Die Schnelltest-Kits sind zum ersten Mal am Montag (22. März) am Anne-Frank-Gymnasium in Werne angekommen. © (A) AFG
Coronavirus in Werne

Erste Schnelltests an Schulen in Werne: „Besser, als wenn Fremder in Nase rumprokelt“

800 Schüler der Marga-Spiegel-Schule haben ihren ersten Schnelltest hinter sich, auch die ersten Tests am St.-Christophorus-Gymnasium und am Anne-Frank-Gymnasium sind abgeschlossen. Ein erstes Fazit der Schulleiter.

In dieser Woche haben an den Werner Schulen die ersten Schnelltests von vielen stattgefunden. Neues Terrain nicht nur für die Lehrer, sondern auch für die Schüler. An der Marga-Spiegel-Sekundarschule in Werne sind die 800 Testkits des Bundes mit etwas Verspätung am vergangenen Montag (22. März) angekommen. An diesem Tag wollte die Schule eigentlich schon testen, hat das dann aber auf den Mittwoch und Donnerstag dieser Woche verlegt. 400 Schüler wurden bereits am Mittwoch in der ersten Schulstunde getestet, in zwei Fällen kam es zu positiven Schnelltests. Die restlichen 400 Schüler wurden am Donnerstag getestet.

Vorab hatte die Schule die Testkits lerngruppenweise in gebündelten Paketen in der Mensa bereit gelegt, wie Schulleiter Hubertus Steiner am Telefon erklärte. Für die Lehrkräfte gab es dazu noch die Schutzausrüstung bestehend aus Handschuhen, Mundschutz und Müllbeutel. Die Schüler der Lerngruppen, die jeden zweiten Tag im Wechselunterricht in der Schule sind, haben sich dann mit ausreichend Abstand voneinander in den gelüfteten Klassenräumen unter Anleitung des Erklärvideos des Ministeriums selber per Abstrich getestet.

Positiv getestete Schüler wurden in die Mensa der Schule geleitet

„In den Klassen hat alles gut geklappt“, so Steiner. Der einzige kritische Moment sei der gewesen, in dem man in einer Hand das Wattestäbchen und mit der anderen die Ampulle öffne. Bei den Schülern habe es keine Überreaktionen und auch keine Hänseleien gegeben. Das führt Steiner auf die ausgiebige Aufklärung über die Pandemie und die Notwendigkeit der Tests in den Schulen im Vorfeld zurück. Im Gespräch mit den Schülern in den Pausen haben diese, so Steiner, signalisiert, dass ihnen die Tests ein gutes Gefühl gäben. „Gut ist, dass die Schüler das selber machen, als wenn ein Fremder da in der Nase rumprokelt.“

Mit positiven Tests gehen die Lehrkräfte in den Klassen unterschiedlich um: Entweder die Lehrer kontrollieren selber per Rundgang die Ergebnisse der auf den Tischen liegenden Schnelltests der Schüler, oder aber die Schüler melden sich proaktiv selber, wenn sie sich über ihren Test unsicher sind, so der Schulleiter. Die beiden positiv getesteten Schüler seien unspektakulär in die Mensa geführt worden. „Denen haben wir gesagt: ‚Macht euch erstmal keine Gedanken, der Schnelltest ist erstmal nur ein erstes Anzeichen“, sagt Steiner. Dort wurden die Schüler von ihren Eltern abgeholt, die auf den weiteren, nötigen PCR-Test beim Arzt hingewiesen wurden, der endgültige Sicherheit bringt. Mit einem negativen PCR-Ergebnis können die Schüler dann wieder zur Schule kommen.

Damit die zweite Hälfte der Lerngruppen morgen in die Klassen kommen kann, desinfizieren die Schüler ihre Tische am Ende des Tages. In der ersten Stunde am Donnerstag folgte dann die zweite Runde der ersten Schnelltests. Die nächste Lieferung an Schnelltests hat das Schulministerium auch schon angekündigt. Diese sollen unmittelbar nach Ende der Osterferien vor Ort sein. In der Woche nach den Ferien soll es mindestens einen Schnelltest pro Schüler geben.

Hubertus Steiner: „Wir hatten erst große Bedenken“

„Wir hatten erst große Bedenken, aber die Schüler haben es toll gemacht“, sagt Hubertus Steiner in seinem ersten Fazit nach den ersten Schnelltests. „Das Kollegium hat toll mitgearbeitet und es gab heute [Mittwoch, Anm. d. Red.] keine negative Meldung dazu. Insgesamt war es ein positiver Verlauf. Es macht ja auch Sinn, Schulen zu testen. Es gibt einem mehr so eine Übersicht, wie stehen wir als Schule als Virenträger da. Ich weiß nicht, wie es morgen aussieht, aber das gibt einem das Gefühl, dass wir relativ sicher sind.“

Eine Frage, die aber bleibe, sei der zeitliche Umfang, den die Tests in Anspruch nähmen. „Heute [Mittwoch, Anm. d. Red.] ist die erste Stunde gelaufen.“ Kinder, die Ängste haben, müssten auch erst einmal gut begleitet werden. Sobald sich die Routine einstelle, sei dies dann vielleicht nur noch eine Sache von einer Viertelstunde, so der Schulleiter.

Am St.-Christophorus-Gymnasium (GSC) haben die ersten Testungen der Schüler wie geplant stattgefunden. Am Montag und Dienstag jeweils in der ersten Unterrichtsstunde wurden die Schüler der Sekundarstufe 1 getestet, am Mittwoch dann die älteren Schülerinnen und Schüler der Q1 und Q2. Hier wurde keiner der Schüler positiv getestet. „Grundsätzlich, dadurch dass wir keine positiven Fälle hatten, war das ein spannender Prozess, der am Anfang viel Zeit in Anspruch nimmt“, sagt Schulleiter Thorsten Schröer. 45 Minuten hatte ein Leistungskurs der Q1 bei einem Testprobelauf am vergangenen Freitag für die Schnelltests gebraucht. Am Mittwoch brauchten diese Schüler effektiv nur noch 10 Minuten – plus 30 Minuten, während der der Test das Ergebnis produzierte.

Insgesamt sei die ganze Testung relativ ruhig abgelaufen, auch wenn die Ungewissheit über die Testergebnisse auch eine „kribbelige Situation“ gewesen sei, so Schröer. Er ist sich sicher, dass sich die Abläufe nach den Ferien verkürzen werden, wenn die Schüler geübt sind im Umgang mit den Tests. Bis zu 35 Eltern hatten der Testung ihrer Kinder widersprochen. Die nächste Ladung Testkits ist bereits eingetroffen, allerdings nur 600 von 1500.

Schulleiter fordert Klarheit über Impfung für weiterführende Schulen

Insgesamt hält Schröer die Schnelltests an den Schulen für praktikabel. „Aufgrund des Ausgangs der Tests war es absolut machbar. Je kleiner die Gruppe war, desto entspannter war es.“ Doch sollte zum ersten Mal ein Schüler künftig positiv getestet werden, wäre das wohl für beide Seiten eine erst einmal verunsichernde Situation. Wären die Klassen komplett wieder zurück, könnte die Schule ganze Testpakete für die Klassen packen. Der Aufwand für die Tests beanspruche derzeit die Arbeitskraft eines ganzes Tages einer Verwaltungsstelle. Unklar ist darüber hinaus, ob die Testungen immer in den ersten Stunden der ersten Wochentage verpflichtend sind, da dies laut Schröer immer dieselben Lehrkräfte und dieselben Unterrichtsstunden treffen würden.

„Unsere Forderung, die wir alle [weiterführenden Schulen in Werne, Anm. d. Red.] haben, ist: Es wäre uns allen wohler, wenn wir geimpft wären“, sagt Schröer. Denn bisher wurden nur Kräfte der Grundschulen, Kitas und Jugendeinrichtungen geimpft. „Es ist eine große Belastung, damit umzugehen.“ Und von der Seite des Landes gebe es derzeit noch keine Pläne, auch Kräfte an den weiterführenden Schulen zu impfen.

Am Anne-Frank-Gymnasium (AFG) sollte am Montag und Dienstag eigentlich schon getestet werden. Doch die Tests waren erst am Montag angekommen, sodass die Schnelltests wegen Klausuren auf den Donnerstag und Freitag geschoben wurden. Weil die Testungen am GSC allerdings unproblematisch gewesen seien, hatte man der Testung am AFG entspannt entgegen gesehen, so Schulleiter Marcel Damberg. Und so lief es dann auch ab, erklärt Damberg am Freitagvormittag. „Das war wirklich unproblematisch.“ Der Ablaufplan, der vorab festgelegt worden war und für den das Team auch durch die Verschiebung der Tests noch einmal ausreichend Zeit hatte, habe sich „voll bewährt“.

95 Prozent der Schüler hätten an den Tests teilgenommen, für die die Klassen sich bei diesem Durchlauf am Donnerstag- und Freitagmorgen bis zu 2 Stunden Zeit ließen – hier testeten sich die Schüler nacheinander in den Klassenräumen. In zwei Fällen am Donnerstag waren Schüler per Schnelltest positiv getestet worden, sodass die psychologische Beratung und die Seelsorger sich um die Schüler kümmerten. Einer stellte sich bis Freitagnachmittag per PCR-Test als Fehlalarm heraus. Für die Schüler sei dies aber nicht mit Angst oder Panik verbunden gewesen, so Damberg. Auch, weil dieses Szenario Teil der Vorbereitungen gewesen sei.

Für die Tests nach den Ferien sind bereits die ersten Kits in der Schule angekommen – wenn auch unvollständig, so Damberg. Der Schulleiter ist sich sicher, dass die Test künftig schneller ablaufen werden, weil die Schüler nun Übung haben. Trotzdem bleibe es spannend, wie die Tests nach den Ferien ablaufen würden. Die Erfahrungen der ersten Testrunde sollen nun ausgewertet werden. Möglicherweise werde man in einige Gruppen künftig an zwei offenen, verschiedenen Fenster parallel testen.

Weitere Inhalte für junge Familien in Werne finden Sie auf unserer Familienseite: rn.de/familien

Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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Eva-Maria Spiller

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