spielplätze habe. Rechnet man zu den reinen Spielplätzen noch alle Sportflächen und ähnliche Flächen, fehlten Werne 9000 Quadratmeter Spielplatzfläche. Geht man nur von den Spielplätzen aus, sind es sogar 23.000.

Dazu hatte von Winterfeld die Spielplätze der gesamten Stadt untersucht und auch, wie gut diese für Kinder und Jugendliche zu Fuß erreichbar sind. Konkrete Handlungsempfehlungen konnte der Gutachter noch nicht geben, da dieser zweite Schritt der Beauftragung noch nicht erfolgt sei. Allerdings riet er: „Verhalten Sie sich wie die katholische Kirche: ‚Wir verkaufen keine Flächen, wir verpacken sie im Eigentum.‘ Wenn Sie Flächen derzeit nicht brauchen, dann halten Sie die Flächen lieber vor, weil sich die Gesellschaftsstruktur verändert.“

Auch riet er den Ausschussmitgliedern, über Patenschaften mit Pflichten wie Rasenschnitt oder Saubermachen nachzudenken, wofür Bürger eine Gegenleistung erhalten. „Dadurch identifizieren sich die Menschen damit besser und pflegen es auch besser.“ Genau dieser Punkt war auch Gegenstand eines CDU-Antrages, der die Verwaltung auffordert, ein Konzept für Spielplatzpatenschaften zu erarbeiten, der wohlwollend vom Ausschuss aufgenommen wurde.

Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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Eva-Maria Spiller

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