Finale bei Simjü mit dem Kram- und Viehmarkt: „In Werne gibt es keine Nörgler“

dzSimjü 2019: Kram- und Viehmarkt

So voll sind die Straßen Wernes an einem Dienstagmorgen sonst nie: Ob zum Einkaufen, Klönen oder zum Ponys streicheln - der Kram- und Viehmarkt zu Simjü ist ein Besuchermagnet.

Werne

, 29.10.2019, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Unser Messer schneidet super! Lecker Essen kochen geht jetzt einfach; lecker Gemüse schneiden se damit. Und dekorativ sieht es aus. Eins für drei Euro, nehm´ se zwei, kostets fünf“, preist ein engagierter Händler seine Ware an. Vor dem Stand sammelt sich eine Menschentraube, vorwiegend ältere Damen, die gebannt lauscht. Von Weitem schon können die Besucher den Stand riechen: Zwiebelduft liegt in der Luft, wenn das Super-Messer vorgeführt wird.

Wenn sich Simjü dem Ende neigt, ergattern die Besucher so manches Schnäppchen auf dem Kram- und Viehmarkt. Viel Vieh steht heutzutage nicht mehr auf dem Markt. Sieben Pferde, sechs Shetlandponys und ein Esel sind dieses Mal dabei.

Geduldig stehen sie auf dem Parkplatz am Busbahnhof und mümmeln Stroh. Für die kleinen Besucher sind die Huftiere die Stars des Marktes: So viele kleine Händchen sehen die Vierbeiner wohl an keinem anderen Tag im Jahr.

Das Highlight für Pferdefreunde: Ponys zum Anfassen

Unter den Pony-Streichlern ist die kleine Nike. Sie ist nicht nicht einmal zwei Jahre alt und schon ein ganz großer Pferdefan. Erzählen, wie es ihr gefällt, kann das Mädchen noch nicht - doch ihr Lächeln spricht Bände. Ihre Mutter trägt sie von einem Pferdchen zum Nächsten.

Finale bei Simjü mit dem Kram- und Viehmarkt: „In Werne gibt es keine Nörgler“

Die kleine Nike (fast 2) ist schon ein ganz großer Pferdefan. © Sylva Witzig

Für Nike ist der Marktbesuch ein voller Erfolg - für ihre Mama auch. Traditionell kauft sie zu Simjü die Tulpenzwiebeln für das kommende Jahr. Socken wanderten diesmal auch in die Einkaufstasche.

Warme Socken sind bei Temperaturen unter zehn Grad schon angebracht. „Das ist nicht frisch. Das ist Oktober. Das muss so!“ findet ein Wachstischdecken-Verkäufer.

Finale bei Simjü mit dem Kram- und Viehmarkt: „In Werne gibt es keine Nörgler“

Conny Theune (55) verkauft seit sieben Jahren ihren Modeschmuck auf dem Kram- und Viehmarkt. „Das ist der letzte Euro, der mir noch zur Million fehlte“, scherzt sie mit ihren Kunden. © Sylva Witzig

„Ich komme gerne her. In Werne gibt es keine Nörgler.“

„Einen Euro bekomme ich dann von Ihnen. Das ist der letzte Euro, der mir noch zur Million fehlt“, scherzt Conny Theune (55) mit ihren Kunden. Mit ihrem Modeschmuck steht die Bergkamenerin seit sieben Jahren auf dem Krammarkt. „Natürlich bin ich noch weit von einer Million entfernt. Aber ich arbeite daran“, sagt sie schmunzelnd.

Finale bei Simjü mit dem Kram- und Viehmarkt: „In Werne gibt es keine Nörgler“

Heinz-Wilhelm Liebetrau (74) ist bester Laune: Ihm macht die Arbeit richtig Spaß. © Sylva Witzig

Mit ihrem Stand kann sie keine großen Sprünge machen: „Generell hat der Markt nachgelassen. Gefühlt an jeder Pommesbude gibt es inzwischen Marktstände - da sind die Leute einfach satt.“ Außerdem sei Monatsende - da seien viele Bummelnde gerade klamm.

„Wenn man sich umschaut, haben nur sehr wenige Einkaufstüten dabei. Viele wollen einfach nur gucken und sich dann auf der Kirmes den Magen vollschlagen. Essen geht immer“, fügt sie hinzu. Dennoch fühle sie sich sehr wohl auf Simjü: „Die Marktmeister sind sehr herzlich und die Besucher sind freundlich. Hier kann man sich nett unterhalten - da gibt´s keine Nörgler. Im Sauerland sieht das etwas anders aus.“

Finale bei Simjü mit dem Kram- und Viehmarkt: „In Werne gibt es keine Nörgler“

Andrea Tschage (56, links im Bild) verabredet sich seit vielen Jahren mit ihren Mädels zum Kram- und Viehmarkt. In diesem Jahr wollen sie nur stöbern - aber „irgendwas findet man immer“, sagt sie. © Sylva Witzig

Nicht nur hauptberufliche Händler stehen auf dem Markt - zwischen den Ständen preist der ehemalige Marketing-Mann Heinz-Wilhelm Liebetrau (74) Dachbeschichtungen für eine Firma aus Werl an.

„Vor einiger Zeit habe ich ein Haus geerbt. Das Dach sah bescheiden aus. So lernte ich die Firma kennen. Die machen gute, ehrliche Arbeit - deshalb helfe ich ihnen gerne.“ Nachts fährt der rüstige Rentner in Cappenberg und Umgebung Zeitungen aus. „Ich mache das nicht aus finanziellen Gründen. Es macht mir richtig Spaß. Und gut für die Gesundheit ist es auch.“

„Auf dem Krammarkt findet man immer etwas“

„Wir wollen heute nur Schnüffeln. Sonst kaufen wir Weihnachtsdeko oder Tischdecken. Eigentlich findet man immer etwas“, erzählt Andrea Tschage (56), die über beide Ohren strahlt. Mit ihren beiden Freundinnen bummelt sie seit zehn Jahren regelmäßig über den Kram- und Viehmarkt. Die gute Laune haben die Damen beim Frühstück getankt: „Ein ausgiebiges Frühstück im Café Telgmann ist bei uns Tradition. Jetzt sind wir satt und zufrieden.“

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