Experte zum Sauna-Brand: Erklärung der Polizei ist unmöglich

dzEinschätzung eines Sauna-Experten

Der verheerende Sauna-Brand in Werne wirft weiter Fragen auf. Feuerwehr und Polizei gehen davon aus, dass sich das Holz selbst entzündet hat. Das ist unmöglich, sagt ein Sauna-Experte.

Werne

, 04.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Brand einer Sauna im Keller Mitte Oktober hat erhebliche Schäden an dem Einfamilienhaus an der Körnerstraße angerichtet. Nach jetzigem Stand gehen die Ermittler und Sachverständigen davon aus, dass sich das sehr alte und trockene Holz selbst entzündet hat. Doch wie ist das möglich? Gar nicht, sagt ein Experte des Sauna-Herstellers Klafs.

„Unwahrscheinlich bis unmöglich“

Markus Gäbele (55), Leiter der Forschungsabteilung, erklärt seine Zweifel: „Wir haben den Zwischenfall natürlich in unseren Abteilungen diskutiert und mit unseren Forschungsergebnissen und den Erfahrungen der letzten Jahre abgeglichen. Vor diesem Hintergrund ist es unwahrscheinlich bis unmöglich, dass sich das Holz in der Kabine selbst entzündet hat.“

Demnach würde auch „älteres“ Holz nicht bei 100 oder 110 Grad Umgebungstemperatur einfach so anfangen, zu brennen. „Sind in einer Kabine Steuerung, Ofen und Leitungen sachgemäß installiert und im Umgang mit der Kabine ein paar Regeln beachtet worden, besteht hier in der Regel keine Gefahr“, so Gäbele weiter.

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Auch alte Hölzer nicht gefährdet

Er stützt sich dabei auf Erkenntnisse aus einer Forschungskooperation mit dem Fraunhofer-/Wilhelm-Klauditz-Institut für Holzforschung und der TU Braunschweig. Dabei ging es vor allem um die Frage, wie sich die üblicherweise verbauten Saunahölzer unter langjähriger hoher Hitzeexposition verhalten.

„Die Ergebnisse haben gezeigt, dass man auch bei sehr hohen Saunatemperaturen noch weit vom Bereich der Selbstentzündung entfernt ist. Das gilt auch für sogenannte ‚alte Hölzer‘“, erklärt Gäbele.

Experte zum Sauna-Brand: Erklärung der Polizei ist unmöglich

Sauna-Experte Markus Gäbele von dem Sauna-Hersteller Klafs aus Schwäbisch Hall erklärt, dass sich das Holz in einer Sauna nicht selbst aufgrund der hohen Raumtemperaturen entzünden kann. © Klafs

Experte warnt: Sauna nicht zweckentfremden

Auch wenn eine Sauna lange nicht genutzt wird, sei das keine Gefahr. „Solange die Kabine nicht zweckentfremdet oder arg schlecht behandelt wird, bergen auch längere Ruhezeiten kein besonderes Risiko. Handelt es sich aber um Jahre des Stillstandes, empfehlen wir vor der Wiederinbetriebnahme einen Servicetechniker einen Blick auf alles werfen zu lassen.“

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Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, der sollte die Technik über die Sicherung vom Netz nehmen. Und das Allerwichtigste: Die Sauna darf nicht „zweckentfremdet“ werden.

„Immer wieder kommt uns leider zu Ohren, dass die Sauna als Lagerraum genutzt wird. Das birgt vielfältige Gefahren und Schadenspotenziale.“ In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Bränden in Saunen, weil Materialien auf dem Ofen gelagert wurden.

Experte zum Sauna-Brand: Erklärung der Polizei ist unmöglich

Im Keller eines Einfamilienhauses an der Körnerstraße stand Mitte Oktober die Sauna in Flammen. © Freiwillige Feuerwehr Werne

Es liegt keine Straftat vor

Bei dem Sauna-Brand in Werne gehen die Sachverständigen weiter davon aus, dass die Besitzer nicht fahrlässig gehandelt haben. „Es liegen keine Anzeichen für eine vorsätzliche Straftat vor“, erklärt Vera Howanietz, Pressesprecherin der Polizei des Kreises Unna.

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