Frisöre in Werne zu Terminen: „Diese Woche haben Sie keine Chance mehr“

dzCorona-Krise in Werne

Sechs Wochen mussten sich die Werner mit Haarschnitten selbst behelfen oder warten, bis die Salons wieder aufmachten. Der Andrang in den Frisörsalons ist groß. Kunden müssen sich auf Wartezeiten einstellen.

Werne

, 06.05.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit vergangenem Montag haben die Frisörsalons bundesweit wieder geöffnet. Sechs Wochen ist es her, dass die Läden unter den Auflagen zur Eindämmung des Coronavirus ihre Türen schließen mussten. Dass nun wieder Haare geschnitten und gefärbt werden dürfen, freut nicht nur die Kunden. „Wenn man sechs Wochen raus ist, merkt man das abends schon“, sagt Thomas Mertens vom Frisörsalon Mertens. „Es ist eine reine Freude, dass man wieder was tun darf“, sagt Martin Großer vom gleichnamigen Frisörsalon in Werne.

Dementsprechend groß ist aber auch der Wunsch der Kunden, schnell einen Termin zu bekommen: „Diese Woche haben Sie keine Chance mehr“, sagt Großer. „Nächste Woche ist noch ein bisschen frei und dann sind wir schon in der dritten Woche.“ Egal ob Färben oder nur Schneiden, auf die Wartezeit eines Kunden bis zu seinem Termin habe das keinen Einfluss.

Thomas Mertens: „Es kommt drauf an, was die Kunden wollen“

„Es kommt drauf an, was die Kunden wollen“, sagt Thomas Mertens auf die Frage nach einem kurzfristigen Termin. Bei einem Herrenhaarschnitt sähe die Lage anders aus als bei beispielsweise Kunden, die ihre Haare gefärbt und geschnitten haben wollen. Für diese „großen Sachen“, sagt Mertens, müssten sich Kunden derzeit schon auf etwa drei Wochen Wartezeit einstellen.

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Bei Doris Winands vom Frisörsalon Lohrsträter sind die ersten beiden Wochen bereits voll. „In der dritten Woche, da fangen wir jetzt an zu bestücken“, sagt die Inhaberin. Wenn sie sich dazu entscheide, die Mittagspause durchzumachen oder ein Kunde seinen Termin doch absage, dann setze sie sich mit Wartenden in Verbindung. „Ich mache grundsätzlich alles möglich, mache auch gern abends mal länger oder fange morgens eher an.“ 24 Stunden im Salon stehen könne sie aber natürlich nicht. Andere Kunden fragten von sich aus nach Terminen in drei Wochen.

An ihrem Ruhetag am Montag hält Doris Winands fest. Thomas Mertens behält seine normalen Öffnungszeiten bei. In dieser Woche habe er ausnahmsweise außerhalb der Reihe am Montag geöffnet gehabt. Martin Großer hat normalerweise von 9 bis 15 Uhr geöffnet, in dieser und kommender Woche aber nun vorerst von 8 bis 18 Uhr.

Stress entsteht den Frisören derweil nicht, das sei aber auch so geplant. „Wir vermeiden es absolut, dass hier ein Rummel ist“, sagt Großer. Ein Kunde pro Frisör auf einmal sei in dem Laden erlaubt, macht zwei Kunden gleichzeitig. Ähnlich sieht es bei Thomas Mertens aus. „Wir können ja von der Taktung her gar nicht so viele Leute einplanen.“

20 Prozent mehr Zeit pro Kunde unter Corona-Auflagen

Das Säubern, Waschen und Desinfizieren von Frisörkitteln, Sitzplätzen und Eigenkleidung beeinflusst auch die Dauer der Arbeitszeiten der Salons. Thomas Mertens sagt, ihn koste die Umsetzung der Auflagen momentan 20 Prozent mehr an Zeit pro Kunde. Im Salon selber wurden die Hälfte der Stühle sowie der Wartebereich entfernt.

„Es ist natürlich schwierig mit den Vorschriften, ich will aber auch nicht meckern“, sagt Martin Großer. Aber die Maske erschwere das Atmen und mit den Handschuchen bekomme man kein richtiges Gefühl für die Haare der Kunden. „Sie kommen nicht vernünftig auf Leistung.“ Dazu komme vor dem Hintergrund der Ansteckungsgefahr der Gedanke, dass man beim Schneiden der Haare natürlich verdammt nah dran am Kunden sei.

„Klar kommen die Kunden und sagen, wir haben nix. Und wir führen auch Buch darüber, wer da war“, so Großer. Wer den Laden betritt, bekommt eine Einwegmaske, wenn er selbst keine dabei hat. Dann werden die Hände desinfiziert und kurz nach möglichem Kontakt zu Corona-Infizierten gefragt.

Kunden beschweren sich über fehlende Getränke und Zeitschriften

„Es ist für uns natürlich sehr anstrengend, aber die Kunden sind sehr verständnisvoll“, sagt Doris Winands. „Es ist ein bisschen nervig mit den Umhängen und dem Waschen“, sagt Thomas Mertens, während er gleichzeitig einen Kunden bittet, kurz zu warten, bis er den Frisörstuhl desinfiziert hat. Außerdem schwitze man unter den Masken.

Martin Großer berichtet auch von drei Kunden, die die Schutzauflagen von Land und Bund für überzogen hielten. Dass derzeit keine Getränke gereicht werden und keine Zeitschriften ausliegen, habe schon für die ein oder andere Beschwerde gesorgt.

„Die kapieren es nicht“, sagt Martin Großer. „Dann sage ich: ‚Leute, da müssen wir jetzt durch‘.“ Denn man wissen doch selbst, dass beim Blättern der Zeitschrift unbewusst der Finger an die Lippe gehe. Dann werde die Zeitschrift hingelegt und der nächste Kunde nehme sie in die Hand, das gehe nicht, sagt Großer.

Allerdings wünsche auch er sich, seinen Kunden zumindest in Aussicht stellen zu können, wann Lockerungen im Umgang mit den Kunden möglich sind. Doch das ist derzeit Zukunftsmusik. Generell freue sich Doris Winands, dass sie am Montag wieder öffnen konnte. „Aber die Ungewissheit ist natürlich da, ob es so gut ist, dass wir wieder aufhaben.“

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