Heimarbeit - früher verpönt, heute gewünscht. © picture alliance/dpa
Meinung

Früher total verpönt – heute lieben alle die Heim-Arbeit

Wie sich manche Dinge doch grundlegend ändern: Vor einigen Jahrzehnten war Heim-Arbeit ungefähr so gut beleumundet wie eine Geschlechtskrankheit. Und heute? Kämpft sogar die Gewerkschaft für Heimarbeit.

Der Status-Wandel von einst verpönter Paria-Beschäftigung zum Lieblings-Work-Modell der Neuzeit hat mit einem Wortwechsel zu tun. Von Heimarbeit spricht heutzutage kaum jemand. Vielleicht klingt da doch noch das alte Stigma an. Um wie vieles hipper hört sich doch der Anglizismus Home-Office an. Das klingt nach heimeliger Arbeits-Atmosphäre vor einem ultraflachen und leistungsstarken Laptop, mit lieben Kindern, die ab und an auf den Schoß und den Kollegen im Team-Call zuwinken dürfen. Ach ja, schöne neue Heim-Arbeitswelt.

Das stellen sich zwei Fragen: Warum war die Heimarbeit damals, sagen wir in den 1970er und 80er Jahren, so stigmatisiert? Und warum hat das Home-Office heute ein so glänzendes Image?

Düsteres Bild der damaligen Heimarbeit

Das verbreitete Bild der damaligen Heimarbeit war in düstersten Farben gemalt und zeigte ungefähr folgendes Motiv: Ein ältliches, schlecht ausgebildetes Ehepaar sitzt in ungesunder Haltung am Couchtisch und füllt Schräubchen in Plastiktüten. Die Arbeit ist eintönig, der Stücklohn karg.

Die Gewerkschaften beklagten diese Arbeitsform damals massiv. Es sei Selbstausbeutung, weil man wegen der geringen Bezahlung geneigt sei, deutlich mehr als acht Stunden zu malochen, um wenigstens ein bisschen auf den grünen Zweig zu kommen; Arbeitsschutz-Vorschriften seien nicht kontrollierbar; und, nicht zuletzt wichtig für Arbeitnehmer-Organisationen: solche Werktätigen lassen sich nicht in einer Gewerkschaft organisieren. Mit anderen Worten: Heimarbeit war irgendwie bäh.

Home-Office – irgendwie eine coole Sache

Und wie sieht das heutige Bild der Heima…, äh, des Home-Office‘ aus? Irgendwie schon eine coole Sache. Klar, der Corona-Auslöser ist jetzt nicht so prickelnd, aber das Ganze hat doch was. Ich spare mir die nervige Fahrt zur Arbeitsstelle, tue sogar was für die Umwelt.

Daheim kann ich mich oft besser auf die Arbeit konzentrieren, kein Büro-Clown quatscht mich blöd an. Zwischendurch, geben wir es zu, lässt sich schnell das ein oder andere in der Wohnung erledigen. Und ich kann den ganzen Tag in Jogginghosen rumlaufen (nur oben herum muss es ordentlich sein, wg. Video-Konferenz).

Gewerkschaft heute für Home-Office

Und was sagt die Gewerkschaft zu Heimarbeit 2.0? Die ist auf einmal uneingeschränkt dafür. Und fordert sogar Kontrollen bei und Strafen für Unternehmen, die Home-Office verweigern.

Wie lautete der Werbespruch einer japanischen Autofirma so schön: Nichts ist unmöglich.

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Jörg Heckenkamp

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