Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Werne: „Dies ist nun die Chance“

Gleichberechtigung

Die Corona-Pandemie bezeichnet die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Werne als Chance, Grundsteine für die tatsächliche Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen zu schaffen.

Werne

, 22.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mehrere Hundert Menschen haben sich an der Aktion "Visionenkisten" für Gleichberechtigung in NRW beteiligt.

Mehrere Hundert Menschen haben sich an der Aktion "Visionenkisten" für Gleichberechtigung in NRW beteiligt. © Tim Mossholder/Unsplash

Zum Weltfrauentag haben die kommunalen Frauenbüros und Gleichstellungsstellen in Nordrhein-Westfalen in ihren Rathäusern Bürgerinnen und Bürger dazu aufgefordert, ihre Wünsche und Visionen in Sachen Gleichstellung aufzuschreiben. Nun sind die Ergebnisse der Aktion „Wünsche und Visionen zum Weltfrauentag am 8. März 2020“ ausgewertet.

Insgesamt wurden NRW-weit 334 Beiträge eingereicht. Während sich einige grundsätzlich zum Thema Gleichstellung äußerten, forderten andere spezielle Maßnahmen. 26 Prozent der Einreichungen befassen sich mit dem Thema „Gleichberechtigung, Chancengleichheit und Solidarität“, 25 mit Lohngleichheit und Anerkennung in und von Pflegepersonal. Auf Platz drei folgt mit 16 Prozent die Vereinbarkeit von Job und Familie.

334 Bürgerinnen und Bürger haben ihre Wünsche und Visionen zum Thema Gleichstellung mit den NRW-Gleichstellungsstellen geteilt. Das sind die Ergebnisse (nach Prozent).

334 Bürgerinnen und Bürger haben ihre Wünsche und Visionen zum Thema Gleichstellung mit den NRW-Gleichstellungsstellen geteilt. Das sind die Ergebnisse (nach Prozent). © LAG NRW

Gleichberechtigung und Chancengleichheit

Beim Thema „Gleichberechtigung, Chancengleichheit und Solidarität“ geht es den Teilnehmern vor allem um das Thema „tatsächliche Gleichberechtigung“ von Frauen und Männern, Chancengleichheit, sowie Akzeptanz und Respekt.

Im Bereich Anerkennung von Pflegeberufen und -personal wünschen sich die Befragten zu 46 Prozent Lohngleichheit sowie eine Veränderung des Umstandes, dass schlecht bezahlte Pflegearbeit sowie die unbezahlte Pflege von Familienangehörigen häufig eine geringe Entlohnung und folglich auch eine geringe Rente zur Folge haben.

In Sachen Beruf und familiäre Vereinbarkeit müsse man generell umdenken, hieß es in 58 Prozent der zu diesem Thema eingereichten Wünsche. „Einige Beiträge bezogen sich auf konkrete Nachteile, die Eltern und besonders

Frauen durch eine Familiengründung im Beruf entstehen können (19 %), z.B. ‚Teilzeit als Karrierehindernis‘. Zudem wurden Forderungen geäußert, mehr Männern (13 %) die Elternzeit zu ermöglichen sowie Alleinerziehende (10 %) bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf stärker zu unterstützen“, heißt es in dem Abschlussbericht.

Auch die Einreichungen, die aus Werne zu dem Projekt dazugesteuert wurden, teilen dieses Bild. Laut der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Werne, Kerstin Hoffmann, lassen sich die Werner Ergebnisse wie folgt zusammenfassen:

  • Gleichberechtigung ist wichtig und notwendig
  • Steuerklassen 3 und 5 sind ungerecht
  • Männer motivieren, dass die Arbeit in Haushalt nicht nur Frauensache ist
  • Frauen für Politik begeistern
  • Alleinerziehende Mütter mehr unterstützen
  • Einfache und kostengünstige Möglichkeiten schaffen, um Familie und Beruf besser zu verbinden
  • Verbesserung der Kinderbetreuung durch mehr Kita-Plätze, flexiblere Betreuungszeiten und kostenfreie Mahlzeiten
  • Frauen verdienen die gleiche Entlohnung wie Männer
  • Bessere Bezahlung für Pflegeberufe

„Vermehrt wurde insbesondere der Wunsch nach einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf/ Verbesserung der Kinderbetreuung und nach gleicher Bezahlung von Frauen und Männern genannt“, sagt die Werner Gleichstellungsbeauftragte.

„Dies ist die Chance, die Retraditionalisierung zu verhindern“

Insbesondere die letzten Monate unter der Corona-Pandemie hätten gezeigt, wie wichtig eine gute und zuverlässige Kinderbetreuung sei, damit Frauen ihren Berufen nachgehen könnten. Denn: „Leider waren und sind insbesondere Frauen stark durch die Corona-Zeit belastet. Sie waren meistens für die Kinderbetreuung/ Homeschooling zuständig und mussten dafür häufig ihre Arbeit hinten anstellen.“

Außerdem übten gerade Frauen systemrelevante Berufe in Pflege und Einzelhandel aus, die nicht nur ein höheres Ansehen, sondern auch eine bessere Bezahlung erforderten, so Hoffmann. „Diese Erkenntnisse der Krise sollten auch zukünftig nicht vergessen werden. Dies ist nun die Chance, um die Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu verbessern und eine Retraditionalisierung zu verhindern.“

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