Feuerwehrmann Björn Spatzier (30) ist Lebensgefahr nicht fremd

dzThemenreihe „Reine Ehrensache“

Rund 70 Aktive hat der Löschzug Stadtmitte der Feuerwehr Werne. Der 30-jährige Björn Spatzier ist einer von ihnen. Bisweilen begibt sich der Jugendwart auch in Lebensgefahr – alles ehrenamtlich.

Werne

, 13.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Björn Spatzier öffnet eines der großen Fächer des Feuerwehrfahrzeugs und wirft einen Blick aufs Equipment. Scheint alles an seinem Platz zu sein. Vom Atemschutzgerät bis zur hydraulischen Schere. Dann steigt er auf den Fahrersitz - glücklicherweise nur fürs Foto und nicht, weil der Alarm ertönt wäre. Der 30-Jährige ist das, was viele kleine Jungen sagen, wenn man sie danach fragt, was sie später einmal werden wollen: Feuerwehrmann. In Spatziers Fall handelt es sich um ein Ehrenamt.

„Ja, das war auch mein Kindheitswunsch“, sagt Spatzier und lächelt. Sein Onkel sei ebenfalls Feuerwehrmann gewesen, er selbst gelernter Maschinenbauer und verdiene damit seine Brötchen. Die Ehrenamts“-Karriere“ des 30-Jährigen beginnt 2001 bei der Jugendfeuerwehr in Bork. 2004 geht es weiter nach Werne. Vier Jahre später wechselt er aus der Nachwuchsabteilung zu den „Großen“, ist inzwischen Gruppenführer und seit 2018 Jugendwart. In seinem Kalender sind fünf Stunden pro Woche für den Dienst auf der Wache reserviert.

Das Equipment im Blick: Einige Feuerwehreinsätze erfordern schweres Gerät.

Das Equipment im Blick: Einige Feuerwehreinsätze erfordern schweres Gerät. © Felix Püschner

Mit den Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, das sei schon eine schöne Sache, sagt Spatzier. Bei den Dienstabenden der Jugendfeuerwehr gehe es vor allem darum, Grundlagenwissen zu vermitteln: Welche Geräte gibt es und wie funktionieren sie? Wie bekommt man bei einem Einsatz eigentlich das Wasser aus dem Boden? Aber auch praktische Übungen und Besuche anderer Einrichtungen wie der Polizei und der Berufsfeuerwehr stehen auf dem Programm - und natürlich Ausflüge, etwa ins Zeltlager. Der Klassiker bei Jugendgruppen.

Wenn der Alarm geht, legt sich im Kopf ein Schalter um

Spatzier sagt, an seinem Ehrenamt schätze er vor allem die Kameradschaft und den Zusammenhalt. Der sei natürlich auch bei Schützenvereinen und Co. groß, aber die begeben sich eben auch nur selten in Lebensgefahr. Spatziers Miene wird ernster: „Wenn Sie ein verrauchtes Zimmer betreten, in dem Sie die Hand zehn Zentimeter vor Ihrem Gesicht nicht sehen können, dann klappt das nur, wenn man sich absolut aufeinander verlassen kann.“

Menschen aus Notlagen zu retten, gehört eben zu den wesentlichen Aufgaben eines Feuerwehrmanns. Und viel Zeit zum Grübeln bleibt dann in Gefahrensituationen auch nicht. „Wenn der Melder geht, legt sich im Kopf ein Schalter um. Man weiß dann, was man zu tun hat. Auch wenn sich hinter dem selben Alarmstichwort immer ein anderer Einsatz verbirgt“, erklärt der 30-Jährige.

Auf dem Fahrersitz: Björn Spatzier sagt, er wollte schon als Kind Feuerwehrmann werden. Jetzt bildet er sogar den Nachwuchs aus.

Auf dem Fahrersitz: Björn Spatzier sagt, er wollte schon als Kind Feuerwehrmann werden. Jetzt bildet er sogar den Nachwuchs aus. © Felix Püschner

Und wenn man dann am Einsatzort eintreffe, dann sei es leider nicht immer so, dass nur jemand eine Scheibe Toast habe anbrennen lassen und der Löschzug schnell wieder abrücken könne. Als auf einem Bauernhof in Horst vor ein paar Jahren ein Stallgebäude brannte, dauerten die Löscharbeiten die ganze Nacht. Und gerade bei Verkehrsunfällen gebe es leider bisweilen auch Todesopfer. Um so etwas zu verarbeiten sei der Austausch mit Kollegen ungemein wichtig, betont Spatzier.

Dennoch: Warum nimmt man so eine Bürde freiwillig auf sich? Und warum gerade ehrenamtlich? Der 30-Jährige muss nicht lange überlegen, um Antworten zu finden: „Weil man einfach helfen will! Und weil wir mit Sicherheit ein großes Problem in unserer Gesellschaft hätten, wenn sich niemand ehrenamtlich engagieren würde.“

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Atemschutzgerät und Co. müssen bei jedem Einsatz griffbereit sein.

Atemschutzgerät und Co. müssen bei jedem Einsatz griffbereit sein. © Felix Püschner

Themenreihe zum Ehrenamt in Werne

  • In unserer Themenreihe „Reine Ehrensache“ stellen wir zukünftig in unregelmäßigen Abständen Ehrenamtler aus Werne vor. Viele von ihnen verstehen sich nicht als Einzelkämpfer, sondern stehen stellvertretend für Vereine oder Organisationen.
  • Die Ehrenamtskarte muss von den Interessenten beantragt werden. Voraussetzungen sind ein überdurchschnittliches Engagement von mindestens fünf Stunden pro Woche beziehungsweise 250 Stunden pro Jahr sowie eine Ausübung seit mindestens zwei Jahren. Außerdem darf die ehrenamtliche Tätigkeit ausschließlich für Dritte und ohne Aufwandsentschädigung (außer tatsächlich entstandene Kosten, etwa Fahrtkosten) erfolgen. Wohnsitz und/oder Einsatzort des Ehrenamtes muss Werne sein. Das Mindestalter ist 16 Jahre.
  • Die Ehrenamtskarte bietet ihren Inhabern verschiedene Vergünstigungen - vom Buchkauf bis hin zu Kino- und Theaterbesuchen.
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