Frank Löbbert, Geschäftsführer des ambulanten Pflegedienstes Julia in Werne, fühlt sich in Sachen Impfterminvergabe allein gelassen (Symbolbild). © picture alliance/dpa
Corona-Impfung in Werne

„Fühle mich allein gelassen“: Ambulanter Pflegedienstleiter sauer über Impfvergabe

Keine Infos von der KVWL, keine Infos vom eigenen Verband, Impfstart nach hinten verschoben: Frank Löbbert vom ambulanten Pflegedienst Julia aus Werne fühlt sich in Sachen Coronaimpfung allein gelassen.

Frank Löbbert ist sauer. Der Geschäftsführer des ambulanten Pflegedienstes Julia, der in Werne, Münster und Hamm tätig ist, hatte seine Mitarbeiter Anfang der Woche darauf vorbereitet, dass es am 15. Januar mit der Impfterminvergabe losgehen wird. „Gestern [11. Januar, Anm. d. Red.] habe ich bei der 116 117 (Kassenärztliche Bundesvereinigung) erfragt und online gelesen, dass ab 15.1. Impftermine gemacht werden können“, so Löbbert. Um dann ab dem 27. Januar geimpft werden zu können.

Daraufhin habe er alle seine Mitarbeiter informiert und die nötigen Unterlagen zusammengetragen. Um dann am Dienstag (12. Januar) zu erfahren, dass der Impfstart nun doch auf den 25. Januar verschoben worden ist. Er fühle sich verarscht. „Und meine Mitarbeiter verlieren so langsam den Glauben an die ganze Sache und an mich auch“, sagt er.

Kein Impfteam, das dann rauskommt, keine Informationen vom eigenen Verband: „Die verweisen uns immer an die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL). Ich fühle mich schon richtig allein gelassen.“ Und weiter: „Ich hatte mich auch als freiwilliger Helfer für das Impfzentrum in Unna gemeldet. Aber der Schichtplan für Samstag wurde wieder zurückgezogen“, so Löbbert.

Informationen um Coronaimpfung: „Da hilft keiner“

In Werne und Hamm betreut das 15-köpfige Pflegeteam rund 100 Personen in ihren eigenen Haushalten. In Münster sind es 22 Mitarbeiter, die sich um rund 160 Personen kümmern. „Die Patienten werden angeschrieben, die müssen sich eigenständig darum kümmern“, erklärt Löbbert die offiziell verkündete Vorgehensweise. Wie und wann die Mitarbeiter geimpft werden können, ist noch unklar: „Da hilft keiner“, sagt der Pflegedienst-Geschäftsführer.

Vanessa Pudlo, Sprecherin der KVWL, erklärt auf Nachfrage, dass der 15. Januar als Terminvergabestart tatsächlich vorher durch die Presse gegangen sei. Doch aufgrund der dynamischen Veränderungen in der Pandemie und dem Impfprozess habe sich das Startdatum nach hinten verschoben. „Der 25. ist jetzt aber definitiv bestätigt.“ In die Entscheidung spielten verschiedene Faktoren hinein: die zur Verfügung stehenden Impfdosen, die Terminvergabe und die Eröffnung der Impfzentren. „Da wird geguckt, dass man das in Übereinstimmung bringt.“ Am 1. Februar sollen die Impfzentren in NRW eröffnen.

Und: „Wir können nur so viele Termine vergeben, wie wir auch Impfstoff haben. Das muss eng miteinander verzahnt sein.“ Achim Hermes, Sprecher des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) in NRW, erklärt: „Durch die Verschiebung des Starts der Terminvergabe kann das Terminangebot noch einmal vergrößert und die Kapazität bei der Hotline noch einmal aufgestockt werden. Damit können innerhalb kürzerer Zeit mehr Personen einen Termin erhalten, als dies bei einem früheren Start möglich gewesen wäre.“

Die KVWL stellt das medizinische Personal in den Impfzentren und behält dementsprechend auch die Kapazitäten der Kräfte in den Zentren im Auge. Dementsprechend habe jetzt die Dienstplanung angefangen. Wie die Impfung ambulanter Pflegedienste abläuft und priorisiert wird, liege aber nicht in dem Handlungsbereich der KVWL, sondern beim MAGS, so Pudlo. „Wir setzen die Priorisierung um, können sie aber nicht beeinflussen“, so die KVWL-Sprecherin. Das MAGS wiederum erklärt: „Die Impfzentren in NRW starten einheitlich am 1. Februar 2021. Ein früherer Start war nie vorgesehen.“

Ambulante Pflegedienste sollen gesonderte Impftermine bekommen

In der Corona-Impfverordnung heißt es zwar, dass auch Mitarbeiter ambulanter Pflegedienste Teil der höchsten Impf-Prioritätsstufe genauso wie stationäre Pflegeeinrichtungen seien. Zum genauen Ablauf steht dort aber lediglich, dass diese durch mobile Impfteams oder in den Impfzentren geimpft werden. Vom MAGS heißt es auf unsere Anfrage: „Für ambulante Pflegedienste werden die Impfzentren gesonderte Terminangebote schaffen, die nicht über die 116 117 angeboten werden. Der Zugang erfolgt über die Kreise/kreisfreien Städte.“

Auf eine weitere Nachfrage beim Kreis Unna später heißt es dazu, dass man sich die Mittwochnachmittage für Gruppen wie ambulante Pflegedienste, Rettungskräfte oder andere Berufsgruppen, die mit Risikopatienten zu tun haben, freihalten werde, um diese zu impfen. „Da wurde niemand vergessen, es war nur unklar, wie und wo geimpft werden wird“, sagt Max Rolke, Sprecher des Kreises Unna.

Klar ist jetzt: Das Impfen wird im Unnaer Impfzentrum vorgenommen. In einem ersten Schritt wird der Kreis Unna nun auf die entsprechenden Gruppen wie die ambulanten Pflegeeinrichtungen zugehen, den Bedarf erfragen und entsprechende Termine vereinbaren – noch vor dem Start des Impfzentrums in Unna am 1. Februar. Diese Abfragen seien dann auch die Grundlage dafür zu entscheiden, wie lang diese Impfblöcke an den Mittwochnachmittagen seien müssten, so Rolke.

Diese Nachricht freut Frank Löbbert vom ambulanten Pflegedienst Julia aus Werne. „Das wäre natürlich bestens“, sagt Löbbert. Für seinen Dienst in Münster habe er dort schon mitteilen müssen, wie viele Mitarbeiter in Münster tätig sind. Eine Frage aber bleibt ihm: Was ist mit den Mitarbeitern, die zwar in Werne arbeiten, aber nicht im Kreis Unna wohnen? „So weit sind wir noch nicht“, sagt Max Rolke vom Kreis Unna. Derzeit sei noch unklar, ob Mitarbeiter in Werne dann unabhängig vom Wohnort im Kreis mitgeimpft werden können oder sich im eigenen Kreis impfen lassen müssen. „Das müsste im Einzelfall entschieden werden“, so Rolke.

Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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Eva-Maria Spiller

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