Schon seit dem 8. Dezember 2020 ist die Honigtankstelle und damit auch die Selbstbedienung an dem "Echten Deutschen Honig" bei Elke Hüttemann möglich. © Michelle Kozdon
Bienenhonig

Gaumenschmaus zum Mitnehmen: Zehntausende Bienen beliefern die Honigtankstelle in Werne

Wer Honig möchte, geht für gewöhnlich in den Supermarkt oder direkt zum Imker. Alternativ kann er den goldigen Gaumenschmaus in Werne allerdings auch an einer ganz besonderen Tankstelle bekommen.

In Werne kann man ab sofort nicht nur Sprit für sein Auto tanken, sondern auch Honig für den Gaumen. Denn Elke Hüttemann, erste Vorsitzende des Imkervereins in Werne, kam auf eine ausgefallene Idee: Sie brachte schon Anfang des letzten Jahres ihre zum Teil selbst gebastelte Honigtankstelle vor ihrer eigenen Haustür im Vorgarten an der Pagenstraße an.

Die Honigtankstelle besteht eigentlich aus einem kleinen, gelben Bier-Kühlschrank, der aufgrund seiner Farbe und Größe bestens für die Idee der Imkerin geeignet war. Hüttemann beklebte den Kühlschrank, baute mithilfe ihres Mannes ein Podest aus Bienenbeuten mit vier Magazinen, ließ ein Schild mit der Aufschrift „Honigtankstelle“ bedrucken und brachte es an einen Holzpfahl mit einem Bienenkorb oben drauf an. So weit so gut. Doch eine Sache fehlte noch. Denn ohne den besagten Honig wäre die Honigtankstelle ja relativ witzlos.

Im Inneren der Tankstelle befindet sich zertifizierter Deutscher Honig.
Im Inneren der Tankstelle befindet sich zertifizierter Deutscher Honig. © Michelle Kozdon © Michelle Kozdon

Den goldig farbigen, süßen Gaumenschmaus hat sie ihren eigenen Bienen im Garten zu verdanken. Denn im Garten der leidenschaftlichen Imkerin stehen 10 Bienenbeuten für ihre fleißigen Bienen. In jeder Bienenbeute haust auch ein Volk mit rund 20.000 Bienen im Winter und etwa 50.000 im Sommer.

Natürlich entspricht der Honig den Qualitätsanforderungen für Deutschen Honig gemäß den Bestimmungen zu den Warenzeichen des Deutschen Imkerbundes e.V. Das bestätigt auch das angebrachte Warenzeichen „Echter Deutscher Honig“, den nur zertifizierte Imker erhalten.

Honigtankstelle hat integrierte Kasse für Kunden

Ein Glas (mindestens 500 Gramm) kostet rund sechs Euro. „Wer ehrlichen Honig zu schätzen weiß, ist auch ein vertrauensvoller Kunde“, sagt Hüttemann. Deshalb macht sich die Imkerin auch keine Sorgen, dass der Honig unter seinem Wert gekauft wird. Kunden können den Honig auch kaufen, wenn Hüttemann nicht vor Ort ist. In dem kleinen Kühlschrank befindet sich eine gelbe Kasse, die für die Bezahlung genutzt werden sollte. Die Honiggläser sollten später zurückgebracht werden – und das idealerweise in verschlossenem Zustand.

In Hüttemanns Kühlschrank ist Platz für bis zu acht Gläser. In ihrem Fall handelt es sich um Sonnenblütenhonig. Dass die Tankstelle auch aktuell gut gefüllt ist, liegt an den fleißigen Produzenten, die auch im Winter aktiv sind.

Drei mal um die Erde fliegen für 500 Gramm Honig

„Jetzt, wo es draußen ungemütlich ist, wird im Bienenstock eingeheizt, sodass die Kerntemperatur mindestens 25 Grad Celsius beträgt. Winterschlaf kennen die Damen nicht. Und der Drohnen, das sind die männlichen Bienen, haben sie sich schon im Herbst entledigt“, erklärt Hüttemann. Das von diesen eingelagerte süße Futter müsse nur bis zum frühen Frühling reichen: „Sie brauchen jetzt die Kalorien, um die Königin zu wärmen und zu schützen – dabei machen sie Wechselschicht. Das heißt: Die inneren Bienen, die warm sind, gehen nach außen und die äußeren Bienen gehen nach innen. Ähnlich wie bei Pinguinen. So halten sie sich warm. Das machen die Bienen den ganzen Winter über.“

Für ein 500-Gramm-Glas müssen die Arbeitsbienen eines Volkes rund 40.000 mal ausfliegen und zwei Millionen Blüten in Werne anfliegen, um den Nektar einzusammeln. „Das entspricht einer Flugstrecke von drei Erdumrundungen“, erklärt die leidenschaftliche Imkerin.

So sieht der kleine gelbe Kasten aus, in dem sich die Kunden selbst bedienen können.
So sieht der kleine gelbe Kasten aus, in dem sich die Kunden selbst bedienen können. © Michelle Kozdon © Michelle Kozdon

Bei der Verarbeitung im Bienenstock erhält der Honig zusätzlich wertvolle Enzyme, denen er seine antibakterielle Wirkung verdankt. Hüttemann weiter: „Wenn die Sammlerinnen im Frühjahr ausfliegen, erhalten sie den Nektar zahlreicher Pflanzenarten und weisen jedes Jahr unterschiedliche Aromen der Blüten auf. Das Ergebnis darf sich dann Blütenhonig nennen. Also hauptsächlich Blüten, die bei uns im Garten blühen. Von der Beere bis zum Apfel und für den Sommertrachthonig sind die fleißigen Bienchen in Linden und Kastanien der Umgebung zu finden. Also mehr in den Bäumen.“

Honig und Wein haben eine Gemeinsamkeit

Ähnlich wie bei guten Weinen könne man bei dem süßen Honig Farben, Bouquets und verschiedene Aromen erkennen. Daher könne man jeden Jahrgang neu genießen. „Die Bienen waren ja immer auf unterschiedlichen Blüten und da variiert auch der Geschmack des Honigs. Also schmeckt auch jeder Jahrgang ganz anders“, sagt Hüttemann.

Auf das Frühjahr freut sich die Imkerin besonders. Da wird nämlich der Leerbienenstand in Stockum, des einst existierenden örtlichen Imkervereins, gefördert von dem ehemaligen VEW, durch den Imkerverein Werne für seine Bestimmung reaktiviert. Junge und erfahrene Imker könnten sich dort austauschen und interessierte Bienenfreunde in das Hobby einweihe, so Hüttemann.

Mehr Infos für Honigliebhaber

  • Wer Fragen und Anregungen zur Honigtankstelle hat, kann sich an Elke Hüttemann unter Tel. 02389 990982 oder 01783553696 wenden. Flyer mit Informationen liegen zudem an der Tankstelle an der Pagenstraße 99 aus.
  • Für echte Honigliebhaber oder auch neugierige Nachzügler hat Hüttemann sogar ein paar Rezepte ausgedruckt und in die Tankstelle hineingelegt. Die Honigtankstelle ist barrierefrei zugänglich. Seit dem 8. Dezember 2020 ist sie schon in Betrieb – und zwar zu jeder Tageszeit.
  • Der Imkerverein in Werne besteht bereits seit 1890. Am 16. März 2020 sind es dann 130 Jahre seit der Gründung des Vereins. Der Verein in Werne hat rund 35 Mitglieder.
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