Die Trecker-Demo gegen das neue Gewerbegebiet hatte keinen Erfolg. Die Mehrheit der Politiker stimmte Dienstagabend dafür. © Jörg Heckenkamp
Meinung

Grünes Gewerbegebiet Werne? Nun lasst mal die Kirche im Dorf!

Das neue Gewerbegebiet an der Nordlippestraße wird eine grüne Oase. Das suggerieren die Pläne der Verwaltung. Nun lasst mal die Kirche im Dorf, meint unser Autor. Eine kritische Betrachtung.

Im Vorfeld der Entscheidung war von einem dritten Weg bei der Betrachtung von neuen Gewerbegebieten die Rede. Zwischen einem kategorischen Nein und einem bedingungslosen Ja, wie oft in der Vergangenheit, gebe es quasi eine grüne Zwischenzone. Ein Gewerbegebiet mit ökologischem Überbau.

So verkaufte es jedenfalls die Verwaltung am Dienstagabend dem Planungsausschuss und auch den rund 40 Zuhörern, die die Debatte verfolgten. Aber kann es das wirklich geben, ein Hand-in-Hand von Ökonomie und Ökologie? Wirtschaftliche Interessen im gleichberechtigten Einklang mit Natur- und klimapolitischen Zielen?

Nein, natürlich nicht.

Die Verwaltung stellte dazu eine Fülle an Möglichkeiten vor, wie man so ein Industriegebiet halbwegs umweltverträglich ausbauen kann. Schön anzusehen, die Parkplätze unter hohen Bäumen (wer macht das Laub weg, wer beruhigt die Mitarbeiter, wenn ihre Autos von oben zugesch…. sind?); die vielen Grünflächen; die Ruhebänke vor Industriehallen. Aber realistisch?

Klaus Schlüter von den Grünen hat nicht ganz Unrecht, wenn er sagt: „Uns ist in der Vergangenheit schon viel versprochen worden, was oftmals nicht gehalten wurde.“ Denn im Zweifelsfalle, wenn es um eine Ansiedlung mit vielen Arbeitsplätzen geht, spielt die Ökologie doch wieder nur die zweite Geige.

Das kann man bedauern und die Entwicklung neuer Gewerbegebiet komplett ablehnen. Was ich für die Zukunft unserer Stadt als fatal ansehen würde. Ich finde, man sollte ehrlich sagen, so wie es Bürgermeister Lothar Christ getan hat: „Machen wir uns nichts vor, es ist und bleibt ein Gewerbegebiet, das Fläche verbraucht.“

Dann kann man noch versichern, dass man das möglichst umweltverträglich ausgestalten will. Im Rahmen der Möglichkeiten. Aber die Präsentation von einem Dutzend Power-Point-Folien mit ach so wunderbaren Natur-Entwicklungsmöglichkeiten zwischen Fabrik-Mauern streut, gelinde gesagt, grünen Sand in die Augen der Entscheidungsträger.

Die Fakten sind doch: Werne ist bei Firmen nachgefragt, kann ihnen aber kaum noch Gewerbeflächen bieten. Ein neues Gewerbegebiet auf bisher intensiv landwirtschaftlich genutzter Fläche ist vertretbar. Die Verkehrsanbindung dort ist perfekt und belastet keine Wohngebiete. Welche Firmen sich dort ansiedeln, liegt in der Hand der Kommune Werne.

Alles Voraussetzungen, die für mich ein solches Vorhaben plausibel machen. Und wenn es noch grün angestrichen ist, umso besser.

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Jörg Heckenkamp

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