Eurobahn-Sprecherin: „Momentan fahren wir stabil, aber bald gibt’s wieder große Probleme“

dzEurobahn-Analyse

Immer wieder sind die Züge der Eurobahn in der Vergangenheit ausgefallen. Gäste sind genervt, der Ruf ist angeknackst. Uns stand Unternehmenssprecherin Nicole Pizzuti Rede und Antwort.

Werne, Lünen, Ascheberg, Capelle

, 08.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Zugausfälle, Verspätungen und defekte Toiletten – im Herbst 2018 gab es viel Ärger um die Eurobahn auf der Linie RB50, die zwischen Münster und Dortmund verkehrt. Nach eigenen Angaben ging die Pünktlichkeitsquote teilweise bis zu unter 20 Prozent zurück. Rad- und Bremsscheiben mussten an Fahrzeugen repariert werden, zusätzlich sorgten Unfälle und Vandalismus für erhebliche Problemen auf der RB50.

Mittlerweile fahren die Züge der Eurobahn bis auf einzelne Ausnahmen pünktlich, sagt Nicole Pizzuti (41), Sprecherin des Eurobahn-Betreibers Keolis. Im Interview blickt sie auf die letzte Krise zurück, spricht über die Pünktlichkeitsquote und die Folgen, die die neue Baustelle an den Schienen künftig mit sich bringt.

Wie schätzen Sie die aktuelle Situation auf der Linie RB50 ein – im Vergleich zum Herbst 2018, als es große Probleme auf der Strecke gab?

Das ist eigentlich überhaupt nicht miteinander vergleichbar. Im Herbst hatten wir andere Gegebenheiten. Auf der RB50 hatten wir so viele Fremdeinwirkungen auf der Schiene, auf die wir als Betreiber keinen Einfluss nehmen konnten. Aufgrund der Infrastruktur hatten wir eine massiv schlechte Pünktlichkeitsquote. Es mussten auf acht Kilometern Streckenabschnitte erneuert werden, die dafür sorgten, dass unsere Züge statt mit 160 mit nur 80 Stundenkilometern fahren konnten.

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In den Monaten April bis Juni liegt die Pünktlichkeitsquote nach Ihren eigenen Angaben durchschnittlich bei 95,2 Prozent. Was hat sich seit der Krise im Herbst verbessert?

Jetzt spielt uns auf der RB50 in die Karten, dass wir eine Monopolstellung haben. Weil der Fernverkehr umgeleitet wird, sind wir jetzt nicht mehr gezwungen, dem Fernverkehr Vorrang zu gewähren. Das hat in der Vergangenheit auch immer wieder zu Verspätungen geführt.

Insgesamt haben wir im Unternehmen ganz viel bewegt. Wir haben unser Personal stark aufgestockt und unsere eigenen Abläufe verbessert. Bis die Ergebnisse sichtbar sind, dauert es aber seine Zeit. Wir sind aktuell grundsätzlich stabil unterwegs. Es ist aber immer noch nicht alles im grünen Bereich. Unser wichtigstes Thema bleibt die Rekrutierung von neuem Personal.

Eurobahn-Sprecherin: „Momentan fahren wir stabil, aber bald gibt’s wieder große Probleme“

Züge vom Typ Flirt 3 sind auf der Strecke zwischen Münster und Dortmund im Einsatz. © Eurobahn

Ist ein Personal-Engpass in den Sommerferien zu befürchten aufgrund von Urlaubstagen der Mitarbeiter?

Alle Urlaubstage sind natürlich frühzeitig abgestimmt worden. Ich werde aber nie versprechen können, dass es keine Ausfälle aufgrund von Personalmangel gibt. Es hat natürlich Auswirkungen, wenn man die Flexischicht doch nicht wie geplant einsetzen kann.

Und auf der Schiene kann immer mal etwas passieren, sodass die aktuelle Stabilität von jetzt auf gleich einbrechen kann. Wenn es 37 bis 38 Grad sind und dann eine Oberleitung herunterkracht, dann kann es zu Ausfällen kommen wie am vergangenen Wochenende.

Zeigen die Kunden generell Verständnis für solche Ausfälle, für die der Betreiber Keolis eigentlich selbst nicht verantwortlich ist?

Ja, die Kunden zeigen Verständnis. Wir haben mit verschiedenen Aktionen selbst das Gespräch mit den Kunden gesucht. Im Moment erkennen die Kunden, dass die Eurobahn zuverlässig unterwegs ist. Auch die infrastrukturellen Probleme wurden thematisiert. Einige kritische Kunden haben sich aber gefragt, ob sie wirklich weiter ihre Wege mit der Eurobahn bestreiten möchten.

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Was haben die Kunden denn generell zu erwarten, wenn ab Januar 2020 wieder Teilsperrungen wegen Gleisarbeiten anstehen?

Wir haben noch keine detaillierten Informationen dazu, welche Auswirkungen die Arbeiten auf die Eurobahn haben werden. Es riecht aber danach, dass es keine Maßnahmen sind, die nur zwei bis drei Tage dauern werden. Es werden große Einschnitte sein. Für die Fahrgäste wird das wieder eine Herausforderung. Eine Baustelle ist nie positiv für die Kunden.

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