Wernes Ex-Bürgermeister Johannes Ohm gemeinsam mit seiner Frau. Das Bild entstand in den 1920er Jahren. © Förderverein Stadtmuseum
Bedeutende Werner

Ex-Bürgermeister: Ohne Johannes Ohm könnte Werne heute ganz anders dastehen

Lange Zeit leitete Johannes Ohm als Amtmann und Bürgermeister die Geschicke der Stadt Werne. In seine Amtszeit fielen gleich mehrere bedeutende Ereignisse, die Werne zu dem machten, was es heute ist.

Vor 99 Jahren, im Jahre 1922, wurde das Amt Werne mit der Stadt Werne zusammenlegt und Johannes Ohm, seit 1906 Amtmann, wurde zum ersten Bürgermeister der neu gebildeten Stadtgemeinde Werne gewählt, nachdem der alte Bürgermeister Bernhard Hartmann zum Zeitpunkt der Vereinigung am 1. Oktober 1922 aus dem Amt schied.

Ohm war maßgeblich an dieser kommunalen Neugliederung beteiligt, die mit der Auflösung des Amtes Werne und der Zusammenlegung von Stadt und Landgemeinde Werne ihren Abschluss Ende 1922 fand. Dabei wurden Stockum dem Amt Herbern und Capelle dem Amt Nordkirchen angegliedert, die beide vorher zum Amt Werne gehörten.

Johannes Ohm gestaltete die Lippestadt über 27 Jahre

Johannes Ohm wurde am 15. Februar 1878 in Bottrop geboren als Sohn des dortigen Bürgermeisters. Schon mit 28 Jahren wurde Johannes Ohm am 20. Juli 1906 als Amtmann der damaligen Landgemeinde Werne bestellt und zusammen mit seiner Zeit als Werner Bürgermeister von 1922 bis 1933 hat er somit 27 Jahre lang maßgeblich die Geschicke der Stadt mitgestaltet.

Nachdem 1899 in der Landgemeinde Werne der Georgmarien-Bergwerks- und Hüttenverein aus Osnabrück Schacht I und II der Zeche Werne nur ca. 500 Meter von der Stadt Werne, die damals noch fast unverändert in der mittelalterlichen Bebauung existierte, abgeteuft hatte, änderten sich die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in beiden Teilen erheblich.

Eine Postkarte mit der Modellanlage vom Bahnhof Werne zu den Eröffnungsfeierlichkeiten am 17. Oktober 1928.
Eine Postkarte mit der Modellanlage vom Bahnhof Werne zu den Eröffnungsfeierlichkeiten am 17. Oktober 1928. © Archiv Förderverein Stadtmuseum © Archiv Förderverein Stadtmuseum

Es kamen angeworbene Bergleute aus Pommern, Schlesien und Ostpreußen und suchten dringend Wohnraum. Auch musste die Infrastruktur, zum Beispiel Schulen für die Kinder, Straßen und Ähnliches gebaut werden. In die Regierungszeit des Amtmannes Johannes Ohm fiel somit nicht nur die Gründung der Zechenkolonie in der ehemaligen Bauerschaft Evenkamp im Jahre 1911, sondern auch der Bau der Straßenbahnlinie von Unna über Kamen und Bergkamen nach Werne und die Gründung von drei neuen Volksschulen, der Wienbrede-, der Weihbach- und der Wiehagen-Schule von 1912 bis 1914.

Die Bergarbeiterkolonie Evenkamp erreichte bald die Einwohnerzahl von 4.000. Die Stadt Werne hatte zu jener Zeit knapp 5.000 Bürger. Somit war es nur konsequent, dass die Stadt- und Landgemeinde zusammengelegt wurde, was vor allem der damalige Kreis Lüdinghausen forderte.

Mitte der 20er-Jahre gelang es Bürgermeister Ohm, auf einer ehemaligen Müllkippe den Stadtsee mit angrenzendem Stadtpark als erste Grünanlage von Werne errichten zu lassen und kurz danach wurde ganz in der Nähe dieses Naherholungsgebietes, vor allem für die Bergleute und ihren Familien, auch der Bau des ersten Schwimmbades von Werne initiiert, das man 1926 fertigstellte.

Eröffnung der Bahnlinie Dortmund – Münster fiel in Ohms Amtszeit

Der Höhepunkt der Bürgermeisterzeit von Johannes Ohm war sicherlich die Eröffnung der Eisenbahnlinie Dortmund-Münster über Werne, die im Jahre 1928 endlich feierlich eingeweiht werden konnte. Schon 1906 gab es die ersten Planungen für diese Eisenbahnlinie, die das industrielle Ruhrgebiet mit dem ländlichen Münsterland verbinden sollte. 1913 begannen dann die ersten Streckenarbeiten, die bereits ein Jahr später durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges unterbrochen wurden.

Erst Anfang der 20er-Jahre konnten sie, auch durch ständiges Nachfragen des Amtmannes Ohm, wieder aufgenommen werden. Ab 1926, nachdem man beschlossen hatte, aus Kostengründen nur noch eine eingleisige Streckenführung vorzunehmen, wurde dann, verstärkt auch durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, der Bau der Strecke innerhalb von zwei Jahren beendet.

Bürgermeister Ohm ließ es sich nicht nehmen, am 17.Oktober 1928 die ganze Festgesellschaft, die von Münster aufgebrochen war, in einem feierlichen Umzug durch Werne ins Kolpinghaus zu einem Festmahl einzuladen, wo er stolz die Ehrengäste begrüßte:

„Hochgeehrter Herr Präsident der Reichsbahn! Große Freude liegt heute über der Stadt Werne. Nach vielen Jahren bangen Hoffens ist das Langersehnte endlich Ereignis geworden. Das starke eiserne Band der Reichsbahn, auf dem das geflügelte Rad unser deutsches Vaterland bis an die äußersten Grenzen durcheilt, hält nunmehr auch Werne fest und unlöslich umschlungen. Der heutige Tag ist deshalb in der Geschichte unserer Stadt von überragender Bedeutung. Er führt auf der neuen Bahn den ersten Zug, den Festzug, mit den Ehrengästen nach Werne….“

Johannes Ohm wurde 1933 nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten als Werner Bürgermeister abgesetzt. Er musste sich zum Amtsarzt begeben, der eine dauernde Dienstunfähigkeit bescheinigte – er wurde danach vom Werner Magistrat im Alter von 55 Jahren in den endgültigen Ruhestand versetzt. 1934 verließ er Werne und wählte als Altersruhesitz Münster. Am 15. Februar 1958 beglückwünschten Stadtdirektor Dr. Schnitzler und Bürgermeister Wenning in Münster den langjährigen Verwaltungschef von Werne zu seinem 80. Geburtstag. Vor wenigen Jahren wurde auch eine Straße im Neubaugebiet an der Horster Straße nach ihm benannt.

Film über die Einweihung der Bahnlinie

Einen vom damaligen Kinobesitzer Carl Brauckhoff gedrehten Film über die feierliche Einweihung der Bahnlinie Dortmund-Münster über Werne kann man beim Förderverein Stadtmuseum als CD käuflich erwerben. Ansprechpartner ist die Vorsitzende Heidelore Fertig-Möller, Tel. 0238959196

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